Entain droht Milliardenklage in Australien wegen Fast Code Wetten
KI-GENERIERTDer Glücksspielriese Entain sieht sich einer Sammelklage gegenüber, da das Fast Code System für In-Play-Wetten gegen das australische Gesetz von 2001 verstoßen haben soll.
In Australien braut sich ein juristisches Gewitter für den Glücksspielgiganten Entain zusammen. Das Unternehmen wurde vom Obersten Gerichtshof von Victoria verpflichtet, Kunden über eine laufende Sammelklage zu informieren. Im Kern geht es um das sogenannte Fast Code System, das bei den Marken Ladbrokes und Neds zum Einsatz kam. Die Kläger behaupten, dass diese Methode zur Abgabe von Live-Wetten während laufender Sportereignisse illegal war, da sie gegen den Interactive Gambling Act 2001 (IGA) verstieß. Entain weist diese Vorwürfe entschieden zurück, doch der Druck auf den Konzern wächst stetig.
Das System funktionierte so, dass Kunden in der App oder auf der Webseite eine Wette auswählten, woraufhin ein Code generiert wurde. Danach mussten sie den Buchmacher anrufen und den Code vorlesen, um die Wette zu platzieren. In Australien sind Live-Wetten im Internet grundsätzlich verboten, es sei denn, sie werden vollständig über einen Telefondienst abgewickelt. Die Klägerseite argumentiert nun, dass die Vorbereitung der Wette über die App den Vorgang zu einem unzulässigen hybriden Dienst macht, der nicht mehr als reiner Telefondienst gilt.
Zahlen und Fakten
Die Sammelklage wird von der Kanzlei Maurice Blackburn im Namen des Klägers Jeremy Bergman geführt. Betroffen sind potenziell alle Personen, die zwischen dem 4. März 2019 und dem 4. März 2025 Wetten über den Fast Code Service platziert und dabei Verluste erlitten haben. Die australische Kommunikations- und Medienbehörde ACMA hatte bereits im Dezember 2023 festgestellt, dass Entain und andere Anbieter wie Bet365 und Sportsbet mit solchen Systemen gegen die Regeln für In-Play-Wetten verstoßen haben. Damals wurde von weiteren Schritten abgesehen, da die Anbieter zusicherten, die Regeln künftig einzuhalten. Nun jedoch fordern die betroffenen Spieler ihr Geld zurück.
„Es wird behauptet, dass Entains Fast Code Service gegen den IGA verstieß, da er Kunden erlaubte, Informationen über die Wette über die Neds- oder Ladbrokes-App einzugeben, woraufhin der Kunde aufgefordert wurde, einen Anruf bei Entain einzuleiten.“ - Sprecher des Supreme Court of Victoria
Entain argumentiert in seiner Verteidigung, dass die Transaktion erst durch das Gespräch mit einem menschlichen Mitarbeiter finalisiert wurde und somit die gesetzlichen Anforderungen erfüllt seien. Interessanterweise hat Entain eine Widerklage eingereicht. Sollten die Kläger Erfolg haben und ihre Verluste erstattet bekommen, will das Unternehmen im Gegenzug sämtliche Gewinne zurückfordern, die diese Kunden im gleichen Zeitraum erzielt haben. Dies könnte die finanziellen Hoffnungen vieler Kläger im Keim ersticken.
Hintergrund
Australien gilt als einer der härtesten Märkte für Online-Glücksspielregulierungen. Der Interactive Gambling Act 2001 bildet das Fundament, auf dem die ACMA hart gegen illegale Angebote vorgeht. Seit November 2019 wurden bereits 926 illegale Glücksspiel-Webseiten blockiert. Mehr als 220 Dienste haben sich aufgrund des Drucks vollständig aus dem australischen Markt zurückgezogen. Kürzlich ordnete die ACMA die Sperrung von weiteren 12 Seiten an, darunter Playzilla und Wazamba, da diese ohne Lizenz operierten. Die Behörde warnt Verbraucher eindringlich davor, dass bei nicht lizenzierten Anbietern kein Spielerschutz besteht und Gewinne oft einbehalten werden.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Tipper ist dieser Fall ein wichtiges Warnsignal bezüglich der Rechtskonformität von Wettprodukten. In Deutschland regelt der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) den Markt extrem streng. Live-Wetten sind zwar erlaubt, aber stark eingeschränkt, um das Suchtpotenzial zu minimieren. Ein System wie Fast Code, das eine rechtliche Lücke ausnutzt, würde hierzulande sofort die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) auf den Plan rufen. Wer bei Anbietern wettet, die auf der offiziellen GGL-Whitelist stehen, ist vor solchen rechtlichen Unsicherheiten weitgehend geschützt.
In Deutschland gelten strikte Limits: maximal 1 Euro Einsatz pro Spin bei Slots und ein anbieterübergreifendes Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat, das über das System LUGAS überwacht wird. Wer bei in Deutschland nicht lizenzierten MGA- oder Curacao-Casinos spielt, begibt sich in eine ähnliche Grauzone wie die australischen Fast Code Nutzer. Im Streitfall haben Spieler bei Anbietern ohne deutsche Lizenz kaum eine rechtliche Handhabe, da diese oft keinen Gerichtsstand in der Bundesrepublik haben.
Was das für GGL-Casinos heißt
Deutsche Casinos mit GGL-Lizenz müssen jede Spielform vorab genehmigen lassen. Kreative Umgehungskonstruktionen wie in Australien haben hier keine Chance auf eine Zulassung. Die GGL prüft die Software und den Ablauf von Wetten bis ins kleinste Detail. Für legale Betreiber bedeutet der Fall Entain, dass Transparenz und strikte Einhaltung der nationalen Gesetze die einzige Versicherung gegen existenzbedrohende Sammelklagen sind. Während Entain in Australien mit der Verjährung für Ansprüche vor dem 4. März 2022 argumentiert, ist die deutsche Rechtsprechung bei illegalem Glücksspiel oft spielerfreundlicher, was Rückforderungen betrifft.
Häufige Fragen
Wer ist von der Sammelklage gegen Entain betroffen?
Betroffen sind alle Kunden, die zwischen dem 4. März 2019 und dem 4. März 2025 den Fast Code Service bei Ladbrokes oder Neds in Australien genutzt haben. Diese Personen werden automatisch als Gruppenmitglieder geführt, sofern sie nicht bis zum 8. Oktober 2026 aktiv widersprechen.
Warum wird das Fast Code System als illegal angesehen?
Der Vorwurf lautet, dass die Wette nicht rein telefonisch erfolgte, da wesentliche Schritte über eine App oder Webseite eingeleitet wurden. Das australische Gesetz verlangt für Live-Wetten jedoch eine vollständige Abwicklung über einen Sprachanruf.
Wie reagiert Entain auf die Vorwürfe der Kläger?
Entain bestreitet die Vorwürfe und gibt an, dass die Wetten rechtmäßig durch einen menschlichen Operator am Telefon bestätigt wurden. Zudem hat das Unternehmen eine Widerklage eingereicht, um bei einer Niederlage bereits ausgezahlte Gewinne von den Kunden zurückzufordern.
Welche Rolle spielt die Behörde ACMA in diesem Fall?
Die ACMA hatte bereits 2023 festgestellt, dass solche Quick-Code-Systeme gegen die Regeln verstoßen. Die Behörde setzt den Interactive Gambling Act 2001 durch und hat seit 2019 fast 1.000 illegale Webseiten in Australien blockiert.
Sind solche Wettsysteme auch in Deutschland möglich?
Nein, in Deutschland müssen alle Wettabläufe den strengen Vorgaben der GGL entsprechen und vorab genehmigt werden. Spieler sollten ausschließlich Anbieter der offiziellen Whitelist nutzen, um von den Schutzmaßnahmen des GlüStV 2021 zu profitieren.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
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