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Regulierung

Kahlschlag in Rumänien: Neuer ONJN-Chef Tomescu prüft Milliarden-Defizite

16. September 20266 Min.von Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Kahlschlag in Rumänien: Neuer ONJN-Chef Tomescu prüft Milliarden-DefiziteKI-GENERIERT

Nach dem abrupten Aus für Vlad-Cristian Soare ordnet der neue ONJN-Präsident Valentin-Ioan Tomescu eine strategische Überprüfung an, um Steuerrückstände von fast 1 Milliarde Euro aufzuarbeiten.

In der rumänischen Glücksspielaufsicht weht seit wenigen Wochen ein neuer Wind, der die gesamte Branche des Landes in Unruhe versetzt. Valentin-Ioan Tomescu, der erst am 21. August durch Premierminister Ilie Bolojan zum Präsidenten des Nationalen Glücksspielamtes (ONJN) ernannt wurde, hat eine umfassende strategische Überprüfung der Behörde angeordnet. Diese Entscheidung folgt auf die abrupte Entlassung seines Vorgängers Vlad-Cristian Soare, dem die Gründe für sein Ausscheiden laut eigenen Angaben nicht mitgeteilt wurden. Der Wechsel an der Spitze ist bereits die zweite Führungsänderung in kurzer Zeit, nachdem die Behörde seit Anfang 2025 unter scharfer Beobachtung steht.

Die ersten drei Wochen seiner Amtszeit nutzte Tomescu für eine Bestandsaufnahme, die ein düsteres Bild der aktuellen Verwaltungslage zeichnet. Im Fokus stehen dabei nicht nur interne Arbeitsabläufe, sondern auch massive finanzielle Unregelmäßigkeiten, die durch vorangegangene Audits ans Licht kamen. Die rumänische Glücksspielbehörde kämpft mit einem Erbe aus mangelhafter digitaler Infrastruktur und einem eklatanten Personalmangel, der die Erfüllung gesetzlicher Aufgaben gefährdet. Tomescu betonte, dass die Bewertung nun durch konkrete Maßnahmen gefolgt werden müsse, um das Vertrauen der Bürger und der lizenzierten Unternehmen zurückzugewinnen.

Zahlen und Fakten

Besonders alarmierend sind die Ergebnisse eines Audits durch den rumänischen Rechnungshof, der den Zeitraum von 2019 bis 2023 untersuchte. Dabei wurden potenzielle Einnahmeverluste bei Lizenzgebühren und Steuern identifiziert, die sich auf eine Summe von nahezu 1 Milliarde Euro belaufen könnten. Diese enorme Zahl verdeutlicht das Ausmaß der Governance-Fehler, die Tomescu nun korrigieren muss. Um die Effizienz zu steigern, soll bereits innerhalb von zwei Wochen nach der Ankündigung vom 14. September ein neues digitales Registrierungs- und Managementsystem für Dokumente eingeführt werden. Damit will die ONJN die Bearbeitungszeiten für Petitionen und Anfragen drastisch verkürzen und die Transparenz erhöhen.

Ein weiterer zentraler Punkt der Reform ist die personelle Neuaufstellung. Tomescu stellte klar, dass Beförderungen in Führungspositionen künftig ausschließlich auf Kompetenz, Erfahrung und persönlicher Verantwortung für die Abteilungsleistung basieren werden. Dies ist eine direkte Reaktion auf die Kritik an der bisherigen Personalpolitik und den identifizierten Fachkräftemangel. Gleichzeitig wird an einem nationalen Programm zur Prävention und Behandlung von Spielsucht gearbeitet, für das die ONJN eine Kooperation mit spezialisierten Gesundheitseinrichtungen anstrebt, auch wenn hierfür noch kein konkretes Startdatum oder Finanzierungsmodell vorliegt.

Hintergrund

Der Hintergrund dieser radikalen Umstrukturierung ist politisch hochbrisant. Rumänien befindet sich unter dem neuen Präsidenten Nicușor Dan in einer Phase der wirtschaftlichen Instabilität, geprägt von einem Sparpaket der Regierung Bolojan, das unter anderem Mehrwertsteuererhöhungen vorsah. In diesem Kontext ist die Eintreibung der ausstehenden Glücksspielsteuern von fast 1 Milliarde Euro ein entscheidender Faktor für den Staatshaushalt. Die ONJN wurde durch die Audit-Fehler im Jahr 2025 massiv beschädigt, was Tomescu nun als Chance für einen kompletten digitalen und strukturellen Neustart begreifen will.

„Es ist äußerst wichtig, dass ich mir ein genaues Bild von der Situation der Institution mache, bevor ich Entscheidungen treffe, aber auf die Bewertung müssen konkrete Maßnahmen folgen. Wir haben bereits eine Reihe von Prioritäten festgelegt, die innerhalb kurzer Zeit Ergebnisse liefern können, neben Maßnahmen, die einen strukturellen Ansatz und einen längeren Zeitplan für die Umsetzung erfordern.“ - Valentin-Ioan Tomescu, Präsident des ONJN

Was heißt das für deutsche Spieler?

Für deutsche Spieler, die sich strikt an die Regeln des Glücksspielstaatsvertrages (GlüStV 2021) halten, haben die Turbulenzen in Rumänien zunächst keine direkten Auswirkungen auf ihren Spielalltag. Allerdings zeigt das Beispiel der ONJN, wie wichtig eine robuste und digitalisierte Aufsicht ist. In Deutschland übernimmt diese Rolle die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) in Halle. Deutsche Spieler profitieren von einem klaren Rahmenwerk: Das Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat über das LUGAS-System und das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin an virtuellen Automaten sind Schutzmechanismen, die in Rumänien in dieser Form erst mühsam aufgebaut oder reformiert werden müssen. Wer bei einem in Deutschland lizenzierten Anbieter spielt, ist vor den fiskalischen und administrativen Chaos-Zuständen, wie sie derzeit in Rumänien beschrieben werden, geschützt, da die GGL die Steuerabführungen und Lizenzvorgaben streng kontrolliert. Die Krise in Rumänien unterstreicht jedoch, dass nur Anbieter auf der offiziellen GGL-Whitelist Rechtssicherheit bieten.

Was das für GGL-Casinos heißt

Casinos mit einer deutschen Lizenz der GGL können aus der rumänischen Krise lernen, dass regulatorische Compliance und Transparenz keine optionalen Extras sind. Die massiven Nachforderungen von fast 1 Milliarde Euro in Rumänien könnten dort ansässige Unternehmen finanziell ruinieren. Deutsche Betreiber hingegen unterliegen einer laufenden Überwachung, die solche Defizite im Keim ersticken soll. Für Unternehmen, die international tätig sind, bedeutet die Neuausrichtung unter Valentin-Ioan Tomescu, dass der rumänische Markt deutlich strenger und digitaler überwacht wird. MGA- oder Curacao-Lizenzen, die oft als flexibler gelten, bieten weder den Spielern noch den Staaten die Sicherheit, die durch ein funktionierendes System wie das deutsche LUGAS oder die geplante rumänische Digitaloffensive erreicht werden soll. Die Professionalisierung der Managementstrukturen, wie sie Tomescu fordert, ist in Deutschland bereits Standard für den Erhalt einer Konzession.

Häufige Fragen

Wer ist der neue Chef der rumänischen Glücksspielbehörde?

Valentin-Ioan Tomescu wurde am 21. August 2026 von Premierminister Ilie Bolojan zum Präsidenten des ONJN ernannt. Er trat die Nachfolge von Vlad-Cristian Soare an, der überraschend entlassen wurde.

Wie hoch sind die vermuteten Steuerausfälle in Rumänien?

Ein Audit, das die Jahre 2019 bis 2023 untersuchte, stellte fest, dass potenziell bis zu 1 Milliarde Euro an Lizenzgebühren und Steuern nicht gezahlt wurden. Dies führte zu einer tiefgreifenden Prüfung der Behörde durch den Rechnungshof.

Welche technischen Neuerungen plant die ONJN?

Es soll ein neues digitales System zur Dokumentenverwaltung eingeführt werden, um analoge Prozesse zu ersetzen. Dies soll die Transparenz bei Petitionen und Anfragen erhöhen und die Bearbeitungszeiten deutlich senken.

Welche Ziele verfolgt Valentin-Ioan Tomescu bei der Personalauswahl?

Der neue Präsident will die Managementstrukturen professionalisieren und Beförderungen nur noch nach Kompetenz und Leistung vergeben. Damit reagiert er auf einen akuten Personalmangel innerhalb der Behörde.

Warum ist das für Spieler in Deutschland relevant?

Während Rumänien mit Milliarden-Defiziten und Reformen kämpft, bietet das deutsche System mit der GGL-Lizenz und LUGAS bereits eine stabile Überwachung. Deutsche Spieler sollten nur bei Anbietern auf der Whitelist spielen, um von hohen Standards bei Spielerschutz und Steuerintegrität zu profitieren.

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Über die Autorin

Lisa Lustich

Lisa Lustich

Chefredakteurin & Casino-Testerin

Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).

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Quellen & weiterführende Links

Glücksspiel kann süchtig machen. Spielen Sie verantwortungsbewusst. Hilfe und Beratung unter 0800 1 372 700 (BZgA, kostenlos & anonym).

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