Insiderhandel bei Prognosemärkten: Hunderte Verdachtsfälle bei Kalshi und Polymarket
KI-GENERIERTPlattformen wie Kalshi und Polymarket meldeten im Jahr 2026 bereits über 140 Verdachtsfälle von Insiderhandel, während die US-Behörden kaum hinterherkommen.
Die Welt der Prognosemärkte erlebt derzeit einen massiven Ansturm, doch mit dem Erfolg wachsen auch die Schattenseiten. Plattformen, auf denen Nutzer auf den Ausgang realer Ereignisse wetten können, kämpfen zunehmend mit Manipulationen. Während die Betreiber selbst versuchen, schwarze Schafe auszusortieren, scheinen die staatlichen Aufsichtsbehörden in den USA völlig überfordert zu sein. Der massive Personalabbau bei der Commodity Futures Trading Commission (CFTC) hat dazu geführt, dass Meldungen über verdächtige Handelsaktivitäten oft im Sande verlaufen.
Besonders Kalshi und Polymarket stehen im Fokus der aktuellen Entwicklungen. Diese Anbieter ermöglichen Wetten auf politische Entscheidungen, Sportereignisse oder sogar wirtschaftliche Kennzahlen. Doch genau hier liegt das Problem: Wer über exklusives Wissen verfügt, kann den Markt zu seinen Gunsten manipulieren. Die Plattformen haben zwar eigene Überwachungssysteme implementiert, doch die Durchsetzung rechtlicher Konsequenzen obliegt den staatlichen Stellen, die derzeit kaum handlungsfähig sind.
Zahlen und Fakten
Im laufenden Jahr 2026 hat Kalshi bereits über 50 Händler gemeldet, während Polymarket sogar mehr als 90 Kontoinhaber an die Behörden in den USA und im Ausland verwiesen hat. Allein im Dreimonatszeitraum bis Juni übermittelte Kalshi 32 mögliche Fälle von Insiderhandel an die CFTC. Trotz dieser Flut an Beweisen hat die Behörde bisher nur gegen drei Personen zivilrechtliche Anklagen erhoben. Ein Hauptgrund für dieses Defizit ist die dünne Personaldecke: Die Durchsetzungsabteilung der CFTC besteht nur noch aus etwa 100 Mitarbeitern, die primär für den Billionen-Dollar-Rohstoffmarkt zuständig sind.
In Chicago ist die Situation besonders prekär. Dort schrumpfte die Rechtsabteilung der CFTC von rund 20 Anwälten auf faktisch null zusammen, nachdem der letzte verbliebene Prozessanwalt im Februar zurücktrat. Zum Vergleich: Im Geschäftsjahr 2024 verzeichnete die Behörde noch 58 Vollstreckungsmaßnahmen und erzielte eine Rekordsumme von 17,1 Milliarden Dollar an Entschädigungen. Im Jahr nach dem Regierungswechsel sank die Zahl der Maßnahmen auf elf, wobei weniger als 1 Milliarde Dollar erzielt wurde. Senatorin Elizabeth Warren kritisierte im Juli, dass der Personalbestand seit Januar 2025 um 25 Prozent gesunken sei.
Hintergrund
Ein prominentes Beispiel für die Problematik ist der Fall George Santos. Der ehemalige Kongressabgeordnete soll auf Kalshi Wetten platziert haben, ob er selbst an der State of the Union Rede am 24. Februar teilnehmen würde. Während er öffentlich behauptete, er werde anwesend sein, setzte er Berichten zufolge Geld darauf, dass er nicht erscheint. Später gab er Flugprobleme als Grund für sein Fernbleiben an. Die CFTC warf ihm Marktmanipulation vor, da er andere Händler über seine Pläne getäuscht hatte. Er erzielte mit dieser Wette rund 17.000 Dollar Gewinn. Ein weiterer Fall betrifft einen Polymarket-Nutzer, der fast 410.000 Dollar mit einer Wette auf die Gefangennahme des venezolanischen Ex-Führers Nicolas Maduro verdiente.
„Prognosemärkte werden wahrscheinlich Betrug und Insiderhandel anziehen.“ - Tarek Mansour, CEO von Kalshi
Die CFTC zögert zudem, riskante Kontrakte generell zu verbieten. Stattdessen werden die Verträge einzeln geprüft. Dies stößt auf Widerstand von Sportorganisationen wie der NFL, die Verbote für Wetten auf Spielertransfers oder Startaufstellungen fordert. In Europa ist die Haltung deutlich restriktiver. Länder wie Frankreich, Deutschland und die Niederlande blockieren den Zugang zu großen Betreibern wie Polymarket bereits weitgehend.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Spieler ist die Situation eindeutig, aber auch einschränkend. Prognosemärkte wie Polymarket oder Kalshi verfügen über keine Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) und sind somit in Deutschland nicht legal zugänglich. Der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) setzt extrem enge Grenzen für Ereigniswetten. Während Sportwetten auf den Ausgang von Spielen erlaubt sind, fallen Wetten auf politische Ereignisse oder gesellschaftliche Vorfälle unter das Verbot von Glücksspiel ohne Lizenz.
Deutsche Nutzer sollten sich bewusst sein, dass Konten bei solchen Anbietern jederzeit gesperrt werden können, ohne dass ein rechtlicher Anspruch auf Auszahlung in Deutschland durchsetzbar wäre. Zudem fehlen auf diesen Plattformen die strengen deutschen Spielerschutzmaßnahmen wie das monatliche Einzahlungslimit von 1.000 Euro oder der Anschluss an das Sperrsystem LUGAS. Wer sicher und legal spielen möchte, muss zwingend auf die offizielle Whitelist der GGL schauen, auf der nur Anbieter stehen, die sich an die 1 Euro pro Spin Regel bei Slots und die strengen Identitätsprüfungen halten.
Was das für GGL-Casinos heißt
Die legalen Anbieter in Deutschland stehen vor der Herausforderung, dass solche globalen Prognosemärkte trotz Verboten durch VPN-Dienste oder Krypto-Zahlungen für manche Spieler attraktiv bleiben. Die GGL beobachtet solche Entwicklungen genau, um den Schwarzmarkt einzudämmen. Für lizenzierte Casinos bedeutet dies, dass der Fokus weiterhin auf maximaler Transparenz und Integrität liegen muss, um sich von den unregulierten und manipulationsanfälligen internationalen Märkten abzuheben. Der Fall Santos zeigt, wie leicht „Insiderwissen“ auf unregulierten Plattformen missbraucht werden kann, was die strengen deutschen Regeln für Wettmärkte in der Theorie legitimiert.
Häufige Fragen
Wie viele Insider-Fälle wurden 2026 gemeldet?
Kalshi hat bisher über 50 Händler gemeldet, während Polymarket mehr als 90 Verdachtsfälle an die Behörden übermittelt hat. Davon wurden allein 32 Fälle in den drei Monaten bis Juni von Kalshi direkt an die CFTC weitergeleitet.
Warum geht die US-Behörde CFTC nicht gegen alle Fälle vor?
Die Behörde leidet unter massivem Personalmangel, da die Belegschaft seit Januar 2025 um 25 Prozent geschrumpft ist. In der Durchsetzungsabteilung arbeiten nur noch etwa 100 Personen für den gesamten US-Markt.
Was war der Fall George Santos?
Der ehemalige Politiker George Santos nutzte Kalshi, um 17.000 Dollar mit einer Wette auf sein eigenes Fernbleiben bei einer Rede zu gewinnen. Er wurde wegen Marktmanipulation zu einer Geldstrafe von 35.000 Dollar verurteilt.
Sind Prognosemärkte wie Polymarket in Deutschland erlaubt?
Nein, Plattformen wie Polymarket oder Kalshi haben keine GGL-Lizenz und gelten in Deutschland als illegales Glücksspiel. Deutsche Behörden und europäische Regulierer wie die französische ANJ blockieren den Zugang zu diesen Diensten aktiv.
Teilen
Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
Alle Artikel von Lisa Lustich →Quellen & weiterführende Links
- Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL): gluecksspiel-behoerde.de
- Whitelist erlaubter Online-Anbieter: GGL-Whitelist
- BZgA Spielsucht-Hotline: 0800 1 372 700 (kostenlos, anonym, 24/7)
- Redaktionelle Methodik: Redaktionsrichtlinien Lustich.de
Glücksspiel kann süchtig machen. Spielen Sie verantwortungsbewusst. Hilfe und Beratung unter 0800 1 372 700 (BZgA, kostenlos & anonym).
Diesen Artikel in 20 Sprachen lesen
Verwandte Themen
Weiterführende Artikel
KI-GENERIERTPAGCOR führt neue Mindestgebühren für philippinische Glücksspielbetreiber ein
Die philippinische Behörde PAGCOR setzt ab dem 1. Juli 2026 ein neues Gebührenmodell für Gaming-Systemadministratoren um, das monatliche Zahlungen von mindestens 3 Millionen PHP vorsieht.
KI-GENERIERTBaltimore verklagt Kalshi und Polymarket wegen illegaler Sportwetten
Die Stadt Baltimore geht gerichtlich gegen Prognosemärkte und Sweepstakes-Anbieter vor. Bürgermeister Brandon Scott wirft Unternehmen wie Kalshi und Polymarket vor, unerlaubtes Glücksspiel als Finanzprodukte zu tarnen.
KI-GENERIERTGlücksspiel-Flaute in New York: Warum Online-Casinos in den USA stagnieren
New Yorks Gesetzgeber erteilen iGaming eine Absage. Laut Carrie Wörner liegt die Legalisierung in weiter Ferne, während das Haushaltsdefizit von 34 Milliarden Dollar drückt.










