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Regulierung

Belgiens Glücksspielmarkt wächst auf 965 Millionen Euro trotz Neukunden-Einbruch

17. September 20266 Min.von Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Belgiens Glücksspielmarkt wächst auf 965 Millionen Euro trotz Neukunden-EinbruchKI-GENERIERT

Belgiens lizenzierter Online-Glücksspielmarkt verzeichnet 2025 einen Bruttospielertrag von 965 Millionen Euro, leidet aber unter einem massiven Rückgang der Neukunden um 43 Prozent.

Der belgische Glücksspielmarkt zeigt im Jahr 2025 ein zweigespaltenes Gesicht. Während die nackten Umsatzahlen der Online-Branche nach oben zeigen, schlagen Regulierer und Verbände wegen einer besorgniserregenden Entwicklung bei den Nutzerzahlen Alarm. Die Kansspelcommissie (KSC), die oberste Aufsichtsbehörde des Landes, legte Zahlen vor, die einen deutlichen Wandel im Konsumverhalten der Belgier offenbaren. Online-Glücksspiel macht mittlerweile 59 Prozent des gesamten regulierten Marktes aus und hat die landbasierten Angebote endgültig als wichtigste Säule abgelöst.

Doch hinter dem finanziellen Wachstum verbirgt sich eine statistische Delle, die die Zukunft des legalen Marktes gefährden könnte. Besonders die Rekrutierung neuer Spieler ist fast zum Erliegen gekommen, was die Diskussion um den sogenannten Schwarzmarkt neu entfacht. Wenn legale Anbieter für junge Erwachsene unsichtbar oder durch bürokratische Hürden unattraktiv werden, suchen sich viele Konsumenten Alternativen außerhalb des staatlichen Zugriffsbereichs. Dies ist eine Entwicklung, die auch in anderen europäischen Märkten mit Argusaugen beobachtet wird.

Zahlen und Fakten

Im Jahr 2025 erreichte der Bruttospielertrag (Gross Gaming Revenue, GGR) im Online-Bereich beachtliche 965 Millionen Euro. Dies entspricht einer Steigerung von 5,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im Gegensatz dazu mussten die landbasierten Spielstätten, also klassische Casinos und Wettbüros, einen Rückgang von 7 Prozent auf 656,09 Millionen Euro hinnehmen. Besonders dramatisch stellt sich die Situation bei den Neukunden dar. Nur noch 110.032 Personen registrierten sich 2025 zum ersten Mal für Online-Glücksspiel. Das ist ein massiver Einbruch um 43,1 Prozent gegenüber den 193.342 Neuanmeldungen aus dem Jahr 2024. Trotz dieses Rückgangs bei den Neulingen stieg die Zahl der täglich aktiven Online-Spieler leicht um 3 Prozent auf 160.144 Personen an.

Ein weiterer wichtiger Aspekt des Berichts betrifft den Spielerschutz. Die Zahl der freiwilligen Sperren im System EPIS (Excluded Persons Information System) stieg bis Ende 2025 auf 66.998 Personen an, verglichen mit 56.458 im Vorjahr. Allein im Jahr 2025 wurden laut KSC-Bericht über 715.000 Besuche in physischen oder digitalen Spielstätten aufgrund von Sperreinträgen blockiert. Dies zeigt, dass die Kontrollmechanismen technisch greifen, aber gleichzeitig die Hürden für den Markteintritt deutlich höher liegen als früher.

Hintergrund

Die Ursachen für den Rückgang der Neukunden sind vielfältig, hängen aber primär mit einer massiven Verschärfung der Gesetze zusammen. Seit dem 1. September 2024 gilt in Belgien ein einheitliches Mindestalter von 21 Jahren für alle Formen des Glücksspiels. Zuvor durften junge Erwachsene ab 18 Jahren an Sportwetten teilnehmen. Diese Altersgruppe von 21 bis 29 Jahren stellt zwar immer noch die größte Gruppe der Neueinsteiger dar, doch das Wegfallen der 18- bis 20-Jährigen reißt ein tiefes Loch in die Statistik. Zudem erschweren strikte KYC-Verfahren (Know Your Customer) und ein nahezu vollständiges Werbeverbot die Kundenakquise.

Der Branchenverband BAGO sieht die Regulierung kritisch. Man befürchtet, dass die legale Industrie durch die Unsichtbarkeit gegenüber dem aggressiven Marketing illegaler Anbieter verliert.

„Die Tatsache, dass 28 Prozent der Befragten im Alter von 18 bis 30 Jahren angeben, bereits auf einer illegalen Glücksspielseite gespielt zu haben, ist ein Alarmsignal, das nicht ignoriert werden kann.“ - Sprecher der BAGO

BAGO betont, dass Spieler auf illegalen Seiten keinen Schutz durch das EPIS-System oder Einzahlungslimits genießen und sich sogar strafbar machen können. Die KSC-Vorsitzende Magali Clavie ist nun gefordert, Strategien gegen den Schwarzmarkt zu entwickeln, die über reine Verbote für legale Lizenznehmer hinausgehen.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Die Situation in Belgien weist verblüffende Parallelen zur deutschen Rechtslage unter dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) auf. Auch in Deutschland kämpft die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) mit der Herausforderung, Spieler in den legalen Markt zu kanalisieren. Deutsche Spieler, die in Casinos mit GGL-Lizenz aktiv sind, müssen sich an strikte Regeln halten, wie das anbieterübergreifende Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat und das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spielrunde bei Slots.

Ähnlich wie in Belgien sorgt das zentrale Sperrsystem LUGAS in Deutschland dafür, dass Spielerschutz priorisiert wird, während die Branche über eine Abwanderung zu MGA- oder Curacao-Anbietern klagt. Der belgische Fall zeigt deutlich, dass eine Anhebung des Mindestalters oder Werbeverbote zwar den Jugendschutz stärken, aber gleichzeitig die Attraktivität des regulierten Marktes schwächen können. Für Spieler in Deutschland bedeutet dies weiterhin, dass Sicherheit und Rechtsschutz nur bei Anbietern auf der offiziellen Whitelist gewährleistet sind, während die Debatte um die Sichtbarkeit legaler Angebote auch hierzulande weitergehen wird.

Was das für GGL-Casinos heißt

Für Betreiber mit einer deutschen Lizenz der GGL liefert der belgische Bericht eine wichtige Warnung. Wenn die Regulierung zu restriktiv wird, sinkt die Zahl der Neukunden massiv. Deutsche Anbieter müssen daher verstärkt auf technologische Innovationen und Vertrauensbildung setzen, um sich gegen den illegalen Markt zu behaupten. Da das Marketing durch den GlüStV 2021 stark eingeschränkt ist, wird die Nutzererfahrung (UX) innerhalb der gesetzlichen Grenzen zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Die belgischen Daten belegen, dass Bestandskunden zwar treu bleiben, der Nachwuchs aber zunehmend in Grauzonen abdriftet, falls die legalen Hürden als zu hoch empfunden werden.

Häufige Fragen

Warum sinkt die Zahl der Neukunden in Belgien so stark?

Der Rückgang um über 43 Prozent liegt vor allem an der Erhöhung des Mindestalters von 18 auf 21 Jahre seit September 2024. Zudem erschweren strenge Werbeverbote und komplizierte Registrierungsprozesse den Zugang für neue Spieler.

Wie viel Umsatz macht der Online-Glücksspielmarkt in Belgien?

Im Jahr 2025 erwirtschaftete der Sektor einen Bruttospielertrag von 965 Millionen Euro, was einem Plus von 5,4 Prozent entspricht. Online-Glücksspiel dominiert damit fast 60 Prozent des gesamten belgischen Marktes.

Was ist das EPIS-System?

EPIS steht für Excluded Persons Information System und ist das zentrale Sperrsystem in Belgien. Es verhinderte im Jahr 2025 über 715.000 unerlaubte Spielteilnahmen durch gesperrte Personen.

Sind Spieler auf illegalen Seiten in Belgien geschützt?

Nein, der Branchenverband BAGO warnt, dass illegale Anbieter weder Einzahlungslimits noch Sperrprüfungen durchführen. Zudem drohen Spielern auf nicht lizenzierten Seiten strafrechtliche Konsequenzen.

Welche Parallelen gibt es zum deutschen Glücksspielmarkt?

Wie Belgien setzt Deutschland auf strenge Überwachung durch Systeme wie LUGAS und Oasis sowie Einsatzlimits von 1 Euro. Beide Länder kämpfen damit, Spieler im legalen, lizenzierten Markt zu halten und den Schwarzmarkt einzudämmen.

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Über die Autorin

Lisa Lustich

Lisa Lustich

Chefredakteurin & Casino-Testerin

Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).

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Quellen & weiterführende Links

Glücksspiel kann süchtig machen. Spielen Sie verantwortungsbewusst. Hilfe und Beratung unter 0800 1 372 700 (BZgA, kostenlos & anonym).

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