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Regulierung

Daten-Skandal in England: Online-Casinos missachten Privatsphäre ihrer Kunden

Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Daten-Skandal in England: Online-Casinos missachten Privatsphäre ihrer KundenKI-GENERIERT

Eine Studie der Universität Swansea zeigt, dass 86 Prozent der britischen Glücksspielseiten gegen Datenschutzregeln verstoßen. Viele sammeln Daten schon vor der Zustimmung.

Die Welt der Online-Casinos und Sportwettenanbieter in Großbritannien steht vor einem massiven Glaubwürdigkeitsproblem beim Thema Datenschutz. Eine aktuelle Untersuchung von Forschern des GREAT Centre der Universität Swansea hat ergeben, dass fast neun von zehn lizenzierten britischen Glücksspielseiten gegen die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) verstoßen. Die Studie, die insgesamt 624 Webseiten unter die Lupe nahm, zeichnet ein düsteres Bild von systematischer Überwachung und manipulativem Design, das Nutzer dazu drängen soll, ihre Privatsphäre preiszugeben. Besonders besorgniserregend ist, dass die Verstöße nicht nur kleine Nischenanbieter betreffen, sondern auch die großen Schwergewichte der Branche.

Es geht dabei vor allem um die sogenannten Cookie-Banner, die beim ersten Besuch einer Webseite erscheinen. Eigentlich sollen diese dem Nutzer die Wahl lassen, welche Daten erhoben werden dürfen. Die Realität sieht jedoch anders aus. Viele Betreiber nutzen technische Tricks und psychologische Kniffe, um die Zustimmung der Kunden zu erzwingen oder diese gar nicht erst zu fragen. Die Forscher fanden heraus, dass die Glücksspielbranche in Sachen Datenschutz deutlich schlechter abschneidet als der Rest des Internets. Während eine breitere Analyse aller Webseitentypen eine Fehlerquote von etwa 54 Prozent ergab, liegt dieser Wert bei den Buchmachern und Online-Casinos bei erschreckenden 86 Prozent.

Zahlen und Fakten

Die konkreten Daten der Studie zeigen das Ausmaß der Misere. Fast ein Viertel der getesteten Webseiten (24 Prozent) boten überhaupt keine Möglichkeit an, die Tracking-Software zu deaktivieren. Wer diese Seiten nutzt, wird automatisch von Werbenetzwerken über das gesamte Internet verfolgt. Zu den genannten Anbietern gehören unter anderem Admiral Casino und Hollywood Bets, der Sponsor des FC Brentford. Noch gravierender ist der Befund, dass zwei Drittel der Betreiber bereits mit dem Sammeln von Nutzerdaten begannen, noch bevor der Besucher überhaupt eine Auswahl im Cookie-Banner treffen konnte. Unter diesen Namen finden sich Branchenriesen wie William Hill und Ladbrokes.

Die Untersuchung belegt zudem den Einsatz von sogenannten Dark Patterns. 60 Prozent der Seiten hoben die datenschutzunfreundlichste Option visuell hervor, um die Klickwahrscheinlichkeit zu erhöhen. Bei 29 Prozent waren negative Privatsphäre-Einstellungen bereits vorab ausgewählt, und 47 Prozent der Anbieter versteckten die Option zum Ablehnen hinter einer zweiten Ebene im Menü. Ravi Naik, Rechtsdirektor bei der Datenschutzberatung AWO, äußerte sich alarmiert über die Ergebnisse:

„Die Ergebnisse dieses Berichts zeichnen ein Bild von weit verbreiteter und systematischer Nichteinhaltung. Es ist leider keine Überraschung, diese Erkenntnisse zu sehen, doch die Folgen der Nichteinhaltung sind nicht weniger schädlich. Das Auffälligste an diesem Bericht ist das Licht, das er auf das Versagen des Information Commissioner's Office wirft, sinnvolle Durchsetzungsmaßnahmen gegen den Online-Glücksspielsektor zu ergreifen.“ - Ravi Naik, Rechtsdirektor bei AWO

Hintergrund

Der Konflikt schwelt bereits seit längerer Zeit. Die britische Datenschutzbehörde ICO (Information Commissioner's Office) führt seit Jahren ein Projekt durch, um die Konformität der 1.000 meistbesuchten Webseiten des Landes zu erzwingen. Laut ICO-Angaben haben sich mittlerweile 95 Prozent dieser Top-Seiten angepasst. Doch die Glücksspielbranche scheint eine Ausnahme zu bilden oder bewusst zu trödeln. Ein prominentes Beispiel für die Konsequenzen solcher Verstöße ist der Fall SkyBet. Das Unternehmen Bonne Terre Limited, das unter der Marke SkyBet operiert, erhielt im September 2024 einen Tadel von der ICO. Zwischen dem 10. Januar und dem 3. März 2023 hatte SkyBet Nutzerdaten ohne Einwilligung an Werbetechnologieunternehmen weitergegeben.

Die Kampagnengruppe Clean Up Gambling hatte diesen Fall ins Rollen gebracht. Besonders perfide war der Vorwurf, dass das Verhalten von Kunden in den frühen Morgenstunden als Anzeichen für Spielsucht gewertet wurde, was wiederum als Auslöser für personalisierte Bonusangebote genutzt wurde. Auch wenn SkyBet nach der Intervention der ICO seine Praktiken im März 2023 anpasste, zeigt der aktuelle Bericht aus Swansea, dass die Branche insgesamt noch weit von einem sauberen Umgang mit Kundendaten entfernt ist.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Für Spieler in Deutschland ist diese Entwicklung eine wichtige Warnung. Im Gegensatz zum oft weniger streng kontrollierten britischen Markt oder gar Anbietern aus Malta (MGA) oder Curacao, unterliegen Webseiten mit einer deutschen Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) extrem strengen Kontrollen. Der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) setzt hier klare Leitplanken. Deutsche Anbieter auf der offiziellen GGL-Whitelist müssen sich nicht nur an die DSGVO halten, sondern sind auch an technische Systeme wie LUGAS angeschlossen, die zur Suchtprävention und zur Überwachung von Limits dienen.

In Deutschland ist das Einzahlungslimit auf 1.000 Euro pro Monat über alle Anbieter hinweg gedeckelt, und das Einsatzlimit an Slots liegt bei 1 Euro pro Spin. Diese Transparenz schützt Spieler davor, dass ihre Daten für manipulatives Marketing missbraucht werden, wie es der Bericht aus Großbritannien beschreibt. Wer bei einem in Deutschland lizenzierten Casino spielt, kann sich darauf verlassen, dass die GGL die Einhaltung der Datenschutzstandards streng überwacht. Ein „Wilder Westen“ bei der Datenverarbeitung, wie er bei 86 Prozent der britischen Anbieter festgestellt wurde, wäre unter der deutschen Aufsicht kaum denkbar, da die IT-Systeme der Betreiber regelmäßig geprüft werden.

Was das für GGL-Casinos heißt

Für Anbieter mit GGL-Lizenz bedeutet der Skandal in England eine Chance, sich durch Seriosität abzuheben. Deutsche Casinos müssen sicherstellen, dass ihre Cookie-Banner den Anforderungen der deutschen Rechtsprechung entsprechen, was bedeutet: Der „Ablehnen“-Button muss genauso prominent wie der „Akzeptieren“-Button sein. Ein Vorab-Sammeln von Daten zu Marketingzwecken, wie es Ladbrokes oder William Hill vorgeworfen wird, führt in Deutschland schnell zum Entzug der Konzession. Da der deutsche Markt durch das LUGAS-System ohnehin hochgradig vernetzt ist, ist der Schutz der Spieleridentität und der Finanzdaten hier das höchste Gut. Betreiber sind gut beraten, ihre Datenschutz-Dashboards proaktiv sauber zu halten, um nicht ins Visier der Behörden zu geraten.

Häufige Fragen

Warum werden britische Glücksspielanbieter kritisiert?

Eine Studie der Universität Swansea ergab, dass 86 Prozent der lizenzierten Webseiten gegen die DSGVO verstoßen. Sie sammeln oft Daten ohne Einwilligung oder nutzen manipulative Design-Tricks, um Nutzer zum Tracking zu bewegen.

Welche bekannten Marken sind von den Vorwürfen betroffen?

Im Bericht werden unter anderem große Namen wie William Hill und Ladbrokes genannt, die Daten bereits vor der Zustimmung der Nutzer erhoben haben sollen. Auch Admiral Casino und Hollywood Bets fielen durch mangelnde Opt-out-Möglichkeiten auf.

Was passierte im Fall SkyBet im September 2024?

Die britische Datenschutzbehörde ICO sprach einen Tadel gegen SkyBet aus, da das Unternehmen Nutzerdaten für Marketingzwecke an Dritte weitergegeben hatte, bevor die Kunden dies im Cookie-Banner erlauben konnten. SkyBet korrigierte die Praktiken nach der Untersuchung.

Was sind Dark Patterns bei Cookie-Bannern?

Dies sind manipulative Design-Elemente, die Nutzer zu einer bestimmten Entscheidung drängen. Dazu gehören zum Beispiel farblich hervorgehobene „Akzeptieren“-Buttons oder das Verstecken der Ablehnungs-Option in Untermenüs.

Sind Spieler in Deutschland vor solchen Praktiken geschützt?

Ja, Spieler in Deutschland sind durch den Glücksspielstaatsvertrag 2021 und die Aufsicht der GGL deutlich besser geschützt. Anbieter auf der Whitelist müssen strenge Datenschutzvorgaben erfüllen, und Verstöße gegen die DSGVO können zum Lizenzverlust führen.

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Über die Autorin

Lisa Lustich

Lisa Lustich

Chefredakteurin & Casino-Testerin

Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).

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Quellen & weiterführende Links

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