Lustich.de arbeitet nicht gewinnorientiert. Überschüsse fließen in gemeinnützige Projekte, zum Beispiel in den Bau von Schulen und Brunnen in Benin (Westafrika). Mehr erfahren
Alle Casino News auf Deutsch
Regulierung

Philippinen verlängern Frist für Online-Gaming-Zulassungen bis Ende September

Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Philippinen verlängern Frist für Online-Gaming-Zulassungen bis Ende SeptemberKI-GENERIERT

Die Regulierungsbehörde PAGCOR gibt B2B-Anbietern mehr Zeit für die Umstellung auf das neue Lizenzsystem. Wer die Frist bis zum 30. September verpasst, wird abgeschaltet.

Die philippinische Glücksspielbehörde PAGCOR hat eine wichtige Entscheidung für den asiatischen Online-Glücksspielmarkt getroffen. Unternehmen, die als Zulieferer für elektronische Spielsysteme fungieren, erhalten eine Atempause bei der Beantragung ihrer neuen Akkreditierungen. Ursprünglich war der 31. Juli als Stichtag für den Abschluss des Lizenzwechsels vorgesehen, doch dieser Termin wurde nun offiziell nach hinten verschoben. Die Verzögerung zeigt, wie komplex die regulatorische Umstellung in einem Markt ist, der sich zunehmend von den Grauzonen der Vergangenheit distanzieren möchte.

Betroffen sind alle B2B-Dienstleister, die mit lizenzierten Gaming System Administrators (GSAs) zusammenarbeiten. GSAs sind die eigentlichen Betreiber der Plattformen, doch unter dem neuen Rahmenwerk müssen nun auch die Zulieferer im Hintergrund eigene, frische Lizenzen vorweisen. PAGCOR macht dabei keine halben Sachen. Wer die neue Frist bis zum 30. September nicht einhält, muss damit rechnen, dass seine Spiele, Plattformen und technischen Ausrüstungen ab dem 1. Oktober 2026 konsequent vom Netz genommen werden. Dieser Schritt markiert eine deutliche Abkehr von alten Modellen, bei denen Zulieferer oft unter dem Schirm der Betreiberlizenzen agierten.

Zahlen und Fakten

Die neuen Regeln umfassen einen breiten Katalog an Anforderungen. Antragsteller müssen eine nicht erstattungsfähige Gebühr entrichten und sich einer sogenannten Probity-Prüfung unterziehen. Dabei handelt es sich um eine detaillierte Überprüfung der Unternehmenshintergründe und der Eignung für den regulierten Markt. Zusätzlich verlangt die Behörde eine physische Inspektion der Einrichtungen vor Ort sowie reale Tests der elektronischen Spielsysteme. Ein wesentlicher Punkt ist zudem die Hinterlegung einer Kaution in bar, um die Einhaltung der Verpflichtungen abzusichern. Nur Unternehmen, die bei der philippinischen Börsenaufsichtsbehörde SEC registriert sind, dürfen überhaupt einen Antrag stellen.

„Die Behörde hat die Frist für die Akkreditierung von B2B-Zulieferern bis zum 30. September verlängert. Unternehmen, die den Termin verpassen, droht ab dem 1. Oktober 2026 die Stilllegung ihrer Systeme." - Kacper Chejna, Redakteur bei iGaming Express

Der Umfang der betroffenen Kategorien ist gewaltig. Laut der Rechtsberatungsfirma Arden Consult aus Manila fallen nicht nur Spieleentwickler und Live-Stream-Studios unter die Regeln, sondern auch Zahlungsanbieter, Marketingfirmen, Kundendienst-Dienstleister und sogar unabhängige Testlabore. Für jede einzelne Inhaltskategorie ist eine separate Akkreditierung erforderlich. Das bedeutet für große Aggregatoren einen erheblichen bürokratischen Aufwand, da sie jedes einzelne Spiel und jede Schnittstelle zertifizieren lassen müssen.

Hintergrund

Diese Entwicklung steht nicht isoliert da. Weltweit greifen Regulierungsbehörden härter durch. In Australien hat die Independent Casino Commission of New South Wales (NICC) die Aussetzung der Lizenz für das The Star Sydney Casino bis zum 31. März 2026 verlängert. Grund sind anhaltende Mängel bei der Compliance und finanzielle Probleme. Steve McCann, CEO der Star Entertainment Group, räumte ein, dass noch viel Arbeit vor dem Unternehmen liege. In Illinois wiederum wurden Lizenzen für temporäre Casino-Standorte wie Bally’s Chicago bis September 2027 verlängert, während der Bau der permanenten Resorts voranschreitet. Überall zeigt sich das gleiche Bild: Fristen werden zwar oft verschoben, aber die Bedingungen für den Erhalt der Erlaubnisse werden drastisch verschärft.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Für Spieler in Deutschland haben diese internationalen Verschiebungen keine direkten Auswirkungen auf den täglichen Spielablauf, aber sie dienen als wichtiges Warnsignal. Die Situation auf den Philippinen erinnert an die strengen Anforderungen des deutschen Glücksspielstaatsvertrags 2021 (GlüStV 2021). In Deutschland dürfen Spieler nur bei Anbietern aktiv sein, die auf der sogenannten Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) stehen. Diese Liste stellt sicher, dass der Betreiber und seine Software alle Sicherheitsstandards erfüllen.

Deutsche Spieler müssen sich an strikte Regeln halten, wie das monatliche Einzahlungslimit von 1.000 Euro über alle Anbieter hinweg. Dieses Limit wird durch das zentrale System LUGAS überwacht. Zudem gilt ein Einsatzlimit von 1 Euro pro Spielrunde an virtuellen Automaten. Die Entwicklungen in Asien verdeutlichen, dass seriöse Software-Entwickler, die auch für den deutschen Markt produzieren, immer öfter globale Compliance-Standards erfüllen müssen. Wer als Spieler auf Anbieter ohne GGL-Lizenz ausweicht (oft mit Lizenzen aus Curacao oder Malta), begibt sich in ein rechtliches Vakuum ohne den Schutz deutscher Behörden.

Was das für GGL-Casinos heißt

Casinos mit deutscher Lizenz profitieren indirekt von dieser globalen Professionalisierung. Wenn große Spielehersteller wie NetEnt oder Play'n GO weltweit strengere Prüfungen durchlaufen, erhöht das die generelle Integrität der Software. Für deutsche Betreiber ist es essenziell, dass ihre Zulieferer sauber lizenziert sind, da die GGL bei Verstößen der Partner auch den deutschen Lizenznehmer in die Pflicht nimmt. Die strenge Überwachung der Lieferketten, wie sie PAGCOR nun forciert, ist in Deutschland bereits Standard durch den GlüStV 2021. Dies schützt lizenzierte Casinos vor unfairem Wettbewerb durch technologisch nicht geprüfte Schwarzmarkt-Produkte.

Häufige Fragen

Warum hat PAGCOR die Frist für Glücksspielanbieter verlängert?

Die philippinische Behörde gewährt den B2B-Dienstleistern zwei zusätzliche Monate bis zum 30. September, um die komplexen Anforderungen des neuen Lizenzrahmens zu erfüllen. Damit soll sichergestellt werden, dass alle technischen Prüfungen und Zuverlässigkeitsuntersuchungen ordnungsgemäß abgeschlossen werden können.

Welche Konsequenzen drohen bei Nichteinhaltung der Frist?

Unternehmen, die bis zum Stichtag keine gültige Akkreditierung vorweisen können, müssen ihre Systeme ab dem 1. Oktober 2026 abschalten. Das betrifft Plattformen, Spiele und die gesamte elektronische Infrastruktur, was für die betroffenen Firmen einen kompletten Marktausschluss bedeutet.

Wer muss sich laut den neuen Regeln akkreditieren lassen?

Die Pflicht gilt für eine Vielzahl von Dienstleistern, darunter Spieleentwickler, Live-Casino-Studios, Zahlungsdienstleister und Marketingagenturen. Voraussetzung für den Antrag ist eine Registrierung bei der philippinischen Börsenaufsichtsbehörde SEC.

Was ist ein Probity-Check im Glücksspielwesen?

Ein Probity-Check ist eine tiefgehende Integritätsprüfung des Unternehmens und seiner Verantwortlichen. Dabei werden Hintergründe, finanzielle Stabilität und die Eignung für den Betrieb in einem regulierten Markt genauestens durch die Behörden untersucht.

Gelten diese Lizenzen auch für deutsche Online-Casinos?

Nein, die PAGCOR-Lizenzen gelten nur für den philippinischen Markt. In Deutschland dürfen Spieler rechtlich sicher nur bei Anbietern spielen, die eine Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) besitzen und den GlüStV 2021 einhalten.

Teilen

Über die Autorin

Lisa Lustich

Lisa Lustich

Chefredakteurin & Casino-Testerin

Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).

Alle Artikel von Lisa Lustich

Quellen & weiterführende Links

Glücksspiel kann süchtig machen. Spielen Sie verantwortungsbewusst. Hilfe und Beratung unter 0800 1 372 700 (BZgA, kostenlos & anonym).

Verwandte Themen

Weiterführende Artikel