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Entain kündigt weltweit 500 Stellenstreichungen an und verkauft Teile seiner CEE-Sparte

Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Entain kündigt weltweit 500 Stellenstreichungen an und verkauft Teile seiner CEE-Sparte

Der Glücksspielriese Entain plant, weltweit 500 Stellen abzubauen. Das entspricht etwa zwei Prozent der globalen Belegschaft des Unternehmens, das zugleich Beteiligungen in Osteuropa reduziert, um den Shareholder Value zu maximieren.

Der internationale Glücksspielkonzern Entain hat einen umfassenden Personalabbau angekündigt. Rund 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, das sind etwa zwei Prozent der weltweiten Belegschaft, sollen ihren Arbeitsplatz verlieren. Diese Maßnahme ist Teil einer strategischen Neuausrichtung. Bereiche wie Produktentwicklung, Technologie und die Unternehmensverwaltung sind betroffen. Diese Kürzungen sind nicht an spezielle Märkte oder regulatorische Entwicklungen gebunden.

Gleichzeitig veräußert Entain Teile seiner Aktivitäten in Zentral- und Osteuropa (CEE). Der Konzern wird seinen Anteil an der CEE-Sparte von 67,5 Prozent auf 47,5 Prozent reduzieren. Dies soll bis zum vierten Quartal 2026 abgeschlossen sein.

Zahlen und Fakten

Entain bestätigt die Reduzierung um 500 Stellen. Dies betrifft ungefähr zwei Prozent der globalen Belegschaft. Die Streichungen erfolgen in den Bereichen Produkt, Technologie und bei den Unternehmensfunktionen. Sie sind nicht das Ergebnis spezifischer Markt- oder Regulierungsentwicklungen. Als Grund werden unter anderem weltweit gestiegene Steuerlasten genannt. Im Vereinigten Königreich stieg die Fernglücksspielsteuer im April von 21 auf 40 Prozent.

Zusätzlich zieht sich Entain schrittweise aus seinen CEE-Geschäften zurück. Dazu gehören die Aktivitäten von STS in Polen und SuperSport in Kroatien. Eine erste Veräußerung von 20 Prozent an Entain CEE wurde mit dem Joint-Venture-Partner EMMA Capital vereinbart. Der Unternehmenswert wird dabei mit 2,1 Milliarden Euro bewertet (ca. 1,9 Milliarden Britische Pfund). Die Transaktion soll voraussichtlich im vierten Quartal 2026 abgeschlossen sein, vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen. Nach dieser Transaktion sinkt Entains Beteiligung an Entain CEE von 67,5 Prozent auf 47,5 Prozent. Dadurch entfällt die vollständige Konsolidierung in Entains Finanzberichten. EMMA Capital zahlt 395 Millionen Euro bei Abschluss und eine weitere Zahlung Anfang 2027.

Entain hat seine Prognose für das Geschäftsjahr 2026 angepasst. Das Unternehmen erwartet weiterhin ein Online-NGR-Wachstum von fünf bis sieben Prozent (bei konstanten Wechselkursen und auf vergleichbarer Basis). Die Online-EBITDA-Marge wird nun im Bereich von 21-22 Prozent erwartet, gegenüber der ursprünglichen Prognose von 23-24 Prozent mit Entain CEE. Für das Gesamtjahr 2026 rechnet Entain weiterhin mit einer Gruppe Underlying EBITDA, die den Markterwartungen entspricht. Bis 2028 sollen jährlich rund 500 Millionen Pfund an bereinigtem Cashflow generiert werden.

Ricky Sandler, ein Großaktionär von Entain, hatte die Expansion in Osteuropa kritisiert. „Die kostspielige Expansion nach Osteuropa hat die Aktionäre schon lange gespalten“, merkte er an. Sandler selbst, der zuvor 2,1 Prozent der Anteile hielt, äußerte sich kritisch zur Übernahme von STS. Kurz zuvor, im Mai 2026, reduzierte JPMorgan Chase seine Beteiligung an Entain von über sieben Prozent auf unter drei Prozent.

Hintergrund

Die Umstrukturierungen bei Entain sind vielschichtig. Die Reduzierung der Mitarbeiterzahl ist nicht auf bestimmte Märkte oder regulatorische Entwicklungen zurückzuführen. Vielmehr scheint es eine Reaktion auf gestiegene Kosten und den Wunsch nach operativer Effizienz zu sein. Besonders die Gaming-Steuererhöhungen, wie die im Vereinigten Königreich von 21 auf 40 Prozent im April, belasten die Branche.

Der Rückzug aus dem CEE-Geschäft, insbesondere die Verkaufsabsichten bezüglich STS in Polen und SuperSport in Kroatien, war bereits im Vormonat eingeleitet worden. Diese Entscheidung ist unabhängig von den Stellenstreichungen zu sehen. Die Trennung von EMMA Capital im CEE-Bereich ist auch eine Reaktion auf den Druck von Investoren, die den Wert der Osteuropa-Expansion in Frage stellten. Das Unternehmen will den Aktionärswert maximieren. Diese Verkäufe haben Auswirkungen auf die Finanzprognosen von Entain. Die Online-EBITDA-Marge wird zum Beispiel niedriger angesetzt.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Für deutsche Spieler, die in Deutschland lizenziertes Online-Glücksspiel nutzen, haben diese globalen Umstrukturierungen von Entain nur indirekte Auswirkungen. Entain ist ein großer internationaler Akteur, aber seine Strategieänderungen betreffen vorwiegend Märkte mit anderen regulatorischen Rahmenbedingungen. Der deutsche Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) schafft hierzulande einen klar regulierten Markt.

GGL-lizenzierte deutsche Casinos unterliegen strengen Auflagen. Dazu gehören der Spielerschutz durch LUGAS, ein maximaler Einsatz von einem Euro pro Spin bei Online-Slots und ein monatliches Einzahlungslimit von 1.000 Euro. Diese Maßnahmen sollen Spielsucht vorbeugen und ein sicheres Spielumfeld gewährleisten. Deutsche Spieler sollten immer darauf achten, nur bei Anbietern mit einer gültigen Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) zu spielen. Diese Anbieter sind auf der GGL-Whitelist aufgeführt. Die Maßnahmen von Entain sind ein Beispiel dafür, wie internationale Betreiber auf Kosten und regulatorischen Druck reagieren. Die hiesigen GGL-Vorgaben sind oft strenger als in vielen anderen Ländern, was hierzulande einen sehr fokussierten Markt schafft.

Was das für GGL-Casinos heißt

Die strategischen Anpassungen großer internationaler Konzerne wie Entain können mittelfristig Auswirkungen auf den Wettbewerb im Online-Glücksspielmarkt haben. Wenn sich große Anbieter aus bestimmten Regionen zurückziehen oder ihre Kostenstrukturen anpassen, kann dies zu einer Verschiebung von Marktanteilen führen. Für GGL-Casinos bedeutet dies, dass sie möglicherweise neue Chancen sehen, aber auch weiterhin mit dem Druck der Einhaltung hoher Regulierungsstandards konfrontiert sein werden.

Der deutsche Markt bleibt attraktiv, aber die strengen Regeln des GlüStV 2021, wie das Einzahlungslimit von 1.000 Euro monatlich und das Einsatzlimit von einem Euro pro Spin, sind weiterhin Herausforderungen für jeden Betreiber. Diese Maßnahmen, kombiniert mit dem länderübergreifenden Sperrsystem LUGAS, schaffen ein einzigartiges regulatorisches Umfeld in Deutschland, das sich von internationalen Entwicklungen oft abhebt. Es zeigt, dass deutsche Regulierungen auf Spielerschutz abzielen, auch wenn dies für die Anbieter höhere Betriebskosten bedeutet.

Entain wird am 13. August seine Halbjahresergebnisse für 2026 bekannt geben und weitere Details zur zukünftigen Ausrichtung liefern.

„Als Teil unseres fortlaufenden Bestrebens, die operative Effizienz und Agilität von Entain zu verbessern, haben wir begonnen, organisatorische Veränderungen umzusetzen, die bedauerlicherweise eine Reihe von Positionen im gesamten Konzern in den kommenden Monaten betreffen werden. Diese Veränderungen werden dazu beitragen, Entain zu einem stärkeren, besseren Unternehmen zu machen und sind ein weiterer Beweis für unsere strategische Konzentration auf die Maximierung des Shareholder Value. Wir beraten uns mit allen Betroffenen, um sie in diesem Prozess zu unterstützen.“ – Sprecher von Entain, Unternehmen

Quellen & weiterführende Links

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