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JPMorgan beendet Bankgeschäfte mit Polymarket wegen regulatorischer Unsicherheit

17. August 20266 Min.von Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
JPMorgan beendet Bankgeschäfte mit Polymarket wegen regulatorischer UnsicherheitKI-GENERIERT

Die US-Großbank JPMorgan Chase hat im Oktober 2025 die Zusammenarbeit mit Polymarket beendet, obwohl die Plattform Umsätze von 1,2 Milliarden Dollar erzielt.

Die Finanzwelt erlebt derzeit einen massiven Umbruch, bei dem traditionelle Bankhäuser und innovative Wettplattformen aufeinanderprallen. JPMorgan Chase, einer der größten Bankenriesen der Welt, hat Berichten zufolge die Reißleine gezogen und die direkte Zusammenarbeit mit Polymarket im Oktober 2025 eingestellt. Dieser Schritt erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem das Interesse an Prognosemärkten, auf denen Nutzer auf den Ausgang von realen Ereignissen wetten können, so hoch ist wie nie zuvor. Die Entscheidung der Bank wird primär auf die zunehmende regulatorische Unsicherheit in den USA zurückgeführt, wo Behörden wie die CFTC (Commodity Futures Trading Commission) die Daumenschrauben für solche Plattformen merklich anziehen.

Obwohl die operativen Bankgeschäfte ruhen, scheint die Verbindung zwischen dem Finanzdienstleister und der Krypto-Wettplattform keineswegs am Ende zu sein. Es ist ein klassisches Beispiel für das Spannungsfeld zwischen Risikoaversion und der Gier nach lukrativen Mandaten. Während JPMorgan das Tagesgeschäft meidet, bewirbt sich die Bank gleichzeitig um die Rolle des Konsortialführers für den geplanten Börsengang von Polymarket. Hier geht es um enorme Summen, da das Unternehmen eine Bewertung von rund 20 Milliarden Dollar anstrebt. Die Diskrepanz zwischen der Ablehnung der Kontoführung und dem Wunsch, das Unternehmen an die Börse zu bringen, zeigt, wie schwierig die Einordnung von Prognosemärkten in das bestehende Finanzsystem fällt.

Zahlen und Fakten

Polymarket ist längst kein kleines Nischendasein mehr. Laut Quellen von Bloomberg hat sich der annualisierte Umsatz des Unternehmens auf beeindruckende 1,2 Milliarden Dollar verdreifacht. Dies weckt Begehrlichkeiten an der Wall Street. Der Mutterkonzern der New Yorker Börse, Intercontinental Exchange (ICE), hat bereits massiv investiert. Nach einer ersten Beteiligung von einer Milliarde Dollar im Oktober 2025 hat ICE weitere 600 Millionen Dollar zugesagt und plant, insgesamt bis zu 2 Milliarden Dollar zu investieren. Auch andere Schwergewichte sind involviert: Coatue Management führte eine Finanzierungsrunde für den Konkurrenten Kalshi an, die diesen mit 22 Milliarden Dollar bewertete.

Polymarket selbst wehrt sich gegen die Darstellung einer vollständigen Trennung von JPMorgan. In einem Statement gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters betonte ein Sprecher die weiterhin enge Verzahnung.

„Wir unterhalten eine enge, aktive Beziehung zu JPMorgan über mehrere Einheiten, betriebliche Integrationen und die materielle Abwicklung von Kundenmittelflüssen hinweg. Die Stärke unserer Beziehung wird dadurch unterstrichen, dass unser CEO allein im vergangenen Jahr auf drei ihrer Flaggschiff-Veranstaltungen gesprochen hat." - Sprecher, Polymarket

Hintergrund

Der Kern des Problems liegt in der rechtlichen Einordnung der sogenannten Ereigniskontrakte. In den USA regelt die CFTC den Handel mit Derivaten, wozu diese Prognosemärkte oft gezählt werden. Polymarket musste bereits 2022 eine Strafe zahlen, weil es eine nicht registrierte Plattform betrieb. Erst im September wurde ein Antrag zur Neuzulassung in den USA genehmigt, wobei Polymarket strikt zwischen US-Nutzern und internationalen Kunden trennt. Besonders umstritten sind derzeit sogenannte „Mention Markets“. Hierbei wetten Nutzer darauf, ob bestimmte Personen in Reden spezifische Wörter verwenden. Ein Skandal um einen Teleprompter-Bediener im Weißen Haus, Gabe Perez, der angeblich 100.000 Dollar mit Wetten auf Reden von Donald Trump verdient haben soll, hat die Behörden alarmiert. Kalshi reagierte bereits und fror Gewinne in Höhe von 90.000 Dollar ein.

Die Bankenwelt ist gespalten. Während JPMorgan vorsichtig agiert, zeigt sich Goldman Sachs CEO David Solomon offener und bezeichnet das Segment als „super interessant“. Er zieht es vor, von Ereigniskontrakten statt von spekulatitivem Glücksspiel zu sprechen. Dennoch bleibt die Überwachung ein massives Thema. Polymarket und Kalshi haben seit Jahresbeginn über 140 potenzielle Fälle von Insiderhandel identifiziert und gemeldet, um das Vertrauen der Regulatoren zurückzugewinnen.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Für deutsche Nutzer ist die rechtliche Lage bei Plattformen wie Polymarket oder Kalshi eindeutig, aber kompliziert in der Umsetzung. Nach dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) sind solche Angebote in Deutschland meist nicht lizenziert. Wer in der Bundesrepublik legal wetten möchte, muss sich an Anbieter halten, die auf der offiziellen Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) stehen. Diese lizenzierten Betreiber unterliegen strengen Auflagen, die dem Spielerschutz dienen. Dazu gehört das anbieterübergreifende Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat, das über das LUGAS-System überwacht wird.

Ebenso gilt bei deutschen Online-Slots ein Einsatzlimit von 1 Euro pro Spielrunde. Plattformen wie Polymarket, die oft auf Krypto-Basis und ohne deutsche Erlaubnis operieren, bieten keinen dieser Schutzmechanismen. Deutsche Spieler riskieren bei der Nutzung solcher illegalen Angebote nicht nur den Verlust ihrer Einlagen ohne rechtliche Handhabe, sondern verstoßen im schlimmsten Fall gegen das Verbot der Teilnahme am unerlaubten Glücksspiel. Wer Sicherheit sucht, sollte ausschließlich bei Casinos mit deutscher Konzession spielen, da nur dort die strikten Kontrollen der GGL greifen und Spielerschutz garantiert ist.

Was das für GGL-Casinos heißt

Für Betreiber mit einer GGL-Lizenz stellen internationale Trends wie Prognosemärkte eine zweischneidige Herausforderung dar. Einerseits steigt das Interesse an neuartigen Wettformen, andererseits verdeutlicht der Fall JPMorgan, wie schnell Finanzpartner abspringen können, wenn rechtliche Grauzonen betreten werden. Deutsche Anbieter profitieren hier von ihrer Rechtsklarheit. Da sie streng reguliert sind, haben sie in der Regel keine Probleme mit deutschen Bankverbindungen oder Zahlungsdienstleistern. Das Sponsoring und die VIP-Programme werden in Deutschland ebenfalls scharf kontrolliert, um Exzesse wie in den USA zu vermeiden, wo Senator Richard Blumenthal kürzlich Verbote für VIP-Werbung forderte.

Häufige Fragen

Warum hat JPMorgan die Konten von Polymarket gekündigt?

Die Bank zog sich im Oktober 2025 aufgrund der wachsenden regulatorischen Unsicherheit in den USA aus dem operativen Bankgeschäft mit dem Unternehmen zurück. Die Behörden prüfen derzeit intensiv, ob diese Prognosemärkte als illegales Glücksspiel oder regulierte Finanzprodukte einzustufen sind.

Wie viel ist Polymarket aktuell wert?

Das Unternehmen strebt eine Bewertung von rund 20 Milliarden Dollar an, während der Konkurrent Kalshi bereits mit 22 Milliarden Dollar bewertet wurde. Der annualisierte Umsatz von Polymarket hat sich laut Bloomberg-Berichten auf 1,2 Milliarden Dollar verdreifacht.

Was sind Mention Markets und warum sind sie umstritten?

Bei Mention Markets wetten Teilnehmer darauf, ob bestimmte Wörter in öffentlichen Reden fallen, etwa durch Politiker. Ein Fall von mutmaßlichem Insiderhandel durch einen Mitarbeiter des Weißen Hauses führte dazu, dass die CFTC eine umfassende Untersuchung dieser Wettform einleitete.

Können deutsche Spieler legal bei Polymarket wetten?

Nein, Anbieter wie Polymarket besitzen keine Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) für den deutschen Markt. In Deutschland ist Glücksspiel nur bei Anbietern legal, die auf der offiziellen Whitelist stehen und die Regeln des GlüStV 2021 befolgen.

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Über die Autorin

Lisa Lustich

Lisa Lustich

Chefredakteurin & Casino-Testerin

Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).

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Quellen & weiterführende Links

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