Sri Lanka wird zum neuen Hub für ehemalige philippinische POGOs
KI-GENERIERTNach dem Verbot auf den Philippinen ziehen Online-Glücksspielanbieter massiv nach Sri Lanka um. Über 1.000 Festnahmen markieren den Beginn einer neuen regulatorischen Ära.
Die globale Landkarte des Online-Glücksspiels verschiebt sich spürbar nach Westen. Während die Philippinen mit harter Hand gegen ihre einst florierenden Offshore-Glücksspielbetreiber, die sogenannten POGOs, vorgegangen sind, hat sich in Sri Lanka ein neues Ziel für diese milliardenschwere Industrie aufgetan. Insbesondere die Port City Special Economic Zone in Colombo scheint sich zu einem Magneten für Syndikate zu entwickeln, die von dort aus Märkte in ganz Asien und darüber hinaus bedienen wollen. Dabei geht es nicht nur um einfache Casino-Seiten, sondern um komplexe Netzwerke, die teils tief in die Grauzone der Cyberkriminalität hineinreichen.
Die Anzeichen für diese Wanderungsbewegung sind überdeutlich. In den Hochhäusern von Colombo, speziell in den Stadtteilen Fort, Town Hall und Havelock City, haben sich regelrechte Hubs für das Online-Gaming etabliert. Diese Firmen nutzen oft den Status von Business Process Outsourcing (BPO) Unternehmen, die vom Board of Investment genehmigt wurden, um legalen Schutz für ihre eigentlich regulatorisch fragwürdigen Aktivitäten zu suchen. Es ist ein Katz-und-Maus-Spiel mit den lokalen Behörden, das durch die schiere Größe der beteiligten Gruppen erschwert wird.
Zahlen und Fakten
Die Dimensionen dieser illegalen oder zumindest unregulierten Verschiebung lassen sich an den jüngsten Polizeieinsätzen ablesen. Seit Beginn des Jahres 2026 gab es in Sri Lanka mehr als 1.000 Festnahmen von Ausländern, die in Cyberkriminalität verwickelt waren. Die Mehrheit der Verhafteten stammt aus China, Vietnam und Indien. Diese Personen arbeiteten oft ohne gültige Arbeitserlaubnis für Netzwerke, die gezielt Märkte ins Visier nehmen, in denen Online-Glücksspiel streng verboten oder stark eingeschränkt ist. Ein prominentes Beispiel sind die Netzwerke KJC und P3Bet, die von Sri Lanka aus den vietnamesischen Markt bearbeiten. Auch die King Group, die im Juli Ziel einer vietnamesischen Razzia war, soll aktiv Personal für Standorte in Sri Lanka rekrutiert haben.
Finanziell und organisatorisch sind diese Gruppen extrem anpassungsfähig. Sie werben gezielt ehemalige POGO-Mitarbeiter aus den Philippinen, Kambodscha und Vietnam an. Die Versprechen sind Stabilität und ein sicheres Umfeld in der Port City von Colombo. Dabei wird oft verschwiegen, dass Sri Lanka selbst gerade an einer Verschärfung der Gesetze arbeitet. Das Gesetz über die Glücksspielregulierungsbehörde (Gambling Regulatory Authority Act) trat bereits am 1. Dezember 2025 in Kraft. Es soll sowohl landbasierte als auch digitale Glücksspiele abdecken, doch die konkreten Durchführungsverordnungen lassen auf sich warten. Diese Lücke nutzen die Betreiber aktuell schamlos aus.
Hintergrund
Der Druck auf die Branche in Ost- und Südostasien ist massiv gewachsen. China arbeitet inzwischen eng mit der Regierung in Colombo zusammen, um den grenzüberschreitenden Betrug und das illegale Glücksspiel einzudämmen. Die philippinische Regierung unter Präsident Marcos Jr. hat den POGOs den Kampf angesagt, was zu einem massiven Kapital- und Personalabfluss geführt hat. Sri Lanka, das dringend ausländische Investitionen benötigt, steht nun vor dem Dilemma, wirtschaftliches Wachstum in der Port City zu generieren, ohne zum neuen Zentrum für kriminelle Glücksspiel-Syndikate zu werden.
Der stellvertretende Minister für digitale Wirtschaft, Eranga Weeraratne, stellte klar, dass die neuen Regeln ausnahmslos gelten werden.
„Die geplanten Glücksspielregulierungen Sri Lankas werden im ganzen Land Anwendung finden, einschließlich der Port City.“ - Eranga Weeraratne, Stellvertretender Minister für digitale Wirtschaft
Diese Aussage zeigt, dass die Regierung den Ernst der Lage erkannt hat. Man stehe im engen Austausch mit Thailand und Kambodscha, um von deren Erfahrungen im Umgang mit den Gaming-Syndikaten zu lernen. Besonders kritisch wird gesehen, dass lokale IT-Firmen den Betreibern dabei helfen, Visa und Arbeitsgenehmigungen unter dem Deckmantel legaler Technologie-Dienstleistungen zu erschleichen.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Spieler ist diese Entwicklung eine wichtige Warnung. Wenn Anbieter aus Regionen wie den Philippinen nach Sri Lanka flüchten, geschieht dies oft, um sich staatlicher Kontrolle zu entziehen. Solche Portale verfügen in der Regel über keine Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL). Wer dort spielt, begibt sich auf rechtliches Glatteis. In Deutschland gilt der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021), der klare Regeln vorgibt: Einzahlungslimits von 1.000 Euro pro Monat über das LUGAS-System, ein Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin an virtuellen Automaten und der Anschluss an die Sperrdatei OASIS. Anbieter, die von Sri Lanka aus operieren, ignorieren diese Spielerschutzmaßnahmen meist komplett.
Ein Spiel bei solchen Anbietern ist in Deutschland illegal. Da diese Firmen keinen Sitz in der EU haben und oft über komplexe BPO-Strukturen in Asien verschleiert werden, haben Kunden bei Streitigkeiten oder verweigerten Auszahlungen keinerlei rechtliche Handhabe. Deutsche Banken sind zudem verpflichtet, Zahlungen an solche illegalen Anbieter zu blockieren. Es besteht also das Risiko, dass Gewinne eingefroren werden oder der eigene Account aufgrund von Geldwäscheverdacht gesperrt wird. Die Sicherheit, die eine deutsche Lizenz bietet, ist durch nichts zu ersetzen.
Was das für GGL-Casinos heißt
Legale deutsche Casinos mit GGL-Lizenz stehen vor der Herausforderung, mit diesen unregulierten Schwarzmarkt-Riesen zu konkurrieren. Während GGL-Anbieter Steuern zahlen und hohe Auflagen zum Jugendschutz erfüllen müssen, können die Netzwerke aus der Port City in Colombo mit aggressiven Boni und ohne Limits werben. Für die deutsche Branche bedeutet das: Aufklärung ist wichtiger denn je. Seriöse Betreiber müssen den Mehrwert der Sicherheit und des fairen Spiels betonen, um Spieler nicht an die zwielichtigen Offshore-Anbieter zu verlieren. Die internationale Kooperation der Behörden, wie sie Sri Lanka jetzt mit China und Thailand anstrebt, ist langfristig der einzige Weg, um den globalen Schwarzmarkt effektiv auszutrocknen und den legalen Markt in Deutschland zu schützen.
Häufige Fragen
Warum ziehen Online-Glücksspielanbieter von den Philippinen nach Sri Lanka?
Die philippinische Regierung hat ein umfassendes Verbot für Offshore-Glücksspielbetreiber (POGOs) erlassen. Sri Lanka, insbesondere die Sonderwirtschaftszone Port City in Colombo, bietet diesen Firmen derzeit noch eine regulatorische Lücke und eine Infrastruktur, die für internationale Märkte attraktiv ist.
Welche Risiken bestehen für Mitarbeiter in diesem Sektor in Sri Lanka?
Viele Arbeiter aus Ländern wie China oder Vietnam werden ohne gültige Arbeitsgenehmigung beschäftigt. Seit Anfang 2026 wurden bereits über 1.000 Personen wegen Verwicklungen in Cyberkriminalität festgenommen, da die Behörden verstärkt gegen illegale Netzwerke vorgehen.
Wann tritt die neue Glücksspielregulierung in Sri Lanka in Kraft?
Der Gambling Regulatory Authority Act trat offiziell am 1. Dezember 2025 in Kraft. Allerdings gibt es derzeit noch Verzögerungen bei der Umsetzung der spezifischen Vorschriften, die sowohl das landbasierte als auch das digitale Glücksspiel kontrollieren sollen.
Sind Anbieter aus Sri Lanka für deutsche Spieler sicher?
Nein, Anbieter, die aus Sri Lanka oder anderen asiatischen Offshore-Zonen operieren, besitzen keine deutsche GGL-Lizenz. Damit fehlen wichtige Schutzmechanismen wie Einsatzlimits oder der Anschluss an das Sperrsystem OASIS, zudem sind Ein- und Auszahlungen rechtlich nicht abgesichert.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
Alle Artikel von Lisa Lustich →Quellen & weiterführende Links
- Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL): gluecksspiel-behoerde.de
- Whitelist erlaubter Online-Anbieter: GGL-Whitelist
- BZgA Spielsucht-Hotline: 0800 1 372 700 (kostenlos, anonym, 24/7)
- Redaktionelle Methodik: Redaktionsrichtlinien Lustich.de
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