Neuausschreibung auf Madeira: Das Casino Funchal sucht einen internationalen Partner

Die autonome Region Madeira schreibt die Casino-Konzession in Funchal neu aus. Das Verfahren richtet sich nach der Resolution 723/2026 und fordert den langjährigen Betreiber ITI heraus.
Auf der portugiesischen Urlaubsinsel Madeira stehen große Veränderungen im Glücksspielsektor bevor. Die Regionalregierung hat offiziell den Startschuss für eine internationale Ausschreibung gegeben, die über die Zukunft des Casino do Funchal entscheiden wird. Wer in den letzten Jahrzehnten die imposante Anlage in der Hauptstadt besucht hat, traf dort unweigerlich auf die Handschrift des aktuellen Betreibers. Doch diese Ära könnte bald enden, denn die Verantwortlichen suchen nach frischem Wind und neuen Investitionen. Es geht nicht nur um ein einfaches Gebäude, sondern um eine strategische Säule des regionalen Tourismus, die nun auf den Prüfstand gestellt wird.
Die Entscheidung fiel nicht hinter verschlossenen Türen eines Hinterzimmers, sondern folgt einem strengen rechtlichen Protokoll. Die Autonome Region Madeira ist Eigentümerin des Casinogebäudes und nutzt ihre Kompetenzen, um den Betrieb für die kommenden Jahre neu zu ordnen. Dabei setzt man auf ein Verfahren, das zwar beschränkt ist, aber durch internationale Bekanntmachungen weltweit für Aufsehen sorgen soll. Ziel ist es, einen privaten Partner zu finden, der bereit ist, das exklusive Recht auf Glücksspiele in der Zone Funchal zu übernehmen und weiterzuentwickeln. Die Zeit drängt dabei ein wenig, da das Jahr 2026 bereits als Fixpunkt im Kalender steht.
Zahlen und Fakten
Ein Blick in die offiziellen Dokumente offenbart die Details der Ausschreibung. Die Resolution Nr. 723/2026 wurde am 15. Juli 2026 vom Rat der Regionalregierung verabschiedet. Nur wenige Tage später, am 21. Juli, landete das Papier im Amtsblatt Jornal Oficial da Região Autónoma da Madeira. Damit wurde das Verfahren formell eingeleitet. Ein Kernpunkt ist das Datum des Vertragsendes: Die aktuelle Lizenz läuft am 31. Dezember 2026 aus. Das lässt potenziellen Bietern und der Verwaltung nur etwa fünf Monate Zeit, um den Prozess abzuschließen.
Besonders interessant ist die Historie des Standorts. Die Firma ITI, die zur Grupo Pestana gehört, hält die Konzession bereits seit dem Jahr 1968. Den eigentlichen Betrieb des Casino do Funchal führt das Unternehmen seit 1986. Dass nun ein offener Wettbewerb stattfindet, ist ein deutliches Signal. Es gibt keine automatische Verlängerung für den Platzhirsch. Die rechtliche Grundlage bildet das portugiesische Glücksspielgesetz, konkret das Dekret-Gesetz Nr. 422/89. Es legt fest, dass Glücksspiel grundsätzlich dem Staat vorbehalten ist, aber per Konzessionsvertrag an Aktiengesellschaften vergeben werden kann. Madeira nutzt hierbei Sonderrechte nach Artikel 166 des Gesetzes.
Hintergrund
Die Motivation hinter diesem Schritt ist vielschichtig. Die Regionalregierung unter Präsident Miguel Albuquerque möchte sicherstellen, dass der Übergang reibungslos verläuft. Man will Brüche vermeiden, sei es in finanzieller Hinsicht oder in Bezug auf die touristische Anziehungskraft der Insel. In der Resolution wird klargestellt, dass die Region das Eigentum am Casino behält, aber die operative Führung einem privaten Fachexperten überlassen will. Das Regionalsekretariat für Tourismus, Umwelt und Kultur wurde beauftragt, den Prozess zu steuern und letztlich den neuen Vertrag zu unterzeichnen.
„Die Region möchte, dass das Glücksspiel ohne Unterbrechung in rechtlicher, finanzieller oder touristischer Hinsicht fortgesetzt wird." - Miguel Albuquerque, Präsident der Regionalregierung von Madeira
Man hat sich bewusst gegen eine völlig offene öffentliche Ausschreibung und für eine beschränkte Ausschreibung mit vorheriger Qualifizierung entschieden. Das bedeutet, dass Bieter zunächst ihre Eignung nachweisen müssen, bevor sie ein detailliertes Angebot abgeben dürfen. Man sucht hier offenbar nach Schwergewichten der Branche, die das nötige Kapital und Know-how mitbringen, um das Casino do Funchal in eine neue Ära zu führen.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Urlauber, die gerne das Casino in Funchal besuchen, ändert sich vorerst wenig am Erlebnis vor Ort. Wer jedoch hofft, über diesen Weg Online-Angebote mit Madeira-Bezug in Deutschland zu finden, muss enttäuscht werden. In Deutschland gilt der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021). Dieser regelt strikt, wer hierzulande Dienstleistungen anbieten darf. Eine Konzession auf Madeira gibt einem Unternehmen keinerlei Recht, auf dem deutschen Markt aktiv zu sein. Deutsche Spieler sollten immer darauf achten, dass ein Anbieter auf der sogenannten Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) steht.
Nur Portale mit dieser Lizenz bieten den gesetzlich vorgeschriebenen Schutz. Dazu gehören das Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat und das Einsatzlimit von maximal 1 Euro pro Spielrunde bei Slot-Spielen. Diese technischen Hürden werden über das System LUGAS überwacht. Wer bei einem Anbieter spielt, der nur eine Lizenz aus Portugal oder gar aus Übersee besitzt, bewegt sich im unregulierten Bereich und genießt nicht den Schutz der deutschen Justiz. Ein Casino in Funchal ist ein schönes Erlebnis für den Urlaub, aber für das Spiel von zu Hause aus bleibt die GGL-Whitelist der einzige sichere Kompass.
Was das für GGL-Casinos heißt
Die Entwicklung auf Madeira zeigt, dass der Wettbewerb um physische Standorte und exklusive Lizenzen in Europa wieder anzieht. Für Betreiber, die bereits in Deutschland eine GGL-Lizenz halten, könnte Madeira als Prestige-Objekt interessant sein. Dennoch sind die Welten getrennt: Während in Deutschland der Fokus auf massivem Spielerschutz und strengen Limits liegt, arbeitet Portugal mit einem klassischen Konzessionsmodell für landbasierte Häuser. Deutsche Anbieter müssen enorme Summen in Technik und Compliance investieren, um LUGAS-konform zu bleiben. Ein Engagement auf Madeira würde für solche Firmen bedeuten, zwei völlig verschiedene regulatorische Welten gleichzeitig zu bedienen. In der Vergangenheit haben wir oft gesehen, dass große Konzerne versuchen, beide Segmente zu besetzen, aber der bürokratische Aufwand in Deutschland bleibt die deutlich größere Hürde im Vergleich zum portugiesischen Ausschreibungsverfahren.
Häufige Fragen
Wer darf sich an der Ausschreibung für das Casino in Funchal beteiligen?
An der Ausschreibung können sich internationale Unternehmen beteiligen, die als Aktiengesellschaft oder eine gleichwertige Rechtsform organisiert sind. Es handelt sich um ein beschränktes Verfahren mit vorheriger Qualifizierung, bei dem die Bewerber ihre fachliche und finanzielle Eignung nachweisen müssen.
Wann endet die aktuelle Lizenz des Casino do Funchal?
Die derzeitige Konzession, die seit vielen Jahren von der Grupo Pestana (ITI) gehalten wird, läuft am 31. Dezember 2026 aus. Die Regionalregierung strebt einen nahtlosen Übergang an, damit der Betrieb ohne rechtliche oder touristische Unterbrechungen weitergehen kann.
Welche Rolle spielt die Regierung von Madeira bei der Vergabe?
Die Autonome Region Madeira ist Eigentümerin des Casinogebäudes und hat die Hoheit über die Spielzone Funchal. Die Regionalregierung hat durch Resolution Nr. 723/2026 den Prozess eingeleitet, wobei das Regionalsekretariat für Tourismus, Umwelt und Kultur die operative Durchführung übernimmt.
Können deutsche Spieler in diesem Casino sicher spielen?
Ja, das Casino do Funchal ist eine staatlich konzessionierte Spielstätte in Portugal und unterliegt den dortigen Gesetzen. Für das Online-Spiel von Deutschland aus bietet diese Konzession jedoch keinen rechtlichen Rahmen; hierfür ist zwingend eine Lizenz der GGL erforderlich.
Gilt der deutsche Glücksspielstaatsvertrag auch für Anbieter aus Madeira?
Nein, der deutsche Glücksspielstaatsvertrag 2021 gilt nur für Angebote innerhalb Deutschlands. Ein Anbieter mit einer Lizenz aus Madeira darf ohne zusätzliche deutsche GGL-Lizenz keine Online-Glücksspiele für deutsche Kunden anbieten, da er sonst gegen die hiesigen Einsatzlimits und Spielerschutzregeln verstoßen würde.
Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
Alle Artikel von Lisa Lustich →Quellen & weiterführende Links
- Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL): gluecksspiel-behoerde.de
- Whitelist erlaubter Online-Anbieter: GGL-Whitelist
- BZgA Spielsucht-Hotline: 0800 1 372 700 (kostenlos, anonym, 24/7)
- Redaktionelle Methodik: Redaktionsrichtlinien Lustich.de
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