Glücksspiel-Umbruch in Europa: Österreich beendet Monopol und IG Group kauft Underdog
KI-GENERIERTDie IG Group übernimmt den US-Anbieter Underdog für bis zu 1,3 Milliarden Dollar, während Österreichs Finanzministerium den Entwurf zur Marktöffnung bei der EU eingereicht hat.
Die Welt des Online-Glücksspiels kommt nicht zur Ruhe. In einer Woche, die von milliardenschweren Übernahmen und radikalen gesetzlichen Änderungen geprägt war, zeigen sich die massiven Verschiebungen innerhalb der Branche. Besonders die IG Group sorgt für Schlagzeilen, da sie sich mit dem US-Betreiber Underdog auf eine Übernahme geeinigt hat. Der Deal umfasst einen Gesamtwert von bis zu 1,3 Milliarden Dollar. Dabei entfallen rund 1,1 Milliarden Dollar auf den Unternehmenswert, während weitere 200 Millionen Dollar als erfolgsabhängige Komponente (Earnout) an die Netto-Glücksspielerträge von Underdog im Jahr 2026 gekoppelt sind. Die IG Group sichert sich damit nicht nur eine starke Marktposition in den USA, sondern vor allem ein wertvolles Bündel an Lizenzen für Brokerage, Börsenhandel und Clearing unter der Aufsicht der Commodity Futures Trading Commission.
Parallel dazu vollzieht Österreich einen drastischen Kurswechsel in seiner Glücksspielpolitik. Das Bundesministerium für Finanzen hat einen Gesetzentwurf bei der Europäischen Kommission in Brüssel eingereicht, der das bisherige Online-Casino-Monopol beendet. Dieser Schritt löst eine dreimonatige Stillhaltefrist aus, in der das Gesetz offiziell noch nicht verabschiedet werden darf. Die Reform sieht vor, den Markt für mehrere Lizenznehmer zu öffnen, stellt jedoch strenge Bedingungen an neue Bewerber. Anbieter, die derzeit illegal auf dem österreichischen Markt operieren, müssen ihr Geschäft bis zum 1. Januar 2027 einstellen, um für künftige Lizenzen überhaupt infrage zu kommen. Andernfalls drohen Wartezeiten von bis zu 24 Monaten.
Zahlen und Fakten
Die Quartalszahlen verschiedener Branchengrößen offenbaren Licht und Schatten. Sportradar meldete für das zweite Quartal einen Umsatzanstieg um 19 Prozent auf 378 Millionen Euro, verbuchte jedoch aufgrund von Währungsschwankungen einen Verlust von 3,5 Millionen Euro. Im Vorjahr stand hier noch ein Gewinn von 49,1 Millionen Euro. Beeindruckender liest sich die Bilanz der Super Group, die einen Rekordumsatz von 684 Millionen Dollar erzielte, was einem Plus von 18 Prozent entspricht. Besonders der afrikanische Markt trieb das bereinigte EBITDA auf 204 Millionen Dollar nach oben. Flutter Entertainment hingegen musste kämpfen. Trotz eines Umsatzwachstums auf 4,33 Milliarden Dollar sank das bereinigte EBITDA um 45 Prozent auf 508 Millionen Dollar. Ein wesentlicher Grund hierfür ist die Anhebung der britischen Fernspielabgabe von 21 auf 40 Prozent, was Flutter allein für 2026 mit rund 320 Millionen Dollar belastet.
Auch Dänemark bewegt sich. Die dänische Glücksspielbehörde Spillemyndigheden hat die Bewerbungsphase für landbasierte Casinolizenzen eröffnet. Bis zum 3. November 2026 können Anträge eingereicht werden. Der Markt für terrestrische Casinos in Dänemark ist zwar im Vergleich zum Online-Sektor klein, mit einem Bruttospielertrag (Gross Gaming Revenue, GGR) von 378 Millionen DKK im Jahr 2025, bleibt aber ein wichtiger Bestandteil der Regulierung. Die jährlichen Gebühren für diese Lizenzen sind gestaffelt und reichen von 196.700 DKK bis zu über 1,6 Millionen DKK, je nach erzieltem Umsatz.
Hintergrund
Ein spannender Nebenschauplatz sind die sogenannten Prediction Markets. Polymarket befindet sich laut aktuellen Berichten in frühen Gesprächen, um rund eine Milliarde Dollar bei einer Bewertung von über 20 Milliarden Dollar einzusammeln. Das ist bemerkenswert, da die Plattform in weiten Teilen der EU, darunter Frankreich, Spanien und Portugal, mit Sperranordnungen konfrontiert ist. In Spanien wurden Internetanbieter bereits im Mai 2026 angewiesen, den Zugang zu blockieren. Trotzdem zeigen Kooperationen von Sportradar und Genius Sports mit Anbietern wie Kalshi und Polymarket, dass die Datenlieferanten das Potenzial dieser Wettmärkte für politische oder wirtschaftliche Ereignisse fest im Blick haben.
In Österreich steht unterdessen der Spielerschutz im Fokus der Reform. Ein zentrales Sperrregister soll eingeführt werden, das betreiberübergreifend funktioniert. Zudem sind Einzahlungslimits geplant, wobei für junge Erwachsene zwischen 18 und 26 Jahren besonders niedrige Schwellenwerte gelten sollen. Die Spielgeschwindigkeit an Slot-Maschinen wird reduziert, die Einsätze begrenzt und nach 90 Minuten Spielzeit ist eine obligatorische Pause vorgeschrieben.
„Österreichs Entwurf sieht vor, das Online-Glücksspiel für mehrere Lizenznehmer zu öffnen und damit das nationale Monopol zu beenden.“ - Auszug aus der Notifizierung des österreichischen Finanzministeriums an die Europäische Kommission
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Spieler ist die Entwicklung in den Nachbarländern ein wichtiges Signal. Der deutsche Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) hat bereits viele der Mechanismen implementiert, die Österreich nun anstrebt. Deutsche Kunden, die bei Anbietern mit einer Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) spielen, unterliegen bereits dem monatlichen Einzahlungslimit von 1.000 Euro sowie dem Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin an virtuellen Automaten. Das System LUGAS sorgt hierzulande für die Überwachung dieser Limits und den Abgleich mit der Sperrdatei OASIS. Die Liberalisierung in Österreich könnte den Druck auf den Schwarzmarkt in der gesamten DACH-Region erhöhen, da legale Alternativen attraktiver werden. Spieler sollten darauf achten, nur bei Anbietern der GGL-Whitelist zu spielen, um von den hohen Sicherheitsstandards und dem Rechtsschutz zu profitieren. MGA- oder Curacao-Lizenzen bieten in Deutschland keine rechtliche Sicherheit und keinen Zugriff auf das Spielerschutzsystem.
Was das für GGL-Casinos heißt
Für Betreiber mit einer GGL-Lizenz verdeutlichen die Berichte aus Großbritannien, wie empfindlich der Markt auf steuerliche Änderungen reagiert. Die massive Erhöhung der Steuerlast kann dazu führen, dass Marketingbudgets gekürzt oder Bonusangebote für deutsche Spieler angepasst werden müssen. Die Integration von Datenströmen für Vorhersagemärkte, wie sie Sportradar und Genius Sports vorantreiben, könnte langfristig auch neue Wettprodukte in Deutschland ermöglichen, sofern diese mit dem strengen deutschen Sportwettrecht vereinbar sind. Aktuell bleibt der Fokus der GGL jedoch auf der konsequenten Durchsetzung des Spielerschutzes und der Kanalisierung hin zum legalen Markt, was durch die strengen technischen Vorgaben von LUGAS und Safe gewahrt bleibt.
Häufige Fragen
Warum kauft die IG Group den US-Anbieter Underdog?
Die IG Group sichert sich durch den 1,3 Milliarden Dollar schweren Deal wichtige Lizenzen für den US-Markt. Underdog verfügt über Genehmigungen für tägliche Fantasy-Sportarten und Vorhersagemärkte unter der Aufsicht der CFTC, was eine bundesweite Tätigkeit in rund 50 US-Staaten ermöglicht.
Was ändert sich am Glücksspielgesetz in Österreich?
Österreich plant das Ende des Online-Casino-Monopols und will künftig bis zu 13 Lizenzen vergeben. Der Entwurf sieht zudem ein zentrales Sperrregister, strengere Einzahlungslimits für 18- bis 26-Jährige und eine obligatorische Pause nach 90 Minuten Spielzeit vor.
Wie haben sich die Finanzen von Sportradar und Flutter entwickelt?
Sportradar steigerte den Umsatz auf 378 Millionen Euro, verzeichnete aber einen Verlust von 3,5 Millionen Euro durch Währungseffekte. Flutter Entertainment meldete einen Nettoverlust von 296 Millionen Dollar, primär verursacht durch die Erhöhung der britischen Glücksspielsteuer auf 40 Prozent.
Dürfen deutsche Spieler bei Polymarket oder Kalshi wetten?
Diese Plattformen besitzen keine Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) und sind somit in Deutschland nicht legal. Mehrere EU-Staaten wie Spanien und Frankreich haben bereits Netzsperren oder rechtliche Schritte gegen diese Anbieter eingeleitet.
Was bedeutet die GGL-Lizenz für die Sicherheit der Spieler?
Die GGL-Lizenz garantiert die Einhaltung des Glücksspielstaatsvertrags 2021, inklusive des 1.000-Euro-Einzahlungslimits und der Anbindung an das Sperrsystem OASIS. Spieler sind bei diesen Anbietern rechtlich abgesichert, während illegale Anbieter ohne deutsche Lizenz keine vergleichbaren Schutzmechanismen bieten.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
Alle Artikel von Lisa Lustich →Quellen & weiterführende Links
- Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL): gluecksspiel-behoerde.de
- Whitelist erlaubter Online-Anbieter: GGL-Whitelist
- BZgA Spielsucht-Hotline: 0800 1 372 700 (kostenlos, anonym, 24/7)
- Redaktionelle Methodik: Redaktionsrichtlinien Lustich.de
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