Österreichs Glücksspiel-Monopol wackelt: EU-Frist TRIS läuft im November ab
KI-GENERIERTÖsterreich plant den Umbruch seines Glücksspielmarktes hin zu einem offenen Lizenzsystem. Die EU-Stillhaltefrist endet am 5. November 2026 und ebnet den Weg für neue Anbieter.
In Österreich stehen die Zeichen auf Sturm, zumindest was die bisherige Ordnung am Glücksspielmarkt betrifft. Die Alpenrepublik nähert sich einer entscheidenden Frist der Europäischen Kommission, die das Ende einer Ära einläuten könnte. Am 5. November 2026 läuft die sogenannte Stillhaltefrist im Rahmen des technischen Informationssystems TRIS ab. Dieses Verfahren ist ein notwendiger Schritt für EU-Mitgliedstaaten, um nationale Gesetzesvorhaben mit dem EU-Binnenmarktrecht in Einklang zu bringen. Das Bundesministerium für Finanzen hat diesen Prozess bereits im August angestoßen, um das bestehende Online-Monopol durch ein wettbewerbsorientiertes Lizenzmodell zu ersetzen.
Der Kern des Vorhabens ist radikal für österreichische Verhältnisse. Bisher hält die Marke win2day der Österreichischen Lotterien die einzige Konzession für Online-Glücksspiel. Diese Erlaubnis gilt noch bis zum 30. September 2027. Doch bereits ab dem 1. Januar 2027 sollen neue Konzessionen vergeben werden können. Der eigentliche operative Startschuss für die neuen privaten Anbieter ist für den 1. Oktober 2027 geplant. Damit reagiert Österreich auf den wachsenden Druck, den freien Dienstleistungsverkehr innerhalb der EU zu wahren und gleichzeitig den Schwarzmarkt wirksamer zu bekämpfen. Die Regierung verspricht sich durch diesen Schritt eine bessere Kanalisierung der Spieler in den legalen Bereich.
Zahlen und Fakten
Ein zentraler Aspekt der Reform ist die Bereinigung der Vergangenheit. Betreiber, die bisher ohne österreichische Lizenz aktiv waren, müssen ihre Angebote bis zum 31. Dezember 2026 vollständig einstellen, um überhaupt für eine neue Lizenz infrage zu kommen. Wer diese Frist versäumt, wird mit einer Sperrfrist von 18 Monaten belegt. Wer sogar erst nach 2029 reagiert, muss 24 Monate warten. Zudem müssen alle ausstehenden Steuerschulden und rechtmäßig festgestellten Forderungen aus Spielerschutzklagen beglichen werden. Laut Finanzministerium geht es hierbei um eine Summe, die die Entschädigung von rund 20.000 betroffenen Spielern sicherstellen soll.
„Das Gesetz kann erst verabschiedet werden, wenn diese Frist abgelaufen ist, aber das Ministerium sagte, dass der parlamentarische Prozess in der Zwischenzeit fortgesetzt werden kann.“ - Alexandra Pankratyeva, Autorin bei European Gaming
Besonders junge Erwachsene zwischen 18 und 26 Jahren sollen künftig durch niedrigere Einzahlungslimits geschützt werden. Die neuen Regeln sehen zudem ein zentrales Sperrregister vor, das über alle Anbieter hinweg funktioniert. Wer sich selbst sperrt oder von einem Betreiber gesperrt wird, ist automatisch für Casinos, Spielautomaten und Online-Angebote blockiert. Ein digitales Aufsichtssystem soll sicherstellen, dass Einzahlungslimits anbieterübergreifend kontrolliert werden. Wer sein Limit erhöhen möchte, muss eine Wartezeit von 72 Stunden in Kauf nehmen. Bei Spielautomaten wird zudem eine verpflichtende Abkühlphase nach 90 Minuten Spielzeit eingeführt.
Hintergrund
Österreich folgt mit diesem Schritt dem Beispiel von Ländern wie den Niederlanden, Schweden und Finnland, die ihre Monopole ebenfalls aufgegeben haben. Die bisherige Struktur war oft Ziel juristischer Auseinandersetzungen, da private Anbieter das Monopol als Verstoß gegen die Dienstleistungsfreiheit sahen. Durch das neue System will der Staat die Kontrolle behalten, aber den Markt für Konzerne wie Entain öffnen. Entain, das mit seiner Marke bwin bereits in Österreich präsent ist, hat in Investorengesprächen bereits Interesse an einer Lizenz bekundet, kritisiert jedoch die geforderte Cooling-off-Phase vor der Lizenzvergabe.
Um die Durchsetzung der neuen Regeln zu garantieren, erhält die Behörde schärfere Waffen. Geplant sind umfassende Maßnahmen wie Payment Blocking, bei dem Zahlungsströme zu illegalen Anbietern unterbunden werden, sowie Website Blocking. Diese Instrumente sollen bereits ab Januar 2027 greifen, also noch bevor die ersten neuen Lizenzen im Oktober 2027 offiziell gültig werden. Damit soll der Markt für die legalen Lizenznehmer vorbereitet und gesäubert werden. Die Anzahl der landbasierten Casino-Lizenzen bleibt hingegen auf 13 begrenzt, wobei diese in Paketen vergeben werden können, um den Wettbewerbsdruck in einem gesunden Rahmen zu halten.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Spieler hat die Reform in Österreich zwar keine direkten rechtlichen Auswirkungen auf ihr Spiel in Deutschland, aber sie zeigt die Richtung der europäischen Regulierung auf. In Deutschland gilt seit dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) bereits ein sehr strenges System mit der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) als Aufsichtsinstanz. Deutsche Spieler sind an das anbieterübergreifende Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat gebunden, das über das LUGAS-System überwacht wird. Zudem gilt hierzulande das strikte 1 Euro Einsatzlimit pro Spin bei Online-Slots und die 5-Sekunden-Regel zwischen den Walzendrehungen.
Österreich übernimmt nun ähnliche Ansätze wie das anbieterübergreifende Sperrsystem, das in Deutschland als OASIS bekannt ist. Spieler aus Deutschland sollten darauf achten, dass sie ausschließlich in Casinos spielen, die auf der offiziellen GGL-Whitelist stehen. Anbieter mit Lizenzen aus Malta (MGA) oder Curacao gelten in Deutschland weiterhin als illegal und bieten nicht den Schutz durch deutsche Gesetze. Die Entwicklungen in Österreich könnten dazu führen, dass große Anbieter ihre Ressourcen umschichten, was langfristig auch das Bonusangebot oder die Spielauswahl für deutsche Kunden beeinflussen könnte, da der regulatorische Druck europaweit steigt.
Was das für GGL-Casinos heißt
Für Betreiber mit einer deutschen GGL-Lizenz bedeutet die Marktöffnung in Österreich eine neue Konkurrenzsituation im DACH-Raum. Da viele Unternehmen sowohl in Deutschland als auch in Österreich aktiv sind, müssen sie ihre Compliance-Systeme nun an zwei sehr ähnliche, aber im Detail unterschiedliche Regelwerke anpassen. Die Anforderung in Österreich, unautorisierte Angebote bis Ende 2026 einzustellen, ist eine deutliche Warnung: Wer künftig in regulierten Märkten Geld verdienen will, muss die Altlasten des grauen Marktes bereinigen. Dies stärkt die Position seriöser Anbieter, die bereits in Deutschland lizenziert sind und bewiesen haben, dass sie strenge Spielerschutzvorgaben technisch umsetzen können.
Häufige Fragen
Wann endet die EU-Frist für das neue österreichische Glücksspielgesetz?
Die Stillhaltefrist im Rahmen des TRIS-Verfahrens der Europäischen Kommission endet am 5. November 2026. Bis zu diesem Datum darf das Gesetz zwar im Parlament beraten, aber noch nicht offiziell verabschiedet werden.
Ab wann können Anbieter in Österreich neue Lizenzen erhalten?
Die Vergabe neuer Konzessionen für das Online-Glücksspiel ist ab dem 1. Januar 2027 geplant. Der tatsächliche Betrieb unter den neuen Lizenzen soll jedoch erst am 1. Oktober 2027 beginnen.
Welche Bedingungen müssen Betreiber für eine Lizenz erfüllen?
Anbieter müssen bis zum 31. Dezember 2026 alle unautorisierten Angebote in Österreich einstellen. Zudem müssen sämtliche Steuerschulden und ausstehende Zahlungen aus Spielerschutzverfahren für rund 20.000 Kläger beglichen sein.
Welche neuen Spielerschutzmaßnahmen werden in Österreich eingeführt?
Es wird ein zentrales, anbieterübergreifendes Sperrregister für Online- und Offline-Glücksspiel eingeführt. Zudem gibt es strengere Einzahlungslimits für 18- bis 26-Jährige und eine verpflichtende Abkühlphase bei Spielautomaten.
Wie unterscheidet sich die Lage für Spieler in Deutschland?
In Deutschland ist der Markt bereits durch den GlüStV 2021 reguliert, inklusive 1.000 Euro Einzahlungslimit und der OASIS-Sperrdatenbank. Deutsche Spieler dürfen nur bei Anbietern der GGL-Whitelist spielen, um rechtlich abgesichert zu sein.
Teilen
Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
Alle Artikel von Lisa Lustich →Quellen & weiterführende Links
Whitelist erlaubter Online-Anbieter
Redaktionsrichtlinien Lustich.de
BZgA Spielsucht-Hotline: 0800 1 372 700
Glücksspiel kann süchtig machen. Spielen Sie verantwortungsbewusst. Hilfe und Beratung unter 0800 1 372 700 (BZgA, kostenlos & anonym).
Verwandte Themen
Weiterführende Artikel
KI-GENERIERTKrypto-Casino Shuffle.com in Thailand unter Druck: Politische Verflechtungen?
Ein thailändischer Abgeordnetengatte hält Anteile am Krypto-Casino Shuffle.com. Jetzt fordern Politiker Ermittlungen wegen des Verdachts auf Insider-Entscheidungen bei der Blockierung thailändischer Spieler.
KI-GENERIERTGlitch beim Buchmacher: Gericht zwingt Spieler zur Rückzahlung von Millionen
Ein technischer Fehler machte einen Nigerianer auf dem Papier zum Multi-Millionär. Das Gericht in Lokoja entschied nun: Er muss 4,5 Millionen Naira zurückgeben.
KI-GENERIERTGlücksspiel erst ab 25 Jahren: Trinidad und Tobago verschärft Gesetze massiv
Der Senat in Trinidad und Tobago hebt das Mindestalter für Glücksspiel von 18 auf 25 Jahre an. Die Neuregelung soll Anfang 2027 in Kraft treten und sorgt für heftige Debatten.











