Google schränkt Werbung für Prognosemärkte in fünf US-Bundesstaaten ein
KI-GENERIERTDer Tech-Riese reagiert auf rechtliche Konflikte in Ohio, Nevada und weiteren Staaten. Etwa 70 Prozent der Nutzer auf diesen Plattformen handeln laut S&P-Studie mit Sportwetten-Kontrakten.
Die Werbelandschaft für digitale Prognosemärkte erfährt derzeit einen massiven Umbruch. Google hat seine Richtlinien für Google Ads im Oktober 2026 erneut angepasst und den Zugang für Betreiber von Plattformen für Ereigniskontrakte in fünf US-Bundesstaaten gesperrt. Betroffen sind die Märkte in Connecticut, Michigan, Nevada, New York und Ohio. Hintergrund sind eskalierende Rechtsstreitigkeiten zwischen den Betreibern und staatlichen Regulierungsbehörden, die in diesen Kontrakten eine Umgehung von Glücksspielgesetzen sehen. Besonders der Bereich der Sportwetten-Kontrakte steht im Fokus, da diese in Nevada und Michigan generell nicht angeboten werden dürfen.
Die Entscheidung von Google folgt auf eine Reihe von Klagen und Unterlassungserklärungen. So wurde beispielsweise Connecticut erst kürzlich zur Liste der gesperrten Regionen hinzugefügt, nachdem der Bundesstaat rechtliche Schritte eingeleitet hatte. Betreiber wie Kalshi oder Underdog müssen nun nachweisen, dass sie über alle notwendigen Lizenzen im Finanz-, Rohstoff- oder Glücksspielbereich verfügen, um in den verbleibenden Regionen überhaupt werben zu dürfen. Google fordert zudem eine spezifische Zertifizierung für jedes Werbekonto, was die Hürden für diese Nischenbranche deutlich nach oben schraubt.
Zahlen und Fakten
Ein aktueller Bericht von S&P Global Market Intelligence Kagan für das dritte Quartal 2026 zeigt die enorme Bedeutung des Sports für diesen Sektor. Demnach haben 70 Prozent der Nutzer, die auf Prognosemärkten aktiv waren, mit Sport-Ereigniskontrakten gehandelt. Im Vergleich dazu entfielen nur 36 Prozent auf wirtschaftliche oder finanzielle Ergebnisse und 33 Prozent auf politische Ausgänge. Trotz der medialen Aufmerksamkeit sind diese Plattformen noch kein Massenphänomen. Nur etwa 10 Prozent der Befragten gaben an, im vergangenen Jahr auf einer entsprechenden Börse gehandelt zu haben. Gleichzeitig erklärten 44 Prozent, noch nie von Prognosemärkten gehört zu haben.
Besonders brisant ist die Lage für das Unternehmen Underdog. Der Anbieter hat mittlerweile sieben Bundesstaaten verklagt, darunter Washington, Connecticut, Massachusetts, New Mexico, Ohio, Wisconsin und Tennessee. In Tennessee reagierte Underdog auf eine Unterlassungsaufforderung mit einer Klage vor dem US-Bezirksgericht. Der Staat hatte gedroht, die Fantasy-Sport-Lizenz zu entziehen und strafrechtliche Ermittlungen einzuleiten. Underdog argumentiert, dass ihre Produkte von der Commodity Futures Trading Commission (CFTC) reguliert werden und somit nicht unter die staatlichen Glücksspielgesetze fallen.
Hintergrund
Der Kern des Konflikts liegt in der Definition der Produkte. Handelt es sich um Finanzderivate oder um getarnte Sportwetten? Adam Greenblatt, CEO von BetMGM, äußerte sich während einer Telefonkonferenz zu den Ergebnissen des dritten Quartals skeptisch über die Zukunft dieser Märkte vor Gericht.
„Ich denke, der entscheidende Test ist, ob dies die Absicht des Kongresses war. Ich glaube, es wird sich zeigen, dass dies nicht der Fall ist.“ - Adam Greenblatt, CEO von BetMGM
Greenblatt erwartet, dass der Supreme Court in der Sitzungsperiode 2026 und 2027 für Klarheit sorgen wird. Er geht davon aus, dass die aktuellen Angebote über das hinausgehen, was gesetzlich als Rohstoffhandel vorgesehen war. Währenddessen versucht die CFTC, casino-ähnliche Wetten auf Prognosemärkten durch neue Regeln zu verbieten, was laut Branchenexperten jedoch nur zu neuen Ausweichmanövern der Anbieter führen könnte.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Nutzer sind diese US-spezifischen Prognosemärkte wie Kalshi faktisch nicht zugänglich, da sie keine Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) besitzen. In Deutschland regelt der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) streng, welche Arten von Wetten zulässig sind. Prognosemärkte, die Sportwetten als Finanzkontrakte tarnen, würden hierzulande sofort als illegales Glücksspiel eingestuft. Deutsche Spieler profitieren bei lizenzierten Anbietern von hohen Schutzstandards, wie dem monatlichen Einzahlungslimit von 1.000 Euro über das LUGAS-System und dem Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin bei Slots. Wer auf nicht regulierten Plattformen agiert, hat keinerlei Rechtssicherheit und riskiert die Sperrung von Konten ohne Auszahlungsmöglichkeit.
Was das für GGL-Casinos heißt
Deutsche Casinos mit GGL-Lizenz können diesen Trend gelassen beobachten. Da die Regulierung in Deutschland sehr präzise zwischen Finanzprodukten und Glücksspiel unterscheidet, gibt es kaum Raum für solche Grauzonen-Modelle. Für lizenzierte Betreiber bedeutet die strikte Linie von Google in den USA eine Bestätigung, dass Plattformen ohne klare lokale Glücksspiellizenz zunehmend aus den großen Werbenetzwerken verdrängt werden. Dies stärkt langfristig den kanalisierten Markt, da Spieler weniger wahrscheinlich auf dubiose „Ereignis-Börsen“ stoßen, die keine Spielerschutzmaßnahmen bieten.
Häufige Fragen
Warum blockiert Google Werbung für Prognosemärkte?
Google hat die Richtlinien aufgrund rechtlicher Unsicherheiten und Klagen in Staaten wie Ohio und Nevada geändert. Die Betreiber müssen nun nachweisen, dass sie alle lokalen Finanz- und Glücksspiellizenzen besitzen, um Anzeigen schalten zu dürfen.
Welche US-Bundesstaaten sind von der Werbesperre betroffen?
Die Sperre gilt aktuell für Connecticut, Michigan, Nevada, New York und Ohio. In diesen Regionen dürfen Anbieter wie Kalshi keine Bewohner mehr mit gezielten Werbekampagnen ansprechen.
Was wird auf Prognosemärkten am häufigsten gehandelt?
Laut einer S&P-Umfrage dominieren Sportwetten-Kontrakte mit einem Anteil von 70 Prozent den Markt. Politische Ereignisse kommen auf 33 Prozent, während wirtschaftliche Themen von 36 Prozent der Nutzer gehandelt werden.
Dürfen deutsche Spieler auf US-Prognosemärkten wetten?
Nein, Plattformen ohne GGL-Lizenz sind in Deutschland illegal. Der Glücksspielstaatsvertrag 2021 schreibt vor, dass nur Anbieter auf der offiziellen Whitelist legal agieren dürfen, um Spielerschutz und Rechtssicherheit zu garantieren.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
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