Steuerprivileg für Bingo-Hallen? Großbritannien prüft Befreiung bei Glücksspielautomaten
KI-GENERIERTDie britische Regierung erwägt gezielte Steuererhöhungen für Spielautomaten, möchte traditionelle Bingo-Clubs jedoch durch Ausnahmen schützen.
In den Fluren des britischen Schatzamtes brodelt es gewaltig, da neue Pläne zur Besteuerung von Spielautomaten auf dem Tisch liegen. Die Regierung unter Premierminister Keir Starmer prüft derzeit eine gezielte Erhöhung der sogenannten Machine Games Duty (MGD), um die Staatskasse aufzubessern. Besonders brisant ist dabei der Versuch, eine soziale Komponente einzubauen. Während lukrative Automaten in Spielhallen stärker zur Kasse gebeten werden sollen, könnten traditionelle Bingo-Hallen, gemütliche Pubs und die typisch britischen Spielhallen an den Küstenpromenaden von den Erhöhungen ausgenommen werden. Es ist ein Balanceakt zwischen fiskalischem Druck und dem Erhalt kultureller Institutionen.
Die Diskussion gewinnt im Vorfeld des kommenden Herbstbudgets an Fahrt. Laut Berichten der Financial Times wird untersucht, wie man die Steuerlast auf Kategorien mit höheren Einsätzen konzentrieren kann, ohne die kleineren Betriebe in den Ruin zu treiben. Bisher gibt es drei Stufen bei der MGD: Ein niedriger Satz von 5 Prozent für Geräte mit geringen Einsätzen, ein Standardsatz von 20 Prozent und ein Höchstsatz von 25 Prozent für Maschinen mit entsprechend hohen Einsatzkriterien. Ein pauschaler Anstieg würde viele Bingo-Clubs hart treffen, die neben ihrem Kernspiel auch Automaten anbieten, um rentabel zu bleiben.
Zahlen und Fakten
Die wirtschaftliche Dimension dieser Überlegungen ist enorm. Untersuchungen der Social Market Foundation verdeutlichen das Potenzial einer Steuerreform. Eine Verdopplung der Machine Games Duty auf Automaten der Kategorie B könnte demnach zwischen 275 Millionen und 458 Millionen Pfund an zusätzlichen jährlichen Steuereinnahmen generieren. Diese Summen wecken Begehrlichkeiten in einer Zeit, in der das Vereinigte Königreich nach neuen Finanzierungsquellen sucht. Gleichzeitig steht jedoch viel auf dem Spiel. Industrievertreter warnen davor, dass eine massive Steuererhöhung zur Schließung von etwa 1.470 Wettbüros führen könnte.
„Die Regierung setzt sich für eine Glücksspielindustrie ein, die nachhaltig ist, Arbeitsplätze bietet und einen sozialen Wert für das Vereinigte Königreich bringt.“ - Unbenannter Regierungssprecher, HM Treasury
Besonders im Fokus steht die soziale Absicherung der Branche. Die Abschaffung der Bingo-Steuer, die ursprünglich 10 Prozent des Bruttospielertrags betrug, ist bereits für den 1. April 2026 festgesetzt. Diese Maßnahme sollte den Sektor eigentlich entlasten. Würde nun im Gegenzug die Steuer auf die in den Hallen aufgestellten Automaten steigen, wäre der positive Effekt für viele Betreiber sofort wieder verpufft. Der ehemalige Premierminister Gordon Brown hat sich bereits für höhere Steuern auf Spielautomaten ausgesprochen, wobei die Einnahmen zur Unterstützung von Haushalten mit hohen Energiekosten verwendet werden könnten.
Hintergrund
Der britische Glücksspielmarkt befindet sich in einer tiefgreifenden Phase der Transformation. Der Remote-Glücksspielsektor, also das Online-Geschäft, ist seit dem Geschäftsjahr 2015 und 2016 um über 60 Prozent gewachsen und erzielt mittlerweile einen Bruttospielertrag (Gross Gambling Yield) von 6,9 Milliarden Pfund pro Jahr. Diese Dynamik zwingt die Behörden dazu, auch die landbasierten Regeln anzupassen. Die geplante Vereinfachung des Steuersystems hin zu einer einheitlichen Remote-Steuer ist ein weiterer Baustein dieser Reformen. Das Finanzministerium hat jedoch noch keine endgültigen Details dazu veröffentlicht, welche Automatenkategorien oder welche Arten von Betriebsstätten letztlich genau von den MGD-Änderungen betroffen sein werden.
Die Branche blickt mit Sorge auf die möglichen Jobverluste. Schätzungen gehen davon aus, dass rund 15.900 Arbeitsplätze gefährdet sein könnten, wenn die Steuerlast zu drückend wird. Für die Betreiber von Bingo-Hallen hängt viel davon ab, wie das Finanzministerium den Begriff der geschützten Maschinen definiert. Geht es nach dem Standort der Maschine oder nach deren technischen Merkmalen? Diese Frage bleibt bis zur offiziellen Budgetverkündung offen.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Spieler haben diese Entwicklungen in Großbritannien keine direkten Auswirkungen auf ihren Alltag im Online-Casino, sie dienen aber als wichtiges regulatorisches Signal. Deutschland hat mit dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) bereits eines der strengsten Steuersysteme weltweit etabliert. Während in UK über Automatensteuern debattiert wird, zahlen deutsche Anbieter von Online-Slots bereits eine Steuer von 5,3 Prozent auf jeden einzelnen Einsatz, nicht nur auf den Bruttörtrag. Dies führt oft zu geringeren Auszahlungsquoten (RTP) im Vergleich zum britischen Markt.
Spieler hierzulande müssen sich an das strikte Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin und das monatliche Einzahlungslimit von 1.000 Euro über alle Anbieter hinweg halten, das durch das LUGAS-System überwacht wird. Die britische Debatte um die Machine Games Duty zeigt jedoch, dass auch in anderen großen Märkten der Druck auf landbasierte Spielstätten wächst, was den Trend zum regulierten Online-Spiel in Deutschland weiter verstärken könnte. Wer sicher spielen will, sollte ausschließlich auf Anbieter der GGL-Whitelist setzen.
Was das für GGL-Casinos heißt
Casinos mit einer Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) beobachten solche internationalen Steuerdebatten genau. Ein stabiles regulatorisches Umfeld ist für lizenzierte Betreiber in Deutschland überlebenswichtig, da sie im Wettbewerb mit illegalen MGA- oder Curacao-Anbietern stehen, die kaum Steuern zahlen. Die britischen Pläne verdeutlichen, dass Regierungen zunehmend versuchen, zwischen risikoarmen sozialen Spielformen wie Bingo und potenziell gefährlicheren Automaten mit hohen Einsätzen zu unterscheiden. Für deutsche Lizenznehmer bedeutet dies weiterhin, dass Spielerschutz und Steuerehrlichkeit die einzigen Wege sind, um langfristig legal am Markt zu bestehen, auch wenn die steuerliche Belastung im Vergleich zum Ausland oft als Nachteil empfunden wird.
Häufige Fragen
Warum plant die britische Regierung eine Steuerbefreiung für Bingo-Hallen?
Bingo-Hallen gelten als soziale Treffpunkte mit kulturellem Wert. Durch die Befreiung von Erhöhungen der Machine Games Duty sollen diese Betriebe geschützt werden, da sie bereits von der Abschaffung der Bingo-Steuer ab April 2026 profitieren sollen.
Wie viel zusätzliche Steuern könnte die Reform in Großbritannien einbringen?
Laut Schätzungen der Social Market Foundation könnte eine Verdopplung der Steuer auf Spielautomaten der Kategorie B zwischen 275 Millionen und 458 Millionen Pfund pro Jahr generieren. Diese Zahlen sind jedoch bisher nur Prognosen und hängen von der finalen Gesetzgebung ab.
Welche Risiken sieht die Industrie in den Steuererhöhungen?
Branchenvertreter warnen davor, dass eine zu hohe Steuerbelastung zur Schließung von fast 1.500 Wettbüros führen könnte. Dies würde den Verlust von rund 15.900 Arbeitsplätzen nach sich ziehen, was eine erhebliche wirtschaftliche Belastung darstellen würde.
Wie unterscheiden sich die Steuern in Deutschland von denen in UK?
In Deutschland wird eine Einsatzsteuer von 5,3 Prozent auf Online-Slots erhoben, während in UK die Machine Games Duty auf den Bruttogewinn oder bestimmte Kategorien anfällt. Das deutsche System gilt aufgrund der Besteuerung des Umsatzes statt des Ertrags als deutlich restriktiver.
Dürfen deutsche Spieler in britischen Online-Bingo-Hallen spielen?
Deutsche Spieler dürfen nur bei Anbietern spielen, die auf der Whitelist der GGL stehen. Britische Anbieter ohne deutsche Lizenz sind für Personen mit Wohnsitz in Deutschland illegal, da sie die Vorgaben des GlüStV 2021 wie das 1.000-Euro-Limit nicht einhalten.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
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