Brasilien verschärft Regeln für Glücksspiel-Werbung

Brasilien hat strengere Regeln für kommerzielle Preispromotionen eingeführt, die sich auf das Marketing von Glücksspielanbietern auswirken könnten. Der regulierte Online-Glücksspielmarkt des Landes erzielte 2025 im ersten Jahr einen GGR von 7 Milliarden US-Dollar und steht unter Druck, Werbung einzudämmen.
Brasilien führt strengere Vorschriften für kommerzielle Preispromotionen ein. Diese Änderung könnte die Marketingkampagnen und Kundenbindungsinitiativen von Glücksspielanbietern erheblich beeinflussen. Am 2. Juli 2026 wurde dieser Schritt als Teil einer breiteren Regulierungswelle bekannt gegeben, die auf den schnell wachsenden brasilianischen Glücksspielmarkt abzielt. Die neuen Regeln betreffen nicht nur die Werbung selbst, sondern auch die Art und Weise, wie Anbieter ihre Produkte der Öffentlichkeit präsentieren dürfen.
Zahlen und Fakten
Der regulierte Online-Glücksspielmarkt Brasiliens startete im Januar 2025 mit 14 Anbietern. Mittlerweile gibt es über 80 lizenzierte Betreiber im Land. Im ersten vollständigen Jahr, 2025, wurde ein Bruttospielertrag (Gross Gaming Revenue, GGR) von 7 Milliarden US-Dollar erzielt. Diese beeindruckende Zahl verdeutlicht das immense Potenzial des Marktes, aber auch den Bedarf an klaren Regeln. Senator Carlos Portinho, der Berichterstatter des Gesetzesentwurfs 2.985/2023, hat zwar ein pauschales Werbeverbot aus dem Vorschlag gestrichen, aber das genehmigte Gesetz enthält ein Verbot von Wettwerbung während Live-Sportübertragungen.
Ebenso ist der Einsatz von Prominenten, Influencern und Athleten in Marketingmaterialien untersagt, sofern es sich um aktuelle Spieler oder solche handelt, deren Karriere vor weniger als fünf Jahren endete. Diese neuen Bestimmungen werden voraussichtlich nicht vor 2026 in Kraft treten. Google selbst hat im Jahr 2025 beeindruckende 270 Millionen Glücksspielanzeigen blockiert, was den Umfang des Werbeproblems verdeutlicht. Die vom Senat verabschiedete Gesetzesvorlage sieht Strafen von bis zu 2 Millionen US-Dollar und den möglichen Entzug von Lizenzen vor.
Hintergrund
Die Einführung strengerer Werberegeln in Brasilien ist eine Reaktion auf die rasante Entwicklung des Glücksspielmarktes und wachsende Bedenken hinsichtlich Spielerschutz. Im vergangenen Jahr geriet das Spiel „Fortune Tiger“ in die Schlagzeilen, nachdem Influencer das Spiel an ihre Follower vermarkteten und attraktive finanzielle Belohnungen versprachen. Viele Spieler verloren dabei große Summen Geld auf betrügerischen Seiten. Seit diesem Skandal hat die Aufsichtsbehörde Secretariat of Prizes and Bets (SPA) Maßnahmen ergriffen, um die Werbung durch Influencer weiter einzuschränken.
Bereits im Juli des Vorjahres veröffentlichte die SPA die Normative Anordnung Nr. 1.231. Sie legte fest, wie lizenzierte Betreiber ihre Produkte bewerben dürfen. Dazu gehörten Einschränkungen, die den Anbietern untersagen, Wetten als „sozial attraktiv“ darzustellen oder Anzeigen auf Kinder und Jugendliche auszurichten. Sämtliche Werbung lizenzierter Betreiber muss zudem ein „18+“-Symbol tragen und sich an den Grundsätzen der sozialen Verantwortung und der Förderung verantwortungsvollen Spielens orientieren. Senatorin Damares Alves verknüpfte problematisches Glücksspiel mit sich verschlechternden psychischen Problemen unter Brasilianern. Angesichts dieser Entwicklungen ist Brasilien nicht das einzige Land, das Werbeverbote in Betracht zieht oder bereits umgesetzt hat. Belgien, die Niederlande, Spanien und Italien haben ebenfalls strenge Werbebeschränkungen eingeführt oder komplette Verbote erlassen.
Was das für GGL-Casinos heißt
Für in Deutschland lizenzierte GGL-Casinos sind die brasilianischen Entwicklungen ein Beispiel dafür, wie sich Märkte entwickeln können, wenn die Regulierung erst im Nachhinein greift. Die GGL hat von Anfang an einen strengen Kurs eingeschlagen. Der GlüStV 2021 beinhaltet von Beginn an strenge Werbevorschriften, Einzahlungslimits und den 1-Euro-Spin-Einsatz bei Slots. Das soll verhindern, dass deutsche Anbieter ähnliche Probleme erleben, wie sie in Brasilien durch unregulierte Werbung, insbesondere durch Influencer, entstanden sind. Deutsche Casinos müssen sich an die Whitelist der GGL halten, um legal agieren zu können. Diese Liste gibt Spielern die Sicherheit, bei seriösen Anbietern zu spielen. Die Erfahrungen anderer Länder, wie Brasilien, aber auch europäische Staaten wie Belgien oder Spanien, zeigen, dass eine vorausschauende und umfassende Regulierung notwendig ist, um sowohl den Spielerschutz zu gewährleisten als auch ein stabiles Umfeld für lizenzierte Betreiber zu schaffen. Die GGL-Casinos profitieren von dieser klaren Struktur, auch wenn die Regeln auf den ersten Blick restriktiv wirken können.
Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
Alle Artikel von Lisa Lustich →Quellen & weiterführende Links
- Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL): gluecksspiel-behoerde.de
- Whitelist erlaubter Online-Anbieter: GGL-Whitelist
- BZgA Spielsucht-Hotline: 0800 1 372 700 (kostenlos, anonym, 24/7)
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