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Regulierung

Glücksspiel-Wochenblick: Dänemark sperrt Polymarket und Irland verschärft AML-Regeln

22. August 20266 Min.von Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Glücksspiel-Wochenblick: Dänemark sperrt Polymarket und Irland verschärft AML-RegelnKI-GENERIERT

Dänemark blockiert 98 Webseiten, während Irland bis 2027 strikte Geldwäsche-Vorgaben umsetzt. In den Niederlanden sorgen 18-Jährige für 41 Prozent der neuen Konten.

Die europäische Glücksspiel-Landschaft erlebt derzeit eine Phase intensiver regulatorischer Nachjustierungen. Besonders deutlich wird dies in Dänemark, wo die Aufsichtsbehörde Spillemyndigheden erneut hart gegen nicht lizensierte Anbieter durchgreift. Insgesamt 98 Domains wurden auf die Sperrliste gesetzt, wobei ein prominenter Name besonders ins Auge sticht: Polymarket. Die Plattform für Prognosemärkte, die international für Aufsehen sorgt, sieht sich nun mit technischen Hürden konfrontiert, da die dänischen Behörden das Wetten auf Lebensereignisse kritisch hinterfragen. Minister Jakob Engel-Schmidt fand hierzu deutliche Worte und betonte, dass ein Menschenleben kein Wettschein sei.

Während Dänemark auf Netzsperren setzt, bereitet Irland den Boden für eine umfassende Neustrukturierung der Aufsicht. Die irische Regierung hat eine nationale Strategie gegen Geldwäsche (AML) ins Leben gerufen, die das Glücksspiel als Sektor mit dringendem Handlungsbedarf identifiziert. Für die künftige Gambling Regulatory Authority of Ireland (GRAI) wurden bereits vier konkrete Zielvorgaben definiert, die bis zum zweiten Quartal 2027 umgesetzt sein müssen. Dies betrifft unter anderem die Einführung von geschlossenen Zahlungskreisläufen, bei denen Auszahlungen zwingend auf das ursprüngliche Einzahlungskonto zurückgeführt werden müssen, sowie klare Industriestandards für Kryptowährungen als Mittelherkunft.

Zahlen und Fakten

Ein Blick auf die wirtschaftlichen Kennzahlen aus Litauen zeigt, dass der Markt für Online-Glücksspiel weiterhin stark wächst. Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Bruttospielertrag (GGR) um 16,8 Prozent auf 153,6 Millionen Euro. Besonders beeindruckend ist der Anteil des Remote-Glücksspiels, also der Online-Angebote, der mittlerweile fast 78 Prozent des Gesamtmarktes ausmacht. Während landbasierte Einnahmen um 5 Prozent sanken, generierten Online-Casinos und virtuelle Spielautomaten der Kategorie A enorme Zuwächse. Die Spielautomaten allein steuerten 85,7 Millionen Euro bei, was einer Steigerung von einem Drittel gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht.

In den Niederlanden sorgt eine Studie der Kansspelautoriteit (Ksa) für Diskussionsstoff. Die Daten vom Mai 2025 belegen, dass 41 Prozent der neuen Konten in der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen von Personen eröffnet wurden, die gerade erst 18 Jahre alt geworden sind. Davon wiederum erstellten 38 Prozent ihr Konto innerhalb eines Monats nach ihrem Geburtstag. Interessanterweise widerlegt die Studie die Annahme, dass junge Erwachsene über Sportwetten zum Glücksspiel finden. Ganze 72 Prozent der untersuchten Konten starteten direkt mit reinen Casino-Spielen.

Hintergrund

Die rechtliche Aufarbeitung von Verlusten bei nicht lizensierten Anbietern bleibt ein Dauerthema. In Finnland gab es jüngst ein wegweisendes Urteil des Obersten Verwaltungsgerichts. Bisher wurden Gewinne von Offshore-Seiten (z. B. aus Curacao) Spiel für Spiel besteuert, ohne dass Einsätze abgezogen werden durften. Das Gericht entschied nun mit 3 zu 2 Stimmen, dass die Steuerlast pro Spielsitzung berechnet werden muss. Spieler dürfen Verluste innerhalb einer Sitzung nun von den Gewinnen abziehen, was die effektive Steuerlast mindert. Dennoch bleibt das System komplex, da Verluste aus einer Sitzung nicht mit Gewinnen aus einer anderen verrechnet werden können.

Auch in Großbritannien greift die Gambling Commission hart durch. Der Anbieter QuinnBet muss eine Zahlung von über 609.000 Pfund leisten, da bei einer Plattform-Migration Schutzmechanismen für Einzahlungslimits versagten. Dies führte dazu, dass 194 Kunden Geldbeträge einzahlten, die über ihren selbst gewählten Limits lagen.

„Ein Menschenleben ist kein Wettschein.“ - Jakob Engel-Schmidt, Minister für Steuern und Wirtschaftswachstum in Dänemark

Was heißt das für deutsche Spieler?

Für deutsche Spieler sind diese Nachrichten aus dem europäischen Ausland ein deutliches Signal für die Beständigkeit und Notwendigkeit der hiesigen Regulierung durch den Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021). Während Länder wie Irland erst bis 2027 Regeln für geschlossene Zahlungskreisläufe etablieren, sind solche Mechanismen in Deutschland bereits Standard, um Geldwäsche vorzubeugen. Die strikten Vorgaben der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) sorgen dafür, dass nur Anbieter mit einer deutschen Lizenz auf der offiziellen Whitelist stehen dürfen.

Die in den Niederlanden beobachtete Tendenz, dass junge Erwachsene sofort nach dem 18. Geburtstag hohe Kontenaktivitäten zeigen, wird in Deutschland durch das zentrale Sperrsystem LUGAS und die strengen Einzahlungslimits von monatlich 1.000 Euro sowie das 1-Euro-Einsatzlimit pro Spin an virtuellen Automaten abgefedert. Deutsche Kunden sollten darauf achten, ausschließlich bei GGL-lizensierten Casinos zu spielen, da nur dort der volle rechtliche Schutz und die Einhaltung des Spielerschutzes garantiert sind. Anbieter aus Curacao oder von der MGA ohne deutsche Teillizenz bieten diesen Schutz nicht und stehen, wie das Beispiel Dänemark zeigt, zunehmend im Visier der Behörden.

Was das für GGL-Casinos heißt

Für die in Deutschland lizensierten Betreiber bedeutet die europäische Entwicklung eine Bestätigung ihres Weges, aber auch einen Wettbewerbsvorteil durch Rechtssicherheit. Während Plattformen wie Polymarket in Dänemark und Frankreich blockiert werden, agieren GGL-Casinos in einem staatlich kontrollierten Rahmen. Die technologische Umsetzung von Limits und AML-Vorgaben, die in Irland erst in Planung ist, gehört in Deutschland zum Pflichtprogramm für den Lizenzerhalt. Die GGL überwacht hierbei penibel, ob die Vorgaben zu den Einzahlungslimits und die Anbindung an LUGAS funktionieren. Betreiber müssen sich jedoch darauf einstellen, dass die Diskussion um den Jugendschutz, wie sie in den Niederlanden geführt wird, auch hierzulande die regulatorischen Anforderungen in Zukunft weiter verschärfen könnte.

Häufige Fragen

Warum hat Dänemark Polymarket gesperrt?

Die dänische Behörde Spillemyndigheden stufte die Seite als illegalen Glücksspielanbieter ein. Der Minister für Steuern betonte zudem ethische Bedenken, da Wetten auf Prognosemärkte wie menschliche Schicksale nicht mit den nationalen Werten vereinbar seien.

Welche neuen Regeln plant Irland für das Jahr 2027?

Die irische Regierung hat vier Schwerpunkte für die neue Behörde GRAI gesetzt. Dazu gehören verpflichtende Lizenzen für private Clubs, ein Industriestandard für Krypto-Zahlungen, strengere Regeln für Automaten-Clubs und geschlossene Zahlungskreisläufe bei Ein- und Auszahlungen.

Wie werden Glücksspielgewinne in Finnland zukünftig besteuert?

Laut dem aktuellen Urteil des Obersten Verwaltungsgerichts erfolgt die Besteuerung nun pro Spielsitzung statt pro einzelnem Spiel. Das bedeutet, dass Einsätze verlorener Spiele innerhalb derselben Sitzung von den Gewinnen abgezogen werden dürfen, was die Steuerlast für Spieler senkt.

Wie schützt Deutschland junge Spieler ab 18 Jahren?

Durch den GlüStV 2021 gelten in Deutschland strenge Regeln wie das monatliche anbieterübergreifende Einzahlungslimit von 1.000 Euro. Zudem wird jeder Spieler im LUGAS-System registriert und die Einhaltung von Einsatzlimits von 1 Euro pro Spin streng durch die GGL überwacht.

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Über die Autorin

Lisa Lustich

Lisa Lustich

Chefredakteurin & Casino-Testerin

Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).

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Quellen & weiterführende Links

Erwähnte Unternehmen:Polymarket

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