Frankreich plant strengere Regeln für Sportwetten und Jugendschutz
KI-GENERIERTFranzösische Abgeordnete debattieren über neue Budgetmaßnahmen und Kontrollen, während die Regulierungsbehörde ANJ verpflichtende Verlustlimits für junge Erwachsene unter 24 Jahren fordert.
In Frankreich brodelt die politische Debatte um die Zukunft des Glücksspiels und dessen Rolle im Profisport. Während sich das Land auf die Präsidentschaftswahlen im nächsten Jahr vorbereitet, stehen im Parlament entscheidende Weichenstellungen für die Regulierung und Finanzierung an. Im Zentrum steht ein Gesetzesentwurf für den Profisport, der die finanzielle Stabilität der Ligen sichern und gleichzeitig den Schutz junger Konsumenten massiv ausweiten soll. Die Diskussionen in der Assemblée nationale vor der Sommerpause verdeutlichten die Zerrissenheit zwischen strengem Spielerschutz und wirtschaftlichen Notwendigkeiten.
Besonders die jüngere Zielgruppe steht im Fokus der französischen Glücksspielbehörde Autorité Nationale des Jeux (ANJ). Die Behörde beobachtet mit Sorge, wie stark junge Erwachsene zwischen 18 und 25 Jahren Glücksspielprodukten ausgesetzt sind. Um dem entgegenzuwirken, sieht der aktuelle Gesetzesvorschlag die Einführung von verpflichtenden Verlustlimits für diese Altersgruppe vor. Damit würde Frankreich eine Vorreiterrolle in Europa einnehmen. Bisher haben lediglich die Niederlande ein solches Modell für Spieler unter 24 Jahren gesetzlich verankert. Diese Maßnahme soll der ANJ zudem ermöglichen, die Anzahl der Spielmoderatoren zu erhöhen und die Verlustniveaus, denen Spieler ausgesetzt sind, strenger zu überwachen.
Zahlen und Fakten
Ein großes Problem für den französischen Markt bleibt die Illegalität. Laut der Vereinigung zum Schutz von Sportprogrammen (APPS) nutzen fast 60 Prozent der geschätzt 9,9 Millionen Fußballfans in Frankreich illegale Streaming-Plattformen, um Spiele zu verfolgen. Dies entzieht dem regulierten Markt wichtige Einnahmen und untergräbt den Jugendschutz. Die ANJ schätzt zudem, dass es in Frankreich rund 1,2 Millionen problematische Spieler gibt, von denen 360.000 als exzessive Spieler eingestuft werden. Eine Studie aus dem Jahr 2021 zeigt, dass bereits 34,8 Prozent der befragten Minderjährigen Glückserfahrungen gesammelt hatten.
Die wirtschaftliche Bedeutung der Wettanbieter für den Sport ist dennoch unumstritten. Ein Änderungsantrag, der ein umfassendes Werbeverbot während der Spiele sowie ein Sponsoringverbot für Sportvereine vorsah, wurde abgelehnt. Belkhir Belhaddad, Berichterstatter der zuständigen Kommission, verteidigte diese Entscheidung im Parlament deutlich.
„Ob man sie mag oder nicht, Sportwettenanbieter sind eine wirklich nützliche Finanzierungsquelle für die Sportwelt in einer Zeit, in der Geld schwer zu finden ist." - Belkhir Belhaddad, Kommissionsberichterstatter der Assemblée nationale
Hintergrund
Die finanzielle Lage des französischen Profifußballs ist seit Jahren angespannt. Nach dem Scheitern des Mediapro-Vertrags um das Jahr 2020 und dem unsicheren Markteintritt von DAZN im Jahr 2024 musste die Ligue de Football Professionnel (LFP) reagieren. Im Jahr 2025 startete sie mit Ligue 1+ einen eigenen Dienst für Endverbraucher. In diesem volatilen Umfeld sind die Sponsorengelder der Buchmacher überlebenswichtig. Politisch ist das Thema jedoch ein Zankapfel: Während linke Parteien wie La France Insoumise Glücksspiel als Steuer für Arme bezeichnen, verfolgen konservative und rechte Parteien einen pragmatischeren Ansatz.
Zusätzlich geht die ANJ konsequent gegen neue Formen des Glücksspiels vor. So wurden Prognosemärkte wie Polymarket in Frankreich blockiert. Die Behörde argumentiert, dass diese Plattformen süchtig machende Eigenschaften aufweisen, die durch das Fehlen von Schutzmechanismen wie Identitätsprüfungen oder Einzahlungslimits noch verstärkt werden. Im Jahr 2019 trugen problematische Spieler Schätzungen zufolge 38,3 Prozent zum Bruttospielertrag (GGR) in Frankreich bei, was den Druck auf die Regulierer weiter erhöht.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Spieler zeigt die Entwicklung in Frankreich, dass der Trend zur strengen Regulierung europaweit anhält. Wer in Deutschland bei einem von der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) lizenzierten Anbieter spielt, ist bereits an das zentrale Sperrsystem LUGAS angebunden. Hier gilt ein generelles monatliches Einzahlungslimit von 1.000 Euro über alle Anbieter hinweg. Die französischen Pläne für spezifische Jugend-Verlustlimits könnten auch in Deutschland Debatten anstoßen, da der Schutz von Spielern unter 25 Jahren im Glücksspielstaatsvertrag 2021 ebenfalls eine hohe Priorität genießt.
Aktuell müssen sich deutsche Kunden keine Sorgen um ein plötzliches Werbeverbot während der Übertragungen machen, solange sie bei legalen Anbietern auf der Whitelist wetten. Dennoch verdeutlicht das Beispiel Frankreich, wie schnell politische Stimmungen kippen können. Deutsche Spieler sollten darauf achten, ausschließlich Plattformen mit GGL-Lizenz zu nutzen, da nur hier die strengen deutschen Grenzwerte für Einsätze (1 Euro Limit bei Slots) und Verluste technisch überwacht werden. Illegale Angebote, wie sie in Frankreich massiv über Prognosemärkte beworben werden, bieten in Deutschland keinerlei Rechtssicherheit.
Was das für GGL-Casinos heißt
Lizensierte Betreiber in Deutschland müssen die französischen Entwicklungen genau beobachten. Die Forderung nach strengeren Verlustlimits für junge Erwachsene könnte als Vorbild für zukünftige Anpassungen des GlüStV dienen. Deutsche GGL-Casinos sind bereits verpflichtet, Früherkennungssysteme für Spielsucht zu betreiben. Die ANJ in Frankreich verlangt nun von ihren Betreibern messbare Ergebnisse bei der Identifizierung exzessiver Spieler. Dies unterstreicht die Notwendigkeit für deutsche Anbieter, ihre Algorithmen zur Erkennung auffälligen Spielverhaltens kontinuierlich zu verfeinern, um regulatorischen Verschärfungen zuvorzukommen.
Häufige Fragen
Welche neuen Regeln plant Frankreich für junge Spieler?
Frankreich beabsichtigt die Einführung verpflichtender Verlustlimits für Personen im Alter von 18 bis 25 Jahren. Damit folgt das Land dem Vorbild der Niederlande als zweiter europäischer Staat mit solch spezifischen Altersgrenzen beim Spielerschutz.
Wurde ein Werbeverbot für Glücksspiel in Frankreich beschlossen?
Nein, ein entsprechender Änderungsantrag für ein Werbeverbot während der Spiele wurde abgelehnt. Die Politik stuft die Einnahmen aus Wettsponsoring als derzeit unverzichtbar für die Finanzierung des Profisports ein.
Warum wurden Plattformen wie Polymarket in Frankreich blockiert?
Die französische Aufsichtsbehörde ANJ stuft Prognosemärkte als nicht autorisiertes Glücksspiel ein. Da diese Plattformen keine Schutzmechanismen wie Identitätsprüfungen bieten, werden sie als gefährlich für den Verbraucherschutz angesehen.
Wie viele Menschen in Frankreich gelten als spielsüchtig?
Die ANJ geht von etwa 1,2 Millionen problematischen Spielern im Land aus. Davon werden rund 360.000 Personen als exzessive Glücksspieler mit hohem Suchtrisiko eingestuft.
Was bedeutet die französische Debatte für Spieler in Deutschland?
In Deutschland gelten durch den GlüStV 2021 bereits strenge Regeln wie das 1.000 Euro Einzahlungslimit und die LUGAS-Anbindung. Die französischen Pläne zeigen jedoch, dass der Fokus auf den Schutz junger Erwachsener in der EU weiter zunimmt.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
Alle Artikel von Lisa Lustich →Quellen & weiterführende Links
- Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL): gluecksspiel-behoerde.de
- Whitelist erlaubter Online-Anbieter: GGL-Whitelist
- BZgA Spielsucht-Hotline: 0800 1 372 700 (kostenlos, anonym, 24/7)
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