Niederländischer Gerichtshof schränkt Rückforderungen für Glücksspielverluste ein

Der Oberste Gerichtshof der Niederlande hat entschieden, dass Verluste bei illegalen Online-Casinos nicht automatisch zurückgefordert werden können. Dies betrifft potenziell Hunderttausende Spieler und Hunderte Millionen Euro an Spielgeldern.
Spieler in den Niederlanden müssen einen herben Rückschlag hinnehmen. Der Oberste Gerichtshof der Niederlande hat kürzlich ein Urteil gefällt, das die Möglichkeit stark einschränkt, Verluste aus illegalem Online-Glücksspiel zurückzufordern. Die Entscheidung betrifft eine Vielzahl von Fällen und könnte weitreichende Folgen für die gesamte Branche haben.
Gerade für deutsche Spieler, die mit ähnlichen Rechtsfragen kämpfen, ist dieses Urteil von Bedeutung. Es verdeutlicht die Komplexität der Rechtslage. Und es zeigt, wie unterschiedlich europäische Länder mit dem Thema umgehen.
Zahlen und Fakten
Das Urteil des Obersten Gerichtshofs der Niederlande vom 3. Juli 2026 besagt, dass Verträge zwischen Spielern und illegalen Online-Glücksspielanbietern nicht per se ungültig sind. Das bedeutet, Spieler können ihre Verluste nicht mehr automatisch zurückfordern. Zuvor hatten viele Spieler rechtliche Schritte eingeleitet, um ihr verlorenes Geld von nicht lizenzierten Online-Casinos wie Unibet, Bwin und PokerStars zurückzuerhalten. Sie argumentierten, dass Glücksspielvereinbarungen, die vor der Regulierung im Oktober 2021 getroffen wurden, ungültig seien. Der Generalanwalt hatte diese Ansicht bereits in Frage gestellt. Er kam zu dem Schluss, dass solche Vereinbarungen nicht allein deshalb nichtig sind, weil den Betreibern eine niederländische Lizenz fehlte.
Benzi Loonstein, ein Rechtsanwalt, schätzt, dass dieses Thema Hunderttausende von Spielern in den Niederlanden betreffen könnte. Es geht um Hunderte Millionen Euro an verlorenen Spielgeldern. Trotz dieser Einschränkung lässt das Gericht die Tür für individuelle Rückforderungen offen. Es lässt die Möglichkeit zu, dass Vereinbarungen unter bestimmten Umständen annulliert werden können. Zum Beispiel wegen eines Irrtums oder aufgrund eines Anspruchs auf Schadensersatz bei einer unerlaubten Handlung.
Hintergrund
Die Niederlande haben, ähnlich wie Deutschland, erst vor wenigen Jahren ihren Online-Glücksspielmarkt reguliert. Bis Oktober 2021 war es illegal, Online-Glücksspiele ohne niederländische Lizenz anzubieten. In dieser Übergangsphase operierten viele ausländische Anbieter auf dem Markt. Ihre Dienste waren für niederländische Spieler zugänglich. Dies führte zu einer Grauzone, in der viele Spieler ihr Geld verloren. Sie hofften auf eine nachträgliche Erstattung.
Die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs folgt auf Anfragen von Gerichten. Diese baten um Klärung, ob Verträge mit nicht lizenzierten Glücksspiel-Websites automatisch ungültig seien. Das Urteil ist ein bedeutender Präzedenzfall. Es wird voraussichtlich die Landschaft für ähnliche Klagen in den Niederlanden stark beeinflussen und die rechtliche Position vieler Spieler schwächen.
Interessanterweise steht die niederländische Entscheidung im Kontrast zu einem aktuellen Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH). Der EuGH entschied am Donnerstag, dass Spieler, wenn Online-Glücksspiel in ihrem Heimatland zum Zeitpunkt der Einsätze illegal war, den Betreiber auf Rückerstattung ihrer Verluste verklagen können. Dies betrifft zum Beispiel Fälle in Deutschland vor der Einführung des GlüStV 2021. Allerdings erlaubt der EuGH den Mitgliedstaaten, Glücksspiele individuell zu verbieten oder einzuschränken. Also auch wenn EU-Recht dies grundsätzlich zulässt.
„Diese Entscheidung schließt nicht aus, dass solche Vereinbarungen unter bestimmten Umständen, beispielsweise aufgrund eines Irrtums, oder in Bezug auf einen Schadensersatzanspruch wegen einer unerlaubten Handlung, aufgehoben werden können.“ - Benzi Loonstein, Rechtsanwalt
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Spieler ist die Lage etwas anders. Der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) hat einen regulierten Rahmen geschaffen. Das bedeutet, dass Online-Casinos mit einer deutschen Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) legal sind. Spieler, die bei solchen Anbietern spielen, können keine Rückforderungen stellen, da die Spiele legal sind.
Anders sieht es aus, wenn ein Spieler vor dem Inkrafttreten des GlüStV 2021 oder bei einem nicht-lizenzierten Anbieter gespielt hat. Hier hat der EuGH deutschen Spielern den Rücken gestärkt. Sie können ihre Verluste zurückfordern, wenn das Glücksspiel zum Zeitpunkt der Einsätze in Deutschland illegal war. Das ist ein wichtiger Unterschied zur niederländischen Rechtsprechung.
Deutsche Spieler, die Verluste von nicht-lizenzierten Anbietern zurückfordern möchten, sollten sich anwaltlich beraten lassen. Es gibt spezialisierte Kanzleien. Diese helfen bei der Durchsetzung solcher Ansprüche. Die GGL führt eine Whitelist mit allen legalen Anbietern, auf der sich Spieler informieren können. Nur diese Casinos unterliegen strikten Regeln wie dem 1-Euro-Einsatzlimit pro Spin oder dem monatlichen Einzahlungslimit von 1.000 Euro. Zudem sind sie an LUGAS, das länderübergreifende Glücksspielaufsichtssystem, angebunden. Dies dient dem Spielerschutz und der Prävention von Spielsucht.
Was das für GGL-Casinos heißt
Für die legalen GGL-lizenzierten Casinos in Deutschland hat das niederländische Urteil keine direkten Auswirkungen. Sie operieren in einem klar regulierten Umfeld. Das gibt ihnen und ihren Spielern Rechtssicherheit. Es ist wichtig für die GGL-Anbieter, weiterhin alle Auflagen des GlüStV 2021 strikt einzuhalten. Dazu gehört auch der Schutz der Spieler.
Das Urteil unterstreicht aber auch den Wert einer klaren und stabilen Regulierung. Für Anbieter außerhalb der Whitelist bleibt das Risiko von Rückforderungsklagen bestehen. Gerade im deutschen Kontext mit dem EuGH-Urteil. Die GGL setzt sich weiterhin für eine strenge Einhaltung der Vorschriften ein. Das ist gut für den Spielerschutz in Deutschland und schafft Vertrauen bei den Spielern. Illegale Anbieter haben weiterhin Schwierigkeiten. Die GGL arbeitet daran, den Markt sauber zu halten.
Quellen & weiterführende Links
- Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL): gluecksspiel-behoerde.de
- Whitelist erlaubter Online-Anbieter: GGL-Whitelist
- BZgA Spielsucht-Hotline: 0800 1 372 700 (kostenlos, anonym, 24/7)
- Redaktionelle Methodik: Redaktionsrichtlinien Lustich.de
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