WM befeuert Spielsucht: Österreich meldet 300.000 Betroffene

Globaler Sportevents wie die Fußball-Weltmeisterschaft verschärfen in Österreich das Problem der Glücksspielsucht. Rund 300.000 Erwachsene sind betroffen, Tendenz steigend.
Das Anton Proksch Institut in Österreich schlägt Alarm: Internationale Sportveranstaltungen, allen voran die Fußball-Weltmeisterschaft, führen zu einem massiven Anstieg der Problemspieler. Die Berichte zeigen ein besorgniserregendes Bild, denn schon jetzt leiden 300.000 erwachsene Österreicher unter problematischem Spielverhalten. Online-Sportwetten sind dabei ein Katalysator für diese Entwicklung.
Besonderes Augenmerk gilt der Wahrnehmung, dass Sportwetten eher Geschicklichkeit als reines Glück erforderten. Diese Fehleinschätzung senkt die Hemmschwelle erheblich und öffnet Spielern Tür und Tor zum problematischen Glücksspiel. Es ist eine gefährliche Illusion, die viele in den Ruin treibt.
Zahlen und Fakten
Oliver Scheibenbogen, Leiter der Akademie, Forschung und Digitalisierung am Anton Proksch Institut, bestätigte einen "massiven Anstieg" der Anfragen im Zusammenhang mit Sportwetten während der Weltmeisterschaft. Er beobachtet, dass bereits spielende Personen noch intensiver wetten und sogar ehemals abstinente Spieler Rückfälle erleben. Besonders gefährlich sind demnach Kombinationswetten, die den Reiz erhöhen, aber die Gewinnwahrscheinlichkeit drastisch senken. "Es ist sehr unwahrscheinlich zu gewinnen. Und es ist völlig irrelevant, ob man sich im Fußball auskennt oder nicht", warnt Scheibenbogen.
Die Mehrheit der Hilfesuchenden sind Männer, die Frauen um das Vier- bis Fünffache übertreffen. Auffällig ist hierbei die Altersgruppe der 25- bis 28-Jährigen. Patienten, die in der Wiener Klinik des Instituts behandelt werden, weisen durchschnittlich Schulden von 35.000 Euro bis 50.000 Euro auf. In extremen Fällen können die Schulden bis zu 300.000 Euro betragen. Solche finanziellen Belastungen führen oft zu schwerwiegenden psychischen Problemen. Ewald Lochner, Koordinator für Psychiatrie, Sucht- und Drogenfragen in Wien, betont, dass Glücksspielsucht eine ernsthafte psychische Erkrankung ist, die professionelle Hilfe erfordert. Die Stadt Wien bietet hierfür ein Netzwerk an Beratungs- und Behandlungsdiensten an. Die österreichische Regierung hat eine Liberalisierung des Glücksspielmarktes bis spätestens Oktober 2027 angekündigt, was Hoffnungen auf verbesserte Spielerschutzmaßnahmen weckt.
„Während Großereignissen wie der Weltmeisterschaft sind Wetten allgegenwärtig. Diejenigen, die bereits wetten, tun dies noch intensiver. In einigen Fällen erleiden auch Menschen, die bereits abstinent waren, aufgrund solcher Ereignisse Rückfälle.“ - Oliver Scheibenbogen, Leiter der Akademie, Forschung und Digitalisierung am Anton Proksch Institut
Hintergrund
Das Kernproblem liegt in der Normalisierung des Wettens durch die globale Sichtbarkeit und aggressive Marketingstrategien rund um solche Events. Lisa Brunner, Vorsitzende der Österreichischen Arbeitsgemeinschaft Suchtprävention (ARGE Suchtprävention), sieht hierin eine große Gefahr. Sie und Ewald Lochner stellen fest, dass viele Spieler den Einfluss ihres Fachwissens auf die Gewinnchancen überschätzen. Diese "Illusion der Kontrolle" fördert problematisches Spielverhalten.
In Österreich ist Sportwetten, mit Ausnahme von Toto, nicht bundesweit im Glücksspielgesetz geregelt, sondern unterliegt den Ländergesetzen. Dies unterscheidet sich von den meisten anderen EU-Ländern. Die bevorstehende WM hat auch in anderen Ländern wie Frankreich und den Niederlanden zu Warnungen vor einem Anstieg illegaler Wetten und strengeren Vorschriften für Werbung geführt. Die Malta Gaming Authority (MGA) forderte lizenzierte Betreiber auf, die Überwachung verdächtiger Wettaktivitäten zu verstärken.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Die Situation in Österreich spiegelt Besorgnisse wider, die auch in Deutschland existieren. Seit der Implementierung des Glücksspielstaatsvertrags 2021 (GlüStV 2021) hat Deutschland versucht, den Online-Glücksspielmarkt zu regulieren und somit die Spieler zu schützen. Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) lizenziert und überwacht Online-Casino-Anbieter, die auf der sogenannten Whitelist stehen. Diese Lizenzierung ist entscheidend für die Sicherheit deutscher Spieler. Spieler, die sich an GGL-Casinos halten, profitieren von strengen Schutzmaßnahmen. Dazu gehören ein Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin an Spielautomaten und ein monatliches Einzahlungslimit von 1.000 Euro über alle Anbieter hinweg. Das zentrale Spielersperrsystem LUGAS ermöglicht es Risikospielern, sich selbst oder von Dritten sperren zu lassen. Diese Maßnahmen sind elementar, um das Risiko einer Abhängigkeit zu minimieren und finanziellen Ruin zu verhindern. Es zeigt sich, wie wichtig eine strenge Regulierung des Marktes ist. Der Schutz der Spieler muss dabei immer im Vordergrund stehen.
Was das für GGL-Casinos heißt
Für Online-Casinos mit GGL-Lizenz bedeutet die österreichische Entwicklung eine Bestätigung des eigenen Weges. Die strengen Auflagen des deutschen GlüStV 2021, wie zum Beispiel die Einsatz- und Einzahlungslimits, dienen genau dem Zweck, exzessives Spielverhalten zu unterbinden. Während in Österreich die Liberalisierung Hoffnungen auf besseren Spielerschutz weckt, ist Deutschland in dieser Hinsicht bereits weiter. GGL-Casinos müssen auch auf präventive Maßnahmen achten, um problematisches Glücksspiel frühzeitig zu erkennen. Die Möglichkeit zur Selbstsperre über LUGAS ist ein mächtiges Werkzeug, das in einem liberalisierten, aber unregulierten Markt oft fehlt. Transparenz bei Gewinnchancen und die Aufklärung über die Risiken von Glücksspiel sind für lizenzierte Anbieter unerlässlich. Wer in Deutschland legal spielt, hat somit deutlich mehr Sicherheit und Schutz vor den schlimmsten Auswüchsen der Spielsucht.
Quellen & weiterführende Links
- Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL): gluecksspiel-behoerde.de
- Whitelist erlaubter Online-Anbieter: GGL-Whitelist
- BZgA Spielsucht-Hotline: 0800 1 372 700 (kostenlos, anonym, 24/7)
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