Glücksspiel-Steuer für ganz Europa? Polens Premier Donald Tusk macht Druck in Brüssel
KI-GENERIERTPolens Ministerpräsident Donald Tusk fordert eine EU-weite Abgabe auf Online-Glücksspiel. Diese könnte laut ersten Schätzungen jährlich zwischen 2 und 4 Milliarden Euro einbringen.
In Brüssel braut sich etwas zusammen, das die europäische Glücksspielwelt nachhaltig verändern könnte. Der polnische Premierminister Donald Tusk hat eine Debatte angestoßen, die für Betreiber und Spieler gleichermaßen gravierende Folgen haben dürfte. Tusk fordert eine EU-weite Besteuerung von Online-Glücksspiel, um den langfristigen EU-Haushalt für die Jahre 2028 bis 2034 zu sichern. Diese Forderung erhob er nach einem Treffen der Visegrad-Staaten in Bratislava. Sein Argument ist simpel wie populistisch: Statt die Arbeitnehmer stärker zu belasten, sollen Sektoren wie das Glücksspiel, Kryptowährungen und digitale Großkonzerne zur Kasse gebeten werden.
Die Idee einer solchen Abgabe ist nicht völlig neu, doch durch die Unterstützung eines Schwergewichts wie Tusk gewinnt sie an politischem Gewicht. Das Europäische Parlament hat das Online-Glücksspiel bereits als potenzielle Quelle für sogenannte Eigenmittel identifiziert. Sollten andere geplante Steuermodelle scheitern, könnte die Glücksspielabgabe als Joker dienen. Die Summen, um die es geht, sind beachtlich und zeigen, warum die Politik dieses Feld so attraktiv findet.
„Ich möchte, dass der Vorschlag des Europäischen Parlaments bezüglich der Steuern auf Glücksspiel und Kryptowährungen ernst genommen wird.“ - Donald Tusk, Premierminister von Polen
Zahlen und Fakten
Bisherige Schätzungen des EU-Parlaments gehen davon aus, dass eine koordinierte Abgabe auf Online-Wetten und Glücksspiele jährlich zwischen 2 Milliarden und 4 Milliarden Euro generieren könnte. Zum Vergleich: In Polen selbst ist der Markt bereits extrem stark reguliert. Dort lag das Bruttospielertrag (Gross Gaming Revenue, GGR) bei Sportwetten im Jahr 2026 bei rund 1,62 Milliarden Euro, basierend auf einem geschätzten Gesamtumsatz von 5,07 Milliarden Euro. Die polnischen Betreiber leiden bereits unter einer 12-prozentigen Umsatzsteuer auf Sportwetten, was laut Branchenexperten wie Ed Birkin von H2 Gambling Capital zu einer untypisch hohen Marge von 32 Prozent führt, um die Kosten zu decken. Eine zusätzliche EU-Steuer würde diesen Druck massiv erhöhen.
Hintergrund
Die Hürden für eine solche Steuer sind jedoch gigantisch. Steuerfragen auf EU-Ebene erfordern das Einstimmigkeitsprinzip im Rat. Das bedeutet, jeder einzelne Mitgliedsstaat muss zustimmen und das Vorhaben oft durch die nationalen Parlamente ratifizieren lassen. Da die Glücksspielregulierung bisher reine Ländersache ist, prallen hier Welten aufeinander. Länder wie Deutschland haben erst 2021 mit dem neuen Staatsvertrag mühsam eigene Regeln geschaffen. Eine zusätzliche europäische Ebene könnte das fein austarierte System der nationalen Besteuerung sprengen. In Polen etwa gibt es bereits eine zusätzliche 10-prozentige Gewinnsteuer für Spieler, die direkt vom Betreiber einbehalten wird. Wie eine EU-Abgabe mit solchen bestehenden nationalen Sondersteuern harmonieren soll, ist völlig ungeklärt.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Spieler ist diese Nachricht ein zweischneidiges Schwert. Deutschland hat mit dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) bereits einen der am stärksten regulierten Märkte der Welt. Wir kennen das strikte 1.000 Euro Einzahlungslimit pro Monat, das über das LUGAS-System überwacht wird, und das 1 Euro Einsatzlimit pro Spin an virtuellen Automaten. Eine zusätzliche EU-Steuer könnte dazu führen, dass legale Anbieter ihre Quoten weiter senken müssen oder Boni kürzen, um die Mehrbelastung aufzufangen. Das macht den Schwarzmarkt, also Anbieter ohne GGL-Lizenz aus Curacao oder der MGA, leider attraktiver. Der deutsche Gesetzgeber müsste bei einer EU-Steuer vermutlich die nationale Besteuerung anpassen, um die Kanalisierungsquote nicht zu gefährden. Aktuell zahlen deutsche Spieler bereits indirekt über die 5,3 Prozent Einsatzsteuer auf Slots und Poker mit.
Was das für GGL-Casinos heißt
Die Betreiber, die auf der Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) stehen, kämpfen ohnehin mit hohen Compliance-Kosten. Eine EU-Steuer wäre eine weitere Schicht in der bürokratischen und finanziellen Belastung. Betreiber wie Fortuna Entertainment Group warnen bereits, dass hohe Steuern das Produkt für Kunden weniger attraktiv machen. Wenn die EU nun zusätzlich 2 bis 4 Milliarden Euro abschöpfen will, müssen die legalen Casinos in Deutschland ihre ohnehin schon schmalen Margen verteidigen. Für die GGL-Casinos bedeutet dies im schlimmsten Fall einen Wettbewerbsnachteil gegenüber illegalen Seiten, die sich weder an EU-Steuern noch an deutsche Spielerschutzregeln halten. Es bleibt abzuwarten, ob Tusk mit seinem Vorstoß in Brüssel tatsächlich eine Mehrheit findet oder ob der nationale Widerstand die Pläne ausbremst.
Häufige Fragen
Wer fordert eine EU-weite Glücksspielsteuer?
Der polnische Premierminister Donald Tusk hat dazu aufgerufen, eine EU-Abgabe auf Glücksspiel und Kryptowährungen zur Finanzierung des EU-Haushalts 2028 und 2034 ernsthaft zu prüfen. Er möchte damit verhindern, dass Arbeitnehmer durch den neuen Haushalt stärker belastet werden.
Wie viel Geld könnte eine solche Steuer einbringen?
Schätzungen des Europäischen Parlaments zufolge könnte eine koordinierte Steuer auf Online-Glücksspiel jährlich zwischen 2 und 4 Milliarden Euro einbringen. Diese Mittel würden direkt in das Budget der Europäischen Union fließen.
Ist die Einführung einer EU-Steuer bereits beschlossen?
Nein, das Vorhaben befindet sich in einem frühen politischen Stadium. Da Steuerfragen in der EU einstimmig beschlossen werden müssen, ist die Hürde für eine Umsetzung sehr hoch und erfordert die Zustimmung aller Mitgliedsstaaten.
Warum kritisieren Branchenexperten die hohen Steuern?
Experten wie Myke Foster von der Fortuna Entertainment Group argumentieren, dass hohe Steuern die Produkte für Kunden weniger wettbewerbsfähig machen. Dies könne dazu führen, dass Spieler zu illegalen Anbietern abwandern, die keine Steuern zahlen.
Was bedeutet eine mögliche EU-Steuer für deutsche Glücksspiel-Fans?
In Deutschland tätige Anbieter mit GGL-Lizenz müssten bei einer zusätzlichen Steuer womöglich ihre Auszahlungsquoten senken. Da deutsche Spieler bereits durch das 1.000 Euro Einzahlungslimit und die Einsatzsteuer des GlüStV 2021 reguliert sind, könnte eine weitere finanzielle Belastung den legalen Markt schwächen.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
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