Illinois plant Rücknahme der Steuer auf Prognosemärkte nach Klagen von Kalshi
KI-GENERIERTEin neuer Gesetzesentwurf in Illinois sieht vor, die erst kürzlich eingeführte Steuer von bis zu 3,5 Prozent auf Prognosemärkte wie Kalshi wieder abzuschaffen.
In der Welt der Prognosemärkte braut sich in Illinois ein politisches Gewitter zusammen, das nun zu einer Kehrtwende in der Gesetzgebung führen könnte. Nur knapp drei Monate, nachdem der Bundesstaat eine neue Steuer auf Transaktionen an Prognosemärkten eingeführt hat, bringt der Abgeordnete Travis Weaver mit dem Entwurf HB 5811 einen radikalen Vorschlag ein. Das Ziel ist die vollständige Streichung der Bestimmungen aus dem Illinois Sports Wagering Act, die den Handel auf Plattformen wie Kalshi oder Polymarket als steuerpflichtige Ereignisse definieren. Dieser Vorstoß ist eine direkte Reaktion auf eine Welle von Klagen, die den Staat seit dem Frühjahr 2026 in Atem halten.
Die rechtliche Situation ist hochgradig komplex, da Prognosemärkte eine Zwitterstellung zwischen klassischem Glücksspiel und Finanzgeschäften einnehmen. In Illinois wurde versucht, diese Lücke durch eine spezifische Besteuerung und Lizenzpflicht zu schließen. Doch die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) sowie die Branchenriesen Kalshi und Coinbase sehen darin einen unzulässigen Eingriff in Bundeskompetenzen. Die Kläger argumentieren, dass diese Plattformen als registrierte Warenbörsen unter Bundesrecht fallen und somit nicht den Glücksspielgesetzen der einzelnen Staaten unterworfen werden dürfen. Weaver möchte mit seinem Entwurf nun die Reißleine ziehen, bevor die juristischen Kosten und Risiken für den Staat weiter eskalieren.
Zahlen und Fakten
Die bisherige Regelung sah eine gestaffelte Steuer vor, die Plattformen hart treffen sollte. Für die ersten 5 Millionen Transaktionen innerhalb eines Geschäftsjahres wurde ein Satz von 1,75 Prozent fällig. Jede darüber hinausgehende Wette wurde mit 3,5 Prozent besteuert. Diese Sätze klingen im Vergleich zu klassischen Sportwetten niedrig, beziehen sich aber auf das Transaktionsvolumen und nicht nur auf den Bruttospielertrag. Zum Vergleich: Die reguläre Sportwettensteuer in Illinois ist deutlich aggressiver gestaltet. Dort zahlen Anbieter eine gestaffelte Abgabe, die zwischen 20 Prozent und 40 Prozent der bereinigten Bruttoeinnahmen liegt. Zusätzlich fallen Gebühren von 0,25 US-Dollar für die ersten 20 Millionen jährlichen Einzelwetten an, die sich bei Überschreiten dieser Marke auf 0,50 US-Dollar verdoppeln.
Ein weiterer Streitpunkt ist die Lizenzgebühr. In anderen Gesetzesentwürfen, wie dem von Senator Michael Hastings eingebrachten SB 4168, war sogar die Rede von einer Lizenzgebühr in Höhe von 1 Million US-Dollar sowie einer jährlichen Verlängerungsgebühr in gleicher Höhe. Hastings verteidigte seinen Vorstoß damals energisch, um den Verbraucherschutz zu gewährleisten.
„Durch die Verabschiedung dieses Gesetzes stellen wir sicher, dass jedes Unternehmen, das Wettern in Illinois dienen möchte, nach denselben Regeln spielt und dass wir unsere Verbraucher durch eine starke Aufsicht schützen." - Michael Hastings, Senator im Bundesstaat Illinois
Hintergrund
Der Konflikt entzündete sich bereits im April 2026, als die CFTC den Staat Illinois verklagte, noch bevor die Steuer offiziell Gesetz wurde. Nachdem Gouverneur JB Pritzker den Haushalt unterzeichnete, passte die CFTC ihre Klageschrift an, um die neuen Abgaben direkt anzugreifen. Kalshi zog im Juni 2026 nach und argumentierte, dass die Anforderungen an Geolocation und staatliche Lizenzen für eine bundesweit regulierte Börse faktisch ein Betriebsverbot darstellen würden. Auch Coinbase ist seit Dezember 2025 in einen Rechtsstreit mit dem Bundesstaat verwickelt, was zeigt, dass die Fronten zwischen Finanztechnologie und staatlicher Regulierung verhärtet sind. HB 5811 würde zwar die Steuerlast entfernen, aber den grundlegenden Streit um die Zuständigkeit vermutlich erst vor dem Obersten Gerichtshof beilegen.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für Spieler in Deutschland ist diese Entwicklung ein wichtiges Signal zur Stabilität von Regulierungssystemen. In Deutschland ist die Lage durch den Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) eindeutig geregelt. Während Prognosemärkte in den USA noch um ihre Identität ringen, müssen Anbieter hierzulande zwingend auf der Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) stehen. Deutsche Nutzer genießen durch strenge Regeln wie das Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat über alle Anbieter hinweg und das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin bei virtuellen Automatenspielen einen hohen Schutzgrad. Das System LUGAS sorgt für die Einhaltung dieser Grenzen. Experimentelle Märkte wie in Illinois, die zwischen Börse und Wette schwanken, haben es in diesem strengen deutschen Rahmen schwer, da jede Form von Wette klar als Glücksspiel definiert und entsprechend lizenziert sein muss. Wer in Deutschland rechtssicher spielen will, sollte daher ausschließlich GGL-lizenzierte Portale nutzen.
Was das für GGL-Casinos heißt
Die deutschen GGL-Casinos profitieren von einer klaren Rechtssicherheit, die in Illinois derzeit fehlt. Während US-Anbieter wie Kalshi Millionen in Rechtsstreitigkeiten investieren, operieren deutsche Lizenznehmer in einem festen Rahmen, der jedoch auch hohe Steuern auf den Spieleinsatz vorsieht. Der Fall Illinois zeigt, dass Überregulierung oder doppelte Besteuerung zu massiver Gegenwehr der Industrie führen kann. In Deutschland ist der Schwarzmarkt durch Anbieter aus MGA- oder Curacao-Jurisdiktionen weiterhin eine Herausforderung. Die GGL muss daher darauf achten, dass die Kanalisierungsquote hoch bleibt und die legalen Angebote gegenüber den unregulierten Märkten konkurrenzfähig bleiben. Die Debatte um Transaktionssteuern vs. Ertragssteuern wird sicher auch in Europa weiter beobachtet.
Häufige Fragen
Was ist das Ziel des Gesetzentwurfs HB 5811 in Illinois?
Das Gesetz soll die erst kürzlich eingeführte Steuer auf Prognosemärkte in Höhe von 1,75 bis 3,5 Prozent wieder abschaffen. Damit reagiert die Politik auf Klagen von Bundesbehörden und privaten Anbietern.
Warum klagt die CFTC gegen den Bundesstaat Illinois?
Die Behörde vertritt die Ansicht, dass Prognosemärkte als Warenbörsen unter Bundesrecht fallen. Eine zusätzliche Regulierung und Besteuerung durch einzelne Bundesstaaten sei daher rechtswidrig.
Wie hoch sind die aktuellen Steuern für Sportwetten in Illinois?
Die Steuersätze für reguläre Sportwetten liegen zwischen 20 und 40 Prozent der Einnahmen. Zusätzlich werden Gebühren pro Wette erhoben, die bis zu 0,50 US-Dollar betragen können.
Sind Prognosemärkte wie Kalshi in Deutschland legal?
In Deutschland dürfen nur Anbieter Glücksspiele anbieten, die auf der offiziellen Whitelist der GGL stehen. Die meisten US-Prognosemärkte besitzen diese Lizenz aktuell nicht und sind somit für deutsche Spieler nicht zugelassen.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
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