Kalifornien wendet Blatt für DraftKings: Gericht weist Millionen-Forderungen ab

Ein Bundesrichter schlägt Entschädigungsklagen gegen DraftKings in Kalifornien nieder, lässt aber ein gerichtliches Verbot der täglichen Fantasy-Sport-Wettbewerbe offen.
Die Rechtslage für tägliche Fantasy-Sport-Wettbewerbe (DFS) in den USA bleibt ein Minenfeld aus widersprüchlichen Gerichtsurteilen und behördlichen Auslegungen. In einem aktuellen Urteil vom 29. Juli hat US-Bezirksrichter Charles Breyer in Kalifornien mehrere Ansprüche aus einer Sammelklage gegen den Branchenriesen DraftKings abgewiesen. Die Kläger Zhicheng Zhen und Jonathan Smith hatten versucht, ihre Spielverluste mit der Begründung zurückzufordern, das Unternehmen habe die Legalität der angebotenen Spiele in Kalifornien falsch dargestellt. Richter Breyer folgte diesem Ansinnen jedoch nicht und stützte sich dabei auf die langjährige Rechtspraxis des Bundesstaates, die Gerichte davon abhält, Spielschulden oder den Ausgleich von Glücksspielverlusten durchzusetzen.
Obwohl DraftKings somit die unmittelbare Gefahr massiver Rückzahlungen abwenden konnte, ist die Gefahr für das Geschäftsmodell im bevölkerungsreichsten US-Bundesstaat keineswegs gebannt. Das Gericht ließ Ansprüche unter dem Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb und dem Consumer Legal Remedies Act zu. Das bedeutet, dass im weiteren Verlauf des Verfahrens eine gerichtliche Verfügung (Injunction) ergehen könnte. Eine solche Anordnung würde keine Schadensersatzzahlungen vorsehen, könnte DraftKings jedoch dazu zwingen, den Betrieb bezahlter Fantasy-Wettbewerbe in ganz Kalifornien vollständig einzustellen, sollte das Gericht zu dem Schluss kommen, dass diese gegen staatliche Gesetze verstoßen.
Zahlen und Fakten
Das Urteil verdeutlicht die prekäre Lage eines Marktes, der jahrelang in einer rechtlichen Grauzone operierte. Richter Breyer fand in seiner Begründung deutliche Worte für die Kläger und den Status der Spiele. Er beschrieb die Situation so, dass dieser Fall in technischer Hinsicht eine Klasse von Verlierern betreffe, während es in rechtlicher Hinsicht um Spiele gehe, die durch das kalifornische Strafgesetzbuch (Penal Code) verboten seien. Besonders pikant ist der Hinweis des Richters auf eine gescheiterte Wahlinitiative aus dem Jahr 2022. DraftKings hatte damals massiv in eine Kampagne zur Legalisierung von Online-Sportwetten in Kalifornien investiert, was das Gericht als Indiz wertet, dass sich das Unternehmen der rechtlichen Unsicherheit seiner aktuellen Angebote sehr wohl bewusst war.
Ein weiterer zentraler Punkt ist die Meinung des kalifornischen Generalstaatsanwalts Rob Bonta. Dieser hatte bereits im vergangenen Jahr in einem rechtlich nicht bindenden Gutachten festgestellt, dass DFS-Wettbewerbe, bei denen sich die Spieler physisch im Bundesstaat befinden, nach kalifornischem Recht verboten sind. Bonta plante laut Berichten des Fernsehsenders KCRA sogar, ein Verbot durchzusetzen. Bisher gab es jedoch keine endgültige Entscheidung eines kalifornischen Gerichts und die Behörden haben noch keine direkten Vollstreckungsmaßnahmen gegen die Anbieter ergriffen.
„Die öffentliche Ordnung gegen die Beitreibung von Glücksspielverlusten schließt die Ansprüche der Kläger insoweit aus, als sie die Wiedererlangung ihrer Verluste in irgendeiner Form anstreben, sei es als Schadensersatz oder Entschädigung.“ - Charles Breyer, US-Bezirksrichter am US-Bezirksgericht für den nördlichen Bezirk von Kalifornien
Hintergrund
Die rechtliche Einstufung von Fantasy-Sport in den USA basiert primär auf dem Unlawful Internet Gambling Enforcement Act (UIGEA) von 2006. Dieses Bundesgesetz enthält eine Ausnahmeregelung für Fantasy-Wettbewerbe, sofern diese als Geschicklichkeitsspiele (Games of Skill) und nicht als Glücksspiele (Games of Chance) gelten. Die Kriterien hierfür sind streng: Preise müssen vorab bekannt sein und dürfen nicht von der Teilnehmerzahl abhängen, der Ausgang muss auf dem Wissen und der Geschicklichkeit der Teilnehmer basieren und darf nicht allein vom Ergebnis eines einzelnen realen Teams oder Athleten abhängen.
Das Problem liegt darin, dass viele US-Bundesstaaten eigene Gesetze haben, die über das Bundesrecht hinausgehen. Während Staaten wie Maryland oder Kansas Fantasy-Sport explizit legalisiert haben, verbieten Staaten wie Arizona, Iowa, Louisiana, Montana, Nevada und Washington das Angebot komplett. Kalifornien befindet sich derzeit in einem juristischen Schwebezustand, da die Stämme, die exklusive Glücksspielrechte im Staat besitzen, gegen die Konkurrenz der Online-Anbieter vorgehen. Auch Unternehmen wie PrizePicks, das kürzlich für 1,6 Milliarden US-Dollar an den europäischen Glücksspielriesen Allwyn verkauft wurde, stehen unter Beobachtung, da sie über Partnerschaften mit Plattformen wie Kalshi versuchen, Vorhersagemärkte als regulierte Finanzprodukte statt als Glücksspiel zu etablieren.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Spieler hat diese Entwicklung in Kalifornien keine unmittelbaren praktischen Auswirkungen auf ihre Konten, unterstreicht aber die Bedeutung einer klaren Regulierung. In Deutschland wurde mit dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) eine vergleichbare Rechtsunsicherheit weitgehend beendet. Während in den USA noch darüber gestritten wird, ob Fantasy-Sport Glücksspiel ist, ist die Lage hierzulande klar definiert. Nur Anbieter, die auf der offiziellen Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) stehen, dürfen ihre Dienste legal anbieten.
Deutsche Nutzer genießen durch die GGL-Lizenzierung einen Schutz, der in Kalifornien derzeit fehlt. Dazu gehören das anbieterübergreifende monatliche Einzahlungslimit von 1.000 Euro, das über das LUGAS-System überwacht wird, sowie das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin bei virtuellen Automatenspielen. Da DraftKings keine GGL-Lizenz besitzt, ist das Angebot für deutsche Spieler ohnehin nicht zugänglich. Wer in Deutschland legal spielen möchte, sollte sich strikt an lizenzierte Portale halten, da illegale Angebote keine Rechtssicherheit bei Auszahlungen bieten und der Spielerschutz dort nicht durch staatliche Kontrollen garantiert wird.
Was das für GGL-Casinos heißt
Deutsche lizenzierte Betreiber können den Fall Kalifornien als Bestätigung für ihre Strategie der strikten Einhaltung der GGL-Vorgaben sehen. Die Entscheidung von Richter Breyer zeigt, dass die Einstufung als Geschicklichkeitsspiel oft auf wackeligen Beinen steht, sobald staatliche Behörden eingreifen. GGL-Casinos investieren massiv in IT-Infrastruktur für die Anbindung an LUGAS und OASIS, um den legalen Status abzusichern. Während DraftKings in den USA mit Millionenklagen wegen angeblicher Irreführung konfrontiert ist, bieten deutsche Betreiber durch die Einhaltung des GlüStV 2021 ein transparentes Umfeld. Dies stärkt das Vertrauen der Nutzer, die wissen, dass sie im Falle von Streitigkeiten auf eine regulierte Behörde und klare Gesetze zählen können.
Häufige Fragen
Darf man in Kalifornien legal Fantasy-Sport spielen?
Die rechtliche Lage ist derzeit unklar und wird von Richter Charles Breyer als trüb bezeichnet. Obwohl DraftKings und andere Anbieter ihre Dienste anbieten, hat der Generalstaatsanwalt bereits erklärt, dass diese Wettbewerbe nach staatlichem Recht eigentlich verboten sind.
Können Spieler ihre Verluste bei DraftKings zurückfordern?
Laut dem aktuellen Urteil vom 29. Juli 2024 ist dies in Kalifornien nicht möglich. Richter Breyer wies diese Ansprüche ab, da die Gerichte des Bundesstaates grundsätzlich keine Hilfe bei der Eintreibung oder Rückzahlung von Glücksspielschulden und -verlusten leisten.
Was droht DraftKings nach dem Urteil in Kalifornien?
Es droht eine sogenannte Injunction, also eine gerichtliche Verfügung. Diese könnte das Unternehmen dazu verpflichten, den Betrieb von bezahlten täglichen Fantasy-Sport-Wettbewerben in Kalifornien komplett einzustellen, falls die Unrechtmäßigkeit des Angebots festgestellt wird.
Warum ist die GGL-Lizenz in Deutschland so wichtig?
Im Gegensatz zu den USA bietet der Glücksspielstaatsvertrag 2021 in Deutschland klare Regeln für Betreiber und Spieler. Nur Anbieter mit GGL-Lizenz sind legal, was den Schutz von Einzahlungen und die Einhaltung strenger Spielerschutzmaßnahmen wie Einzahlungslimits garantiert.
Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
Alle Artikel von Lisa Lustich →Quellen & weiterführende Links
- Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL): gluecksspiel-behoerde.de
- Whitelist erlaubter Online-Anbieter: GGL-Whitelist
- BZgA Spielsucht-Hotline: 0800 1 372 700 (kostenlos, anonym, 24/7)
- Redaktionelle Methodik: Redaktionsrichtlinien Lustich.de
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