Lustich.de arbeitet nicht gewinnorientiert. Überschüsse fließen in gemeinnützige Projekte, zum Beispiel in den Bau von Schulen und Brunnen in Benin (Westafrika). Mehr erfahren
Alle Casino News auf Deutsch
Markt

US Glücksspielmarkt im Wandel: Gallup Umfrage zeigt Rückgang der Beteiligung

18. August 20266 Min.von Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
US Glücksspielmarkt im Wandel: Gallup Umfrage zeigt Rückgang der BeteiligungKI-GENERIERT

Eine neue Gallup Studie offenbart, dass nur noch 45 Prozent der US Amerikaner am Glücksspiel teilnehmen. 2016 lag dieser Wert noch bei 64 Prozent.

Die Glücksspielbranche in den USA steht vor einem Paradoxon. Während die legalen Möglichkeiten für Sportwetten und Online-Casinos in immer mehr Bundesstaaten zunehmen, sinkt die Zahl der Menschen, die tatsächlich am Glücksspiel teilnehmen, laut aktuellen Daten erheblich. Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Gallup, die zwischen dem 1. Juli und dem 19. Juli 2026 unter 1.200 Erwachsenen durchgeführt wurde, zeichnet ein Bild, das viele Branchenkenner überrascht haben dürfte. Nur noch 45 Prozent der US-Amerikaner gaben an, im vergangenen Jahr mindestens einmal Geld für Glücksspiele ausgegeben zu haben.

Dieser Trend ist besonders bemerkenswert, da die Beteiligung vor rund einem Jahrzehnt noch deutlich höher lag. Im Jahr 2016 berichteten 64 Prozent der Befragten von entsprechenden Aktivitäten, und im Jahr 2007 waren es 63 Prozent. Der Rückgang zieht sich durch fast alle klassischen Sparten des Sektors. Vor allem das Interesse an staatlichen Lotterien, die traditionell die beliebteste Form des Glücksspiels darstellen, ist massiv eingebrochen. Gaben 2016 noch 49 Prozent der Befragten an, Lottoscheine gekauft zu haben, waren es in der aktuellen Erhebung nur noch 31 Prozent.

Zahlen und Fakten

Die detaillierten Ergebnisse der Gallup-Studie zeigen, dass sich das Konsumverhalten der Amerikaner stark verschoben hat. Etwa 14 Prozent der Befragten besuchten im vergangenen Jahr ein stationäres Casino. Im Jahr 2016 lag dieser Wert noch bei 26 Prozent. Überraschend niedrig fielen die Angaben zu Sportwetten aus. Obwohl der Markt seit der Aufhebung des Bundesverbots im Jahr 2018 förmlich explodiert ist, gaben lediglich 7 Prozent der Befragten an, auf professionelle Sportereignisse gewettet zu haben. Dieser Wert ist identisch mit dem aus dem Jahr 2007, was die Frage aufwirft, warum das enorme Wachstum der legalen Sportwettenmärkte nicht in der breiten Bevölkerungsschicht ankommt.

Ein möglicher Grund für diese Diskrepanz könnte die Methodik der Umfrage sein. Gallup räumt ein, dass Menschen bei telefonischen Interviews tendenziell seltener zugeben, um Geld zu spielen, als bei anonymen Online-Befragungen. Eine parallele Online-Umfrage ergab eine Beteiligungsquote von 53 Prozent. Dennoch bleibt der Abwärtstrend im Vergleich zu früheren Telefonumfragen bestehen. In der Zwischenzeit boomen sogenannte Prognosemärkte wie Kalshi und Polymarket, auf denen Menschen auf den Ausgang von Wahlen, Kriegen oder sportlichen Ereignissen setzen können. Diese Anbieter argumentieren, dass sie Finanzprodukte anbieten, keine Glücksspiele.

Hintergrund

Die regulatorische Einordnung dieser neuen Plattformen sorgt für juristische Kämpfe. So hat der Bundesstaat New York im vergangenen Monat Klage gegen Kalshi erhoben. Der Vorwurf lautet, das Unternehmen betreibe faktisch ein Glücksspielgeschäft ohne die erforderliche staatliche Lizenz und entziehe sich zudem den entsprechenden Steuern. Die National Council on Problem Gambling (NCPG) sieht in diesen Plattformen ebenfalls funktionale Glücksspielangebote. Cole Wogoman, Direktor für Regierungsbeziehungen beim NCPG, betonte die Notwendigkeit von Schutzmaßnahmen.

„Wir benötigen konsistente Verbraucherschutzmaßnahmen bei aufstrebenden Produkten wie Prognosemärkten, die funktional Glücksspielplattformen sind. Wenn sie finanzielle Einsätze, unsichere Ergebnisse und wiederholte Teilnahme beinhalten, müssen wir die Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit berücksichtigen."- Cole Wogoman, Director of Government Relations bei NCPG

Auch das Einstiegsalter bereitet Experten Sorgen. Eine Untersuchung der Harris Poll für das NCPG ergab, dass 65 Prozent der über 21-jährigen Erwachsenen bereits vor Erreichen des gesetzlichen Mindestalters von 21 Jahren an Glücksspielen teilgenommen haben. Besonders alarmierend ist, dass 40 Prozent dieser Gruppe bereits vor ihrem 21. Geburtstag Lotterieprodukte konsumierten und 23 Prozent Sportwetten platzierten. Trotz dieser weitreichenden Erfahrungen wird das Thema Suchtprävention in der medizinischen Grundversorgung kaum adressiert. Nur 15 Prozent der Amerikaner gaben an, jemals von einem Arzt auf ihr Spielverhalten angesprochen worden zu sein.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Für Spieler in Deutschland bieten diese US-amerikanischen Entwicklungen interessante Vergleichspunkte. Während in den USA die Beteiligung sinkt, aber die Erlöse pro Kopf steigen, setzt der deutsche Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) auf strikte Mengenbeschränkungen zum Schutz des Einzelnen. Deutsche Spieler, die in einem von der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) lizenzierten Casino spielen, unterliegen strengen Sicherheitsmechanismen, die in den USA oft erst jetzt debattiert werden. Das anbieterübergreifende Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat im LUGAS-System stellt sicher, dass Verluste begrenzt bleiben. Auch das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spielrunde an virtuellen Automaten soll exzessives Spielverhalten verhindern.

Im Gegensatz zu den rechtlichen Grauzonen der Prognosemärkte in den USA ist die deutsche Rechtslage durch die Whitelist der GGL sehr klar definiert. Deutsche Nutzer sollten ausschließlich Anbieter wählen, die auf dieser Liste stehen, um rechtlich abgesichert zu sein. Plattformen ohne GGL-Lizenz bieten keinen Zugang zum OASIS-Sperrsystem und garantieren nicht die Einhaltung der strengen deutschen Spielerschutzregeln. Während US-Studien zeigen, dass die Stigmatisierung des Glücksspiels bei persönlichen Umfragen zunimmt, fördert die Regulierung in Deutschland eine Normalisierung im Sinne eines sicheren Unterhaltungsangebots unter staatlicher Aufsicht.

Was das für GGL-Casinos heißt

Für die Betreiber von Casinos mit deutscher Lizenz bedeutet der Trend aus den USA, dass die Qualität der Kundenbindung wichtiger wird als die reine Masse an Spielern. Da das Neukundengeschäft durch die hohen regulatorischen Hürden des GlüStV 2021 erschwert wird, müssen GGL-Casinos verstärkt auf Transparenz und faire Bonusbedingungen setzen. Die Studie aus den USA zeigt, dass junge Menschen bereits früh mit Glücksspiel in Kontakt kommen. Deutsche Anbieter stehen hier in der Pflicht, die Identitätsprüfung (KYC) extrem ernst zu nehmen, um Minderjährige konsequent auszuschließen. Nur so kann das Vertrauen in den regulierten Markt langfristig erhalten bleiben.

Zudem verdeutlicht die US-Debatte um Prognosemärkte, wie wichtig eine klare Abgrenzung zwischen Finanzwetten und Glücksspiel ist. In Deutschland unterliegen solche Produkte ebenfalls strengen Prüfungen. Anbieter, die sich nicht an die Regeln halten oder versuchen, Glücksspiel als Finanzprodukt zu tarnen, müssen mit konsequenten Maßnahmen der GGL rechnen. Der Rückgang der Beteiligung in den USA bei gleichzeitigem Umsatzwachstum ist ein Warnsignal: Spielerschutz darf nicht erst dann greifen, wenn eine kleine Gruppe von Spielern überproportional viel Geld verliert. Die Präventionsarbeit, wie sie das NCPG in den USA fordert, ist in Deutschland durch die gesetzlich vorgeschriebenen Sozialkonzepte bereits fest verankert.

Häufige Fragen

Wie viele Amerikaner spielen laut der Gallup Studie aktuell Glücksspiele?

Laut der im Juli 2026 durchgeführten Umfrage gaben 45 Prozent der Erwachsenen an, im vergangenen Jahr an mindestens einer Form des Glücksspiels teilgenommen zu haben. Dies stellt einen massiven Rückgang gegenüber den 64 Prozent aus dem Jahr 2016 dar.

Welche Rolle spielen Prognosemärkte wie Kalshi in der aktuellen Debatte?

Prognosemärkte erlauben Wetten auf Ereignisse wie Wahlen oder Kriege, werden aber rechtlich oft als Finanzprodukte deklariert. Der Staat New York hat Kalshi jedoch verklagt, da die Plattform nach Ansicht der Behörden faktisch ein nicht lizenziertes Glücksspielgeschäft betreibt.

Wie viele US Bürger wetten auf Sportveranstaltungen?

Trotz der weitreichenden Legalisierung seit 2018 gaben in der Gallup Umfrage nur 7 Prozent der Befragten an, im letzten Jahr auf professionellen Sport gewettet zu haben. Interessanterweise liegt dieser Wert auf demselben Niveau wie im Jahr 2007.

Ab wann kommen junge Menschen in den USA laut NCPG mit Glücksspiel in Kontakt?

Eine Untersuchung zeigt, dass 65 Prozent der über 21 Jährigen bereits vor ihrem 21. Geburtstag am Glücksspiel teilgenommen haben. Besonders verbreitet war dabei der Kauf von Lotterielosen und das Platzieren von Sportwetten.

Was ist der Unterschied zur rechtlichen Lage für Spieler in Deutschland?

In Deutschland ist der Markt durch den Glücksspielstaatsvertrag 2021 und die GGL Lizenzierung strenger reguliert als in den USA. Deutsche Spieler profitieren von festen Limits wie dem 1.000 Euro Einzahlungslimit und dem Anschluss an das Sperrsystem OASIS, was den Spielerschutz deutlich erhöht.

Teilen

Über die Autorin

Lisa Lustich

Lisa Lustich

Chefredakteurin & Casino-Testerin

Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).

Alle Artikel von Lisa Lustich

Quellen & weiterführende Links

Glücksspiel kann süchtig machen. Spielen Sie verantwortungsbewusst. Hilfe und Beratung unter 0800 1 372 700 (BZgA, kostenlos & anonym).

Diesen Artikel in 17 Sprachen lesen

Verwandte Themen

Weiterführende Artikel