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Regulierung

Australien: Behörde will Aufsicht über umstrittenes Pokies-Fördersystem abgeben

16. September 20266 Min.von Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Australien: Behörde will Aufsicht über umstrittenes Pokies-Fördersystem abgebenKI-GENERIERT

Die Independent Liquor and Gaming Authority (ILGA) fordert den Rückzug aus dem ClubGRANTS-System, nachdem 2026 Rekordverluste von 2,38 Milliarden Dollar an Spielautomaten gemeldet wurden.

In New South Wales brodelt es gewaltig hinter den Kulissen der Glücksspielaufsicht. Die Independent Liquor and Gaming Authority, kurz ILGA, hat einen drastischen Schritt angekündigt und möchte die Verwaltung des sogenannten ClubGRANTS-Systems loswerden. Dieses System, das bereits im Jahr 1998 eingeführt wurde, sollte ursprünglich dazu dienen, einen Teil der Gewinne aus Spielautomaten direkt in lokale Gemeinschaften zurückfließen zu lassen. Doch was einst als wohltätige Geste gedacht war, hat sich zu einem bürokratischen Monster und einem politischen Zankapfel entwickelt, der die Behörde an ihre Belastungsgrenzen bringt.

Die Vorsitzende der ILGA, Caroline Lamb, macht keinen Hehl daraus, dass ihre Behörde unter der aktuellen Last ächzt. Jedes Jahr müssen über 500 Anträge innerhalb von zwei Wochen oder weniger bearbeitet werden. Diese Zeitnot führt dazu, dass eine echte Überprüfung der Compliance kaum noch möglich ist. Lamb schlägt daher vor, die Verantwortung an den State Revenue Chief Commissioner zu übertragen. Aus ihrer Sicht handelt es sich bei dem Programm ohnehin eher um ein Steuerrabattmodell als um eine klassische Regulierungsaufgabe. Es ist ein seltener Vorgang, dass eine Aufsichtsbehörde freiwillig Macht abgibt, doch der Druck scheint schlicht zu groß zu sein.

Zahlen und Fakten

Die Dimensionen, um die es hier geht, sind beeindruckend und erschreckend zugleich. Laut dem aktuellen Beitragsbericht für das Jahr 2025 wurden insgesamt 127 Millionen Dollar an Fördergeldern ausgeschüttet. Davon flossen allein 53,3 Millionen Dollar an sportbezogene Organisationen. Das Problem dabei ist die Intransparenz. Clubs mit Gewinnen über einer Million Dollar können einen Steuerrabatt von bis zu 1,85 Prozent ihrer Spielautomatengewinne erhalten. Bedingung ist, dass sie mindestens 0,75 Prozent dieser Gewinne für soziale Zwecke spenden.

Kritiker wie die Grünen-Abgeordnete Cate Fährmann finden dafür deutliche Worte. Sie bezeichnet das System als „Rort“, ein australischer Begriff für Betrug oder eine betrügerische Masche.

„ClubGRANTS ist das, worauf sich die Clubs verlassen, um jegliche Reformen abzuwehren. Tatsache ist, dass sie nicht großzügig sind, sie sind ein Schwindel.“ - Cate Fährmann, MP der Grünen in NSW

Besonders pikant ist die Tatsache, dass Bewohner von New South Wales im zweiten Quartal 2026 eine Rekordsumme von 2,38 Milliarden Dollar an den „Pokies“ verloren haben. Während die Verluste der Spieler neue Höchststände erreichen, nutzen die Clubs die daraus resultierenden Krümel, um sich ein sauberes Image in der Nachbarschaft zu kaufen.

Hintergrund

Das Kernproblem des ClubGRANTS-Modells liegt in der mangelnden Kontrolle. Clubs dürfen die Gelder teilweise sogar in die Renovierung ihrer eigenen Einrichtungen stecken, solange sie einen Gemeinschaftsbezug herbeikonstruieren. Es gibt keine verpflichtende Prüfung, wie die Empfänger das Geld tatsächlich verwenden. Die Regierung unter Premierminister Chris Minns steht massiv unter Beschuss, da ein bereits im Januar 2025 fertiggestellter Prüfbericht bis heute unter Verschluss gehalten wird. Während die Politik zögert, drehen sich die Walzen der 65.000 legalen Spielautomaten in den Clubs ununterbrochen weiter.

Die Regierung plant zwar, die Zahl der Automaten von aktuell 87.000 landesweit zu reduzieren, doch die Umsetzung verläuft schleppend. Ein zentrales Element der geplanten Reformen ist die Erhöhung der Verfallrate bei Handelsgeschäften mit Automaten-Lizenzen von eins zu drei auf eins zu zwei. Doch für Beobachter wie Fährmann ist das nur Herumpfuscherei an den Rändern, während das eigentliche Problem, die Abhängigkeit des Staates und der Vereine von den Verlusten der Spieler, unangetastet bleibt.

Was heißt das für deutsche Spieler?

In Deutschland ist eine Situation wie in New South Wales kaum vorstellbar, da der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) extrem strikte Grenzen setzt. Während australische Clubs mit zehntausenden Automaten fast ungehindert operieren, unterliegen deutsche Online-Casinos der strengen Aufsicht der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL). Für deutsche Spieler bedeutet das Sicherheit durch das LUGAS-System, das ein monatliches Einzahlungslimit von 1.000 Euro über alle Anbieter hinweg erzwingt. Solche Mechanismen fehlen in Australien weitgehend.

Ein weiterer Schutzfaktor in Deutschland ist das Einsatzlimit von maximal 1 Euro pro Spin bei Online-Slots. In New South Wales hingegen werden Verluste in Milliardenhöhe generiert, weil die regulatorische Kontrolle oft erst dort ansetzt, wo das Geld bereits verloren wurde nämlich bei der Verteilung der Steuerrabatte. Deutsche Spieler profitieren zudem von der Whitelist der GGL. Nur wer dort gelistet ist, darf legal operieren. Das verhindert, dass Anbieter ihre Gewinne hinter dubiosen „Förderprogrammen“ verstecken können, ohne dass die Spielersicherheit gewährleistet ist. Wer in Deutschland spielt, ist durch das Sperrsystem OASIS und klare Werberichtlinien geschützt.

Was das für GGL-Casinos heißt

Für Anbieter mit GGL-Lizenz zeigt das Beispiel Australien, wie wichtig eine transparente und unabhängige Regulierung ist. In Deutschland müssen Betreiber hohe Steuern zahlen, ohne dass sie diese direkt als PR-wirksame Spenden zurückerhalten können. Dies sorgt für eine klare Trennung zwischen Staatsaufsicht, Steuerpflicht und sozialer Verantwortung. Deutsche lizenzierte Casinos müssen nachweisen, dass sie Präventionskonzepte umsetzen, anstatt sich durch punktuelle Spenden an Sportvereine von ihrer Verantwortung freizukaufen. Das schafft Vertrauen und langfristige Stabilität im Markt, fernab von den Interessenkonflikten, die aktuell das australische Modell erschüttern.

Häufige Fragen

Was ist das ClubGRANTS-System in Australien?

Es handelt sich um ein 1998 eingeführtes Programm, bei dem registrierte Clubs Steuererlässe auf Spielautomatengewinne erhalten, wenn sie einen Teil der Profite an soziale Projekte spenden. Clubs mit über einer Million Dollar Gewinn können so bis zu 1,85 Prozent ihrer Steuerschuld reduzieren.

Warum will die ILGA die Aufsicht über das Programm abgeben?

Die Vorsitzende Caroline Lamb nennt operative Belastungen und Zeitnot als Hauptgründe, da jährlich über 500 Anträge innerhalb weniger Tage geprüft werden müssen. Dies verhindert eine effektive Überwachung der Einhaltung von Regeln und Compliance-Vorgaben.

Wie hoch waren die Verluste an Spielautomaten in New South Wales zuletzt?

Im zweiten Quartal 2026 verloren Bewohner des Bundesstaates die Rekordsumme von 2,38 Milliarden Dollar an den sogenannten Pokies. Dies geschah trotz laufender Reformbemühungen der Regierung unter Chris Minns.

Was kritisieren die Grünen an dem Fördermodell?

Die Abgeordnete Cate Fährmann bezeichnet das System als Interessenkonflikt und Täuschung, da Clubs Steuergelder nutzen, um sich Ansehen in der Gemeinschaft zu kaufen. Zudem gibt es keine Kontrolle darüber, ob die Empfänger das Geld tatsächlich zweckmäßig verwenden.

Wie unterscheidet sich die Situation von der Rechtslage in Deutschland?

In Deutschland reguliert der Glücksspielstaatsvertrag 2021 den Markt streng über die GGL-Whitelist, LUGAS und ein Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin. Im Gegensatz zu Australien sind solche direkten Steuer-Spenden-Modelle für Glücksspielanbieter unüblich, was die Unabhängigkeit der Aufsicht stärkt.

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Über die Autorin

Lisa Lustich

Lisa Lustich

Chefredakteurin & Casino-Testerin

Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).

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Quellen & weiterführende Links

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