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Regulierung

Glücksspiel im Visier der britischen Politik: Neue Verbote und Steuern drohen

24. September 20266 Min.von Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Glücksspiel im Visier der britischen Politik: Neue Verbote und Steuern drohenKI-GENERIERT

Im Vorfeld des britischen Haushalts streiten Labour, Konservative und Grüne über drastische Maßnahmen gegen Glücksspiel, darunter Sperrkarten für 350.000 Sozialhilfeempfänger.

Die politische Debatte in Großbritannien steuert auf einen neuen Höhepunkt zu, da die großen Parteien im Vorfeld des Haushalts im Herbst gegensätzliche Pläne für den Glücksspielsektor vorlegen. Im Zentrum steht ein kontroverser Vorschlag der Conservative Party unter der Führung von Kemi Badenoch. Die Tories planen, die Ausgaben von Empfängern staatlicher Transferleistungen strenger zu kontrollieren. Rund 350.000 Menschen, die das sogenannte Universal Credit beziehen, sollen eine voraufgeladene Karte erhalten, mit der Zahlungen für Glücksspiel, Alkohol und Tabak technisch unterbunden werden. Dieser Plan richtet sich gezielt an Arbeitsuchende, die länger als sechs Monate Leistungen beziehen und keine lückenlose Historie an Steuer- oder Sozialversicherungsbeiträgen vorweisen können. Ein Teil ihrer regulären Zahlungen würde um 30 Prozent gekürzt und stattdessen auf diese kontrollierte Karte geladen.

Die Labour Party zeigt sich von diesem Vorstoß wenig beeindruckt und bezeichnete das Vorhaben bereits als nicht praktikabel. Ein Sprecher erklärte, die Konservativen hätten 14 Jahre Zeit gehabt, das Sozialsystem zu reformieren, und seien gescheitert. Stattdessen setzt die aktuelle Labour Regierung auf ein Beschäftigungsförderungspaket im Wert von 3,5 Milliarden Pfund, um Menschen zurück in Arbeit zu bringen. Doch auch Labour steht unter Beobachtung, da in der Vergangenheit enge Verbindungen zur Industrie bestanden. So erhielt das Büro von Keir Starmer im Jahr 2020 eine Spende in Höhe von 25.000 Pfund von Peter Coates, dem Chef von Bet365. Insgesamt flossen seit März 2020 fast 400.000 Pfund an Spenden aus der Branche und von deren Führungskräften an die Labour Party.

Zahlen und Fakten

Die finanziellen Auswirkungen möglicher Steuererhöhungen sorgen bei den Betreibern für Alarmstimmung. Die Branche leidet bereits unter der Erhöhung der Remote Gaming Duty (RGD) von 21 auf 40 Prozent, die im April umgesetzt wurde. Nun droht eine Anhebung der General Betting Duty (GBD) von 15 auf 25 Prozent im April 2027. Besonders die Machine Games Duty (MGD) steht im Fokus der Kritik. Stella David, CEO von Entain, warnte in einem Brief an Premierminister Andy Burnham und in einem Gastbeitrag für die Zeitung The Sun, dass eine Erhöhung der MGD den Filialbetrieb von Entain jährlich 100 Millionen Pfund kosten könnte. Modellrechnungen von Ernst & Young (EY) stützen diese Sorgen und deuten darauf hin, dass der Fiskus letztlich 120 Millionen Pfund schlechter dastehen könnte, wenn man verlorene Lohnsteuer und Gewerbesteuer durch Ladenschließungen einberechnet.

Zack Polanski, Vorsitzender der Green Party, geht noch einen Schritt weiter. Seine Partei erwägt einen Antrag, der jegliche Glücksspielwerbung im Sport verbieten würde. Zudem fordern die Grünen eine Identifikationspflicht für Wettende, um insbesondere für Personen unter 25 Jahren strengere Beschränkungen durchzusetzen. Unterstützung erhalten sie dabei von der Gruppe Peers for Gambling Reform (PGR) aus dem Oberhaus, die ebenfalls ein landesweites Werbeverbot fordert. Grainne Hurst, Chefin des Branchenverbands Betting and Gaming Council (BGC), kritisierte diese Forderungen scharf als weltfremd. Sie betonte, dass solche Maßnahmen den lizenzierten Markt schwächen und Spieler direkt in die Arme des unregulierten Schwarzmarktes treiben würden.

Hintergrund

Der Konflikt verdeutlicht die Zerrissenheit der britischen Politik zwischen Spielerschutz und wirtschaftlicher Stabilität. Während die Konservativen mit Härte gegen vermeintliche Ausnutzer des Sozialsystems punkten wollen, sieht sich Labour mit dem Vorwurf konfrontiert, durch Spenden beeinflusst zu sein. Gleichzeitig fordert die Branche Planungssicherheit. Leo Walker, Geschäftsführer für den Einzelhandel bei William Hill, erklärte gegenüber der Racing Post, dass die Industrie hart lobbyieren werde, um die Regierung vor den katastrophalen Folgen einer MGD Erhöhung zu warnen. Er betonte die soziale Bedeutung der Wettbüros in den Einkaufsstraßen, die als Gemeinschaftsorte fungieren und streng reguliert seien.

„MGD und eine signifikante Erhöhung wäre katastrophal, wenn sie die von der Social Market Foundation vorgeschlagenen Werte erreicht. Wir sind stolz auf unsere Präsenz in der High Street und bieten dort fantastische Gemeinschaften.“ - Leo Walker, Managing Director Retail bei William Hill

Was heißt das für deutsche Spieler?

Für deutsche Spieler haben die Entwicklungen in Großbritannien keine direkten rechtlichen Auswirkungen, da in Deutschland der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) gilt. Allerdings zeigen die Debatten um Werbeverbote und Einsatzbeschränkungen Parallelen zur hiesigen strengen Regulierung durch die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL). Während in UK über Werbeverbote im Sport gestritten wird, sind in Deutschland bereits strikte Regeln für die TV-Werbung und Sponsoring aktiv. Deutsche Spieler sind durch das anbieterübergreifende LUGAS System und das Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat sowie das 1 Euro Limit pro Spin an Slots geschützt. Die britische Diskussion über Sperrkarten erinnert an die deutschen Bestrebungen, finanzielle Stabilität der Spieler sicherzustellen, auch wenn hierzulande keine staatlich kontrollierten Bezahlkarten für Sozialhilfeempfänger im Glücksspielkontext existieren.

Was das für GGL-Casinos heißt

Casinos mit GGL-Lizenz können die britischen Entwicklungen als Warnsignal werten. Wenn ein großer Markt wie Großbritannien seine Steuerlast für Anbieter drastisch erhöht (wie die Remote Gaming Duty auf 40 Prozent), steigt der Druck auf die Margen international agierender Konzerne wie Entain oder Flutter. Dies könnte langfristig Auswirkungen auf Bonusangebote oder Quoten haben, da Unternehmen Verluste in einem Markt oft durch Einsparungen in anderen kompensieren müssen. Für lizenzierte deutsche Anbieter bleibt die Konkurrenzfähigkeit gegenüber dem Schwarzmarkt das zentrale Thema. Eine Überregulierung, wie sie die britischen Grünen fordern, führt laut BGC Chefin Grainne Hurst dazu, dass lizenzierte Anbieter ihren Wettbewerbsvorteil verlieren, was auch die GGL in Deutschland durch eine konsequente Kanalisierung zu verhindern sucht.

Häufige Fragen

Dürfen britische Sozialhilfeempfänger bald nicht mehr spielen?

Die Conservative Party schlägt vor, 350.000 Empfänger von Universal Credit mit einer Karte auszustatten, die Ausgaben für Glücksspiel und Alkohol sperrt. Labour hat diesen Vorschlag jedoch als unpraktikabel abgelehnt, weshalb eine Umsetzung derzeit unwahrscheinlich ist.

Warum wehren sich Entain und William Hill gegen neue Steuern?

Die Betreiber warnen vor einer Anhebung der Machine Games Duty, die laut Entain allein ihr Filialgeschäft mit 100 Millionen Pfund pro Jahr belasten würde. Sie befürchten, dass Ladenschließungen und der Verlust von Arbeitsplätzen dem Staat letztlich mehr kosten als einbringen.

Welche Rolle spielen politische Spenden in dieser Debatte?

Die Labour Party steht in der Kritik, da sie seit 2020 fast 400.000 Pfund an Spenden aus der Glücksspielindustrie erhalten hat, darunter 25.000 Pfund von Bet365 Chef Peter Coates. Dies führt zu Fragen über die Unabhängigkeit künftiger Regulierungsentscheidungen.

Was fordert die Green Party in Bezug auf Glücksspielwerbung?

Die Grünen fordern ein vollständiges Verbot von Glücksspielwerbung im Sport sowie eine strenge Identitätspflicht für alle Spieler. Diese Maßnahmen sollen besonders junge Menschen unter 25 Jahren vor Spielsucht schützen.

Gilt das britische Werbeverbot auch für deutsche Spieler?

Nein, deutsche Spieler unterliegen den Regeln des GlüStV 2021, der bereits strenge Einschränkungen für Werbung und Sponsoring vorsieht. Deutsche Anbieter müssen eine Lizenz der GGL besitzen, um legal operieren zu dürfen, unabhängig von britischen Gesetzen.

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Über die Autorin

Lisa Lustich

Lisa Lustich

Chefredakteurin & Casino-Testerin

Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).

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Quellen & weiterführende Links

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