Steuerstreit in Großbritannien: Betfred schließt 132 Wettshops wegen Kostenexplosion
KI-GENERIERTBetfred schließt über 10 Prozent seiner Standorte und macht die Steuerpolitik verantwortlich. Das britische Finanzministerium widerspricht den Vorwürfen deutlich.
In der britischen Glücksspielbranche brodelt es gewaltig. Der Buchmacher-Riese Betfred hat angekündigt, insgesamt 132 seiner stationären Wettshops dauerhaft zu schließen. Dies entspricht mehr als 10 Prozent der insgesamt über 1.200 Standorte des Unternehmens. Was auf den ersten Blick wie eine gewöhnliche betriebswirtschaftliche Optimierung aussieht, hat sich schnell zu einem harten öffentlichen Schlagabtausch zwischen dem Unternehmen und dem britischen Finanzministerium entwickelt. Die Geschäftsführung von Betfred sieht die Hauptschuld bei der Regierung, während London jegliche Verantwortung für das Ladensterben von sich weist.
Die Situation ist deshalb so brisant, weil Betfred-Chefin Jo Whitaker eine ganze Liste an Belastungsfaktoren anführt. Neben der allgemeinen wirtschaftlichen Unsicherheit nennt sie explizit die Erhöhung der Glücksspielsteuern, die Lohninflation und steigende Sozialversicherungsbeiträge als Gründe für das Aus der Filialen. Unterstützung erhält Betfred vom Betting and Gaming Council (BGC). Der Verband hatte bereits im Vorfeld des letzten Haushaltsplans davor gewarnt, dass substanzielle Steuererhöhungen Arbeitsplätze, Investitionen und das Wachstum in der regulierten britischen Wett- und Glücksspielindustrie gefährden würden. Nun sieht der Verband seine düsteren Prognosen bestätigt.
Das britische Finanzministerium reagierte ungewöhnlich scharf auf die Vorwürfe. Ein Sprecher betonte gegenüber der Presse, dass es schlichtweg falsch sei, der Regierung die Schuld für diese Schließungen zu geben. Der entscheidende Punkt in der Argumentation des Ministeriums: Die Steuersätze für Wettbüros in den Einkaufsstraßen, die sogenannte General Betting Duty, wurden gar nicht erhöht. Sie bleiben vorerst stabil, während die Regierung bewusst Ausnahmen für den stationären Handel und den Pferderennsport gemacht hat, um diese traditionellen Sektoren zu schützen.
Zahlen und Fakten
Ein Blick auf die nackten Zahlen offenbart die finanzielle Dimension des Konflikts. Betfred erzielte in den 78 Wochen bis März 2025 einen Bruttogewinn von 1 Milliarde Pfund bei einem Gesamtumsatz von 1,45 Milliarden Pfund. Interessanterweise trug das stationäre Geschäft mit fast 900 Millionen Pfund deutlich mehr zum Umsatz bei als der Online-Sektor, der 563,6 Millionen Pfund generierte. Dennoch sank der Bruttospielertrag (Gross Gambling Yield, GGY) im gesamten britischen Einzelhandels-Wettsektor im vierten Quartal 2025 um 7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf rund 549 Millionen Pfund.
Die steuerliche Belastung hat sich tatsächlich verschoben, allerdings primär im digitalen Bereich. Die Remote Gaming Duty, die auf Online-Casinos erhoben wird, stieg im April von 21 auf 40 Prozent. Erst für April 2027 ist eine Erhöhung der General Betting Duty von 15 auf 25 Prozent geplant, wobei der stationäre Einzelhandel nach aktuellem Stand von dieser Erhöhung ausgenommen bleiben soll. Trotzdem kämpft die Branche mit den Folgen der Entscheidung aus dem Jahr 2019, als der Maximaleinsatz an Fixed-Odds Betting Terminals (FOBTs) von 100 Pfund auf nur noch 2 Pfund radikal gesenkt wurde. Dies allein führte bei Konkurrenten wie William Hill damals zur Schließung von 700 Filialen.
„Es ist falsch zu behaupten, dass die Regierung die Schuld an diesen Schließungen trägt. Die Glücksspielsteuersätze für Läden in der High Street haben sich nicht geändert.“ - Sprecher des HM Treasury, britisches Finanzministerium
Hintergrund
Der Konflikt bei Betfred ist kein Einzelfall. Die gesamte Branche in Großbritannien befindet sich in einem tiefgreifenden Strukturwandel. Entain, der Mutterkonzern von Ladbrokes und Coral, verkündete erst kürzlich Stellenstreichungen, und Evoke schloss im März 200 William Hill Filialen. Sogar Flutter Entertainment verkleinerte das Portfolio von Paddy Power bereits vor der Bekanntgabe des Haushaltsplans. Kritiker werfen den Unternehmen vor, die Steuerdiskussion als Vorwand zu nutzen, um ohnehin unrentable stationäre Geschäfte loszuwerden und den Fokus verstärkt auf das margenstärkere Online-Geschäft zu legen.
Zusätzlich wächst der Druck durch lokale Behörden. Viele Kommunen fordern mehr Befugnisse, um Bauanträge für neue Wettshops und Spielhallen abzulehnen. Betfred-Gründer Fred Done warnte eindringlich vor weiteren Belastungen. Er gab an, dass bereits jetzt 300 seiner Läden Verluste schreiben. Eine Steuererhöhung auf 35 oder 40 Prozent würde das Ende des gesamten stationären Geschäfts bedeuten und 7.500 Arbeitsplätze gefährden. Done argumentiert, dass die Kunden bei einer Zerschlagung des legalen Marktes einfach zu Offshore-Anbietern abwandern würden, die keinerlei Steuern im Land zahlen.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Die Situation in Großbritannien bietet interessante Parallelen und Kontraste zum deutschen Markt. Während in UK über Steuererhöhungen gestritten wird, kämpfen deutsche Spieler und Anbieter mit den strikten Regeln des Glücksspielstaatsvertrags 2021 (GlüStV 2021). In Deutschland ist der Markt durch die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) extrem streng reguliert. Für Spieler bedeutet das vor allem Sicherheit, aber auch Einschränkungen. So gilt in Deutschland ein generelles Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat über alle Anbieter hinweg, das im LUGAS-System überwacht wird.
Zudem ist der maximale Einsatz an Online-Slots auf 1 Euro pro Spin begrenzt, was im Vergleich zum britischen Markt eine massive Hürde darstellt. Wer in Deutschland spielt, sollte zwingend auf die GGL-Whitelist achten. Nur dort gelistete Anbieter besitzen eine deutsche Lizenz und garantieren den Schutz der Spielergelder sowie faire Spielabläufe. Der Streit in England verdeutlicht, wie wichtig eine stabile Regulierung ist, um den legalen Markt nicht an Schwarzmarktanbieter aus Curacao oder Malta zu verlieren, die sich nicht an deutsche Schutzstandards halten.
Was das für GGL-Casinos heißt
Für Betreiber mit GGL-Lizenz ist die Entwicklung in Großbritannien ein Warnsignal. Die Steuerlast ist auch in Deutschland ein zentrales Thema, da hierzulande eine hohe Einsatzsteuer auf Online-Slots und Poker erhoben wird. Deutsche Anbieter müssen ihre Kosten extrem effizient verwalten, um trotz der 1-Euro-Limitierung und der Steuerlast konkurrenzfähig zu bleiben. Die Erfahrung aus UK zeigt, dass regulatorischer Druck und wirtschaftliche Zusatzbelastungen wie Lohnsteigerungen schnell dazu führen können, dass ganze Geschäftszweige unrentabel werden. GGL-lizenzierte Casinos setzen daher verstärkt auf technologische Innovationen und Spielerschutz als Alleinstellungsmerkmal gegenüber dem illegalen Markt.
Häufige Fragen
Warum schließt Betfred 132 Wettbüros in Großbritannien?
Das Unternehmen macht eine Kombination aus steigenden Glücksspielsteuern, Lohninflation, höheren Sozialversicherungsbeiträgen und allgemeiner wirtschaftlicher Unsicherheit für die Schließungen verantwortlich. Betfred-Chefin Jo Whitaker betonte, dass diese Kostenfaktoren den Betrieb von über 10 Prozent der Standorte unrentabel gemacht haben.
Hat das britische Finanzministerium die Steuern für Wettshops tatsächlich erhöht?
Nein, das Finanzministerium widerspricht den Darstellungen von Betfred ausdrücklich. Die Steuersätze für stationäre Wettbüros in den Einkaufsstraßen sind laut Regierungsangaben unverändert geblieben, während Erhöhungen vor allem den Online-Bereich betreffen.
Wie viele Arbeitsplätze sind durch die Schließungen gefährdet?
Betfred-Gründer Fred Done warnte, dass bei einer weiteren Verschärfung der steuerlichen Situation auf bis zu 40 Prozent das gesamte stationäre Geschäft mit rund 7.500 Mitarbeitern vor dem Aus stehen könnte. Aktuell betreibt das Unternehmen noch über 1.200 Filialen.
Welche Steuersätze gelten aktuell für britisches Online-Glücksspiel?
Die Steuer für Online-Casinos (Remote Gaming Duty) wurde im April 2025 von 21 auf 40 Prozent angehoben. Für Sportwetten gilt derzeit eine General Betting Duty von 15 Prozent, die jedoch ab April 2027 auf 25 Prozent steigen soll.
Was sollten deutsche Spieler bei der Anbieterwahl beachten?
Spieler in Deutschland sollten ausschließlich bei Anbietern spielen, die auf der offiziellen Whitelist der GGL stehen. Nur diese Anbieter halten sich an den GlüStV 2021, bieten Spielerschutz durch LUGAS und beachten das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spielrunde.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
Alle Artikel von Lisa Lustich →Quellen & weiterführende Links
- Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL): gluecksspiel-behoerde.de
- Whitelist erlaubter Online-Anbieter: GGL-Whitelist
- BZgA Spielsucht-Hotline: 0800 1 372 700 (kostenlos, anonym, 24/7)
- Redaktionelle Methodik: Redaktionsrichtlinien Lustich.de
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