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Regulierung

Brasilien verschärft Regeln für Sportwetten: Glücksspielverband ANJL prüft neue Vorgaben

Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Brasilien verschärft Regeln für Sportwetten: Glücksspielverband ANJL prüft neue VorgabenKI-GENERIERT

Der brasilianische Verband ANJL diskutiert neue Auflagen für Sportwetten-Lizenzen. Bis zum 20. August 2024 reichten bereits 113 Betreiber ihre Anträge bei der Behörde SPA ein.

In Brasilien herrscht kurz vor dem offiziellen Start des regulierten Glücksspielmarktes am 1. Januar 2025 geschäftiges Treiben. Die National Association of Gaming and Lotteries (ANJL) traf sich am Freitag, dem 31. Mai, um tiefgreifende Änderungen an der Verordnung SPA/MF Nr. 827/2024 zu besprechen. Diese Verordnung bildet das Rückgrat für die Erteilung von Genehmigungen durch das brasilianische Finanzministerium. Ein bedeutender Teil der Verbandsmitglieder nahm an der Sitzung teil, um die bisherigen technischen Vorbereitungen der Betreiber abzugleichen und kritische Punkte in einem kollektiven Antwortschreiben an die Regierung zu formulieren.

Die Stimmung in der Branche ist eine Mischung aus Goldgräberstimmung und regulatorischer Sorge. Während das Marktpotenzial als gigantisch gilt, wachsen die Anforderungen an die Dokumentation und die finanzielle Transparenz. Das Finanzministerium verfolgt mit den neuen Entwürfen drei Kernziele: eine robustere Dokumentation zur Verhinderung von Geldwäsche, eine beschleunigte Bewertung des Finanzstatus der Betreiber sowie der Kapitalherkunft und die Schaffung einer detaillierten Grundlage, um Informationslücken zwischen Marktteilnehmern und der Aufsichtsbehörde zu schließen.

Zahlen und Fakten

Die Dimensionen des brasilianischen Marktes sind beeindruckend. Ein Bericht der International Betting Integrity Association (IBIA) prognostiziert für das Jahr 2028 einen Umsatz bei Sportwetten von bis zu 34 Milliarden US-Dollar. Der Bruttospielertrag (Gross Gaming Revenue, GGR) könnte bei 2,8 Milliarden US-Dollar liegen. Um an diesem Kuchen teilzuhaben, müssen Betreiber tief in die Tasche greifen. Eine Bundeslizenz kostet 30 Millionen Brasilianische Real (BRL), was etwa 4,9 Millionen Euro entspricht. Diese Lizenz gilt für fünf Jahre und erlaubt den Betrieb von bis zu drei Marken.

Die Nachfrage ist trotz der hohen Hürden enorm. Bis zum Ende der ersten Prioritätsfrist am 20. August 2024 reichten 113 Unternehmen ihre Anträge bei der Secretariat of Prizes and Betting (SPA) ein. Interessanterweise kamen 108 dieser Anträge erst nach der Veröffentlichung der letzten Sanktionsverordnungen am 31. Juli zustande. Die SPA steht nun vor der logistischen Herausforderung, diese Flut an Anträgen innerhalb von vier Monaten zu bearbeiten. Neil Montgomery von der Kanzlei Montgomery & Associados berichtete, dass die Behörde plant, Bewerber innerhalb von 35 Tagen nach Einreichung über die Vollständigkeit ihrer Unterlagen zu informieren.

Hintergrund

Die rechtliche Analyse der ANJL wurde von einem Team aus vier Anwälten geleitet: Hygo Carvalho, Pedro Prates, Rafael Fernandes und Alice Ravazzoli. Sie untersuchten die technischen Beiträge der Mitglieder und kategorisierten diese nach ihrer Dringlichkeit und Auswirkung auf den operativen Betrieb. Plínio Lemos Jorge, Präsident der ANJL, betonte die Wichtigkeit des geschlossenen Auftretens der Branche gegenüber dem Ministerium.

„Wir werden all dies gemeinsam innerhalb des Verbandes diskutieren. Zusammen sind wir stärker. Die Herausforderung eines Mitglieds ist die Herausforderung für alle. Wir werden Themen ansprechen, die den gesamten Sektor betreffen, damit jeder an diesem Prozess teilhaben kann.“ - Plínio Lemos Jorge, Präsident der ANJL

Ein wesentlicher Streitpunkt bleibt die technische Umsetzung der IT-Systeme und deren Zertifizierung. Da die öffentliche Konsultationsphase für die regulatorischen Änderungen bis zum 9. September 2018 (laut ursprünglichem Protokoll, faktisch auf das aktuelle Gesetz bezogen) offen ist, bleibt wenig Zeit für Korrekturen. Neben der Lizenzgebühr müssen Unternehmen zu mindestens 20 Prozent in brasilianischer Hand sein und strenge KYC-Verfahren (Know Your Customer) sowie Maßnahmen gegen Terrorismusfinanzierung implementieren. Zudem dürfen Zahlungen nur per elektronischem Transfer abgewickelt werden, während Kreditkarten und Kryptowährungen strikt untersagt sind.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Für deutsche Spieler hat die Regulierung in Brasilien keine direkten Auswirkungen auf ihr tägliches Spielvergnügen, dient aber als spannendes Vergleichsmodell. Während Brasilien erst jetzt einen vollumfänglichen Markt für Online-Casinos und Sportwetten schafft, ist Deutschland mit dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) bereits einen Schritt weiter. Deutsche Kunden genießen durch die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) ein extrem hohes Schutzniveau. In Deutschland gibt es klare Grenzen wie das anbieterübergreifende Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat und das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin an virtuellen Automaten.

Spieler in Deutschland sollten darauf achten, nur bei Anbietern zu spielen, die auf der sogenannten White-List der GGL stehen. Diese lizenzierten Portale sind an das LUGAS-System zur Überwachung von Limits und das Sperrsystem OASIS angeschlossen. Im Gegensatz zu den entstehenden Regeln in Brasilien, wo viele Details noch in der Schwebe sind, bietet der deutsche Rechtsrahmen absolute Sicherheit bei der Auszahlung von Gewinnen und faire Gewinnchancen. Brasilianische Lizenzen sind für EU-Bürger irrelevant, da diese keine rechtliche Handhabe bei Streitfällen bieten.

Was das für GGL-Casinos heißt

Deutsche Lizenznehmer beobachten die globale Entwicklung genau, da viele Konzerne wie Betano sowohl in Deutschland als auch in Brasilien aktiv sind. Die hohen Lizenzgebühren von 30 Millionen BRL in Brasilien zeigen, dass staatliche Regulierung weltweit teurer wird. GGL-lizenzierte Casinos müssen sich in Deutschland bereits mit strengen Steuern und strikten Werbeauflagen auseinandersetzen. Die Professionalisierung des brasilianischen Marktes könnte dazu führen, dass internationale Betreiber ihre Ressourcen umschichten, was den Wettbewerb um deutsche Kunden beeinflussen könnte. Dennoch bleibt die deutsche Lizenz das Qualitätsmerkmal für Seriosität im deutschsprachigen Raum, da sie die Einhaltung höchster Spielerschutzstandards garantiert.

Häufige Fragen

Wie hoch ist die Lizenzgebühr für Online-Wetten in Brasilien?

Betreiber müssen für eine fünfjährige Bundeslizenz eine Gebühr von 30 Millionen Brasilianischen Real (BRL) entrichten. Dies entspricht umgerechnet etwa 4,9 Millionen Euro und erlaubt die Nutzung von bis zu drei verschiedenen Marken unter einer Lizenz.

Welche Zahlungsarten sind im neuen brasilianischen Markt verboten?

Das brasilianische Gesetz untersagt die Nutzung von Kreditkarten und Kryptowährungen für Einzahlungen bei Glücksspielanbietern. Erlaubt sind ausschließlich elektronische Überweisungen, um eine bessere Rückverfolgbarkeit des Geldflusses zu gewährleisten.

Wann startet der regulierte Glücksspielmarkt in Brasilien offiziell?

Der offizielle Start des legalen Online-Glücksspielmarktes in Brasilien ist für den 1. Januar 2025 angesetzt. Bis dahin müssen alle eingereichten Lizenzanträge von der zuständigen Behörde SPA geprüft und genehmigt worden sein.

Müssen brasilianische Glücksspielanbieter eine lokale Präsenz haben?

Ja, Unternehmen müssen in Brasilien niedergelassen sein, um eine Lizenz zu erhalten. Zudem ist vorgeschrieben, dass mindestens 20 Prozent des Kapitals der Betreibergesellschaft in brasilianischem Besitz sein müssen.

Darf ich als deutscher Spieler bei einem Casino mit brasilianischer Lizenz spielen?

Nein, für Spieler mit Wohnsitz in Deutschland ist das Spielen bei Anbietern mit rein brasilianischer Lizenz illegal. Man sollte ausschließlich bei Casinos spielen, die eine offizielle Lizenz der GGL besitzen und somit auf der deutschen White-List stehen.

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Über die Autorin

Lisa Lustich

Lisa Lustich

Chefredakteurin & Casino-Testerin

Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).

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Quellen & weiterführende Links

Erwähnte Unternehmen:ANJL

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