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Regulierung

Ungarn prüft Auflösung der Glücksspielaufsicht SZTFH: Umbruch im Regulierungsmarkt

3. September 20266 Min.von Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Ungarn prüft Auflösung der Glücksspielaufsicht SZTFH: Umbruch im RegulierungsmarktKI-GENERIERT

Die ungarische Regierung plant eine umfassende Prüfung der Aufsichtsbehörde SZTFH. Bis zum 30. September 2026 soll ein Bericht über die mögliche Umverteilung ihrer Aufgaben vorliegen.

In der ungarischen Glücksspielregulierung braut sich ein Sturm zusammen. Mit der Regierungsentscheidung 1277/2026 vom 31. August 2026 hat Ministerpräsident Péter Magyar eine formelle Prüfung der Aufsichtsbehörde für regulierte Tätigkeiten (SZTFH) angeordnet. Das Dokument, das in der Ausgabe 121 des ungarischen Gesetzblattes Magyar Közlöny veröffentlicht wurde, beauftragt das Justizministerium damit, die rechtlichen Rahmenbedingungen für eine mögliche Abwicklung der Behörde zu prüfen. Es geht dabei nicht nur um eine kleine Reform, sondern um die Frage, ob die Aufgaben der SZTFH künftig von Organen übernommen werden sollen, die direkt der Regierung unterstehen.

Die SZTFH reagierte umgehend mit einer öffentlichen Verteidigung ihrer Arbeit. Die Behörde betonte in einer Stellungnahme vom 1. September 2026 ihre Unabhängigkeit und wies darauf hin, dass sie als autonomes Gremium nur dem Parlament gegenüber rechenschaftspflichtig sei. Die Führung der Behörde machte deutlich, dass bestimmte Staatsaufgaben nach EU-Recht zwingend von einer Stelle wahrgenommen werden müssen, die von der Zentralregierung unabhängig agiert. Dennoch kündigte die SZTFH an, vollumfänglich mit dem Justizminister zu kooperieren, um die Prüfung bis zur Frist am 30. September 2026 abzuschließen.

Zahlen und Fakten

Die SZTFH ist seit dem 1. Oktober 2021 operativ tätig und beschäftigt über 400 Mitarbeiter. Ihr Aufgabenbereich ist ungewöhnlich breit gefächert und umfasst neben dem Glücksspiel auch den Tabakhandel, den Bergbau, die Geologie sowie die Aufsicht über Insolvenzverwalter und Gerichtsvollzieher. Im Bereich des Spielerschutzes betreibt die Behörde ein Register und geht aktiv gegen illegale Anbieter vor. Allein im Jahr 2024 und bis Juli 2025 wurden über 2.000 Sperranordnungen gegen nicht lizenzierte Webseiten erlassen, um den Traffic zu den legalen Betreibern zu lenken.

Ein wesentlicher Streitpunkt, der den Stein ins Rollen gebracht haben könnte, ist die Verlängerung der Casino-Konzession in Sopron. Die SZTFH hatte der CAI Hungary Kft, einem Unternehmen des Geschäftsmanns István Garancsi, die Lizenz um weitere 35 Jahre bis 2061 verlängert. Dies geschah ohne öffentliche Ausschreibung, was in Ungarn rechtlich möglich ist, wenn der Betreiber als zuverlässig eingestuft wird. Die Regierung hatte jedoch kurz zuvor angekündigt, Casino-Konzessionen aus der Endphase der Vorgängeradministration kritisch zu prüfen. Diese Diskrepanz zwischen behördlichem Handeln und Regierungslinie sorgt nun für politischen Zündstoff.

Hintergrund

Ungarn hatte erst zum 1. Januar 2023 seinen Sportwettenmarkt für den Wettbewerb geöffnet, nachdem der Europäische Gerichtshof das vorherige Staatsmonopol 2017 als rechtswidrig eingestuft hatte. Die Anforderungen für neue Lizenzen sind jedoch extrem hoch. Bewerber müssen fünf Jahre Erfahrung im EWR-Raum nachweisen, ein Stammkapital von mindestens 1 Milliarde HUF (ca. 2,5 Millionen Euro) vorweisen und eine Lizenzgebühr von 600 Millionen HUF entrichten. Bisher hat die SZTFH jedoch noch keinem rein ausländischen Betreiber eine Lizenz erteilt. Lediglich der staatliche Anbieter Szerencsejáték Zrt mit seinem Portal Tippmixpro.hu sowie drei landbasierte Casinos mit Online-Anbindung sind aktiv.

„Die SZTFH ist ein unabhängiges Regulierungsorgan, das durch das Parlament unter dem Gesetz XXXII von 2021 geschaffen wurde. In Bezug auf ihre Tätigkeiten ist sie allein der Gesetzgebung untergeordnet und nur gegenüber dem Parlament rechenschaftspflichtig.“ - Offizielles Statement der SZTFH

Die Behörde argumentiert, dass sie den illegalen Online-Glücksspielmarkt in Ungarn effektiv eingedämmt und den Schutz von Minderjährigen im Tabakmarkt durch zehntausende Inspektionen gestärkt habe. Kritiker sehen in der angekündigten Prüfung jedoch einen Versuch der Regierung, die Kontrolle über lukrative Wirtschaftsbereiche und deren Aufsicht wieder enger an sich zu binden.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Für deutsche Spieler, die sich strikt an die Regeln des Glücksspielstaatsvertrags 2021 (GlüStV) halten, hat die Situation in Ungarn keine direkten rechtlichen Auswirkungen. Deutschland verfügt mit der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) über eine eigene, spezialisierte Aufsicht, die unabhängig von politischen Schwankungen in Osteuropa agiert. Deutsche Nutzer sollten darauf achten, ausschließlich bei Anbietern zu spielen, die auf der offiziellen GGL-Whitelist stehen. Nur dort sind die strengen deutschen Schutzmaßnahmen wie das Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat über das LUGAS-System und das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spielrunde an virtuellen Automaten garantiert.

Die Entwicklungen in Ungarn zeigen jedoch, wie volatil Regulierungssysteme sein können, wenn die Unabhängigkeit der Aufsicht politisch unter Druck gerät. In Deutschland sichert der Staatsvertrag diese Unabhängigkeit durch die föderale Struktur ab. Wer in einem Casino ohne GGL-Lizenz spielt, begibt sich in eine rechtliche Grauzone und verzichtet auf den Schutz durch das OASIS-Sperrsystem. Die ungarischen Probleme mit Konzessionsverlängerungen ohne Ausschreibung mahnen zudem zur Vorsicht bei Anbietern, deren Lizenzen in intransparenten Verfahren vergeben werden.

Was das für GGL-Casinos heißt

Betreiber mit einer Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder können aus dem Fall Ungarn eine wichtige Lehre ziehen: Transparenz und strikte Einhaltung von Ausschreibungsregeln sind für die langfristige Stabilität eines Marktes essenziell. Die GGL setzt in Deutschland auf klare, für alle Marktteilnehmer gleiche Kriterien. Während in Ungarn bisher keine ausländischen Anbieter zugelassen wurden, steht der deutsche Markt allen offen, die die hohen Sicherheitsstandards erfüllen.

Ein stabiles regulatorisches Umfeld ist für Investitionen der Casino-Betreiber unerlässlich. Die Drohung der ungarischen Regierung, eine Behörde aufzulösen, schafft enorme Rechtsunsicherheit. Deutsche Lizenznehmer profitieren hingegen von der Rechtssicherheit des GlüStV 2021. Dennoch verdeutlicht die Situation, dass die Unabhängigkeit der Regulierer auf EU-Ebene ein hohes Gut ist, das gegen direkte politische Einflussnahme verteidigt werden muss. Anbieter in Deutschland müssen weiterhin beweisen, dass die Kanalisierung in den legalen Markt durch Spielerschutz und nicht durch politische Begünstigung erreicht wird.

Häufige Fragen

Warum wird die ungarische Glücksspielbehörde SZTFH überprüft?

Die Regierung unter Ministerpräsident Péter Magyar fordert eine Prüfung, um die Aufgaben der Behörde möglicherweise unter direkte staatliche Kontrolle zu stellen. Ein Grund könnte die umstrittene Verlängerung einer Casino-Konzession bis 2061 ohne öffentliche Ausschreibung sein.

Welche Aufgaben hat die SZTFH aktuell noch?

Neben der Überwachung von Online-Casinos und Sportwetten ist die Behörde für den Tabakhandel, Bergbau, Geologie sowie die Aufsicht über Gerichtsvollzieher und Insolvenzverwalter zuständig. Insgesamt arbeiten mehr als 400 Mitarbeiter für die im Jahr 2021 gegründete Organisation.

Wie erfolgreich war die SZTFH bisher bei der Bekämpfung illegalen Glücksspiels?

Die Behörde gab an, dass sie allein zwischen 2024 und Juli 2025 über 2.000 Sperranordnungen gegen illegale Webseiten erlassen hat. Ziel war es, die Spielerströme zu den lizenzierten Betreibern zu lenken und den Spielerschutz zu stärken.

Gibt es in Ungarn viele private Online-Glücksspielanbieter?

Nein, bisher ist der Markt sehr eingeschränkt. Nur der staatliche Anbieter Szerencsejáték Zrt und drei lokale landbasierte Casinos verfügen über Lizenzen für das Online-Geschäft, während ausländische Firmen trotz Marktöffnung 2023 bisher keine Genehmigung erhielten.

Was bedeutet die Situation in Ungarn für Spieler in Deutschland?

In Deutschland bleibt die Rechtslage durch die GGL und den Glücksspielstaatsvertrag 2021 stabil und unabhängig von den Vorgängen in Ungarn. Deutsche Spieler sollten weiterhin nur in Casinos mit GGL-Lizenz spielen, um von den Schutzsystemen LUGAS und OASIS zu profitieren.

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Über die Autorin

Lisa Lustich

Lisa Lustich

Chefredakteurin & Casino-Testerin

Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).

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Quellen & weiterführende Links

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