Rio de Janeiro verbietet Glücksspielwerbung im öffentlichen Raum

Rio de Janeiro hat per Dekret ein weitreichendes Verbot von Glücksspielwerbung im öffentlichen Raum erlassen, das ab dem 13. Juli 2026 gilt und alle Arten von Außenwerbung in der Stadt umfasst.
Die brasilianische Metropole Rio de Janeiro geht drastisch gegen die Werbung für Sportwetten und Glücksspiel vor. Mit dem Dekret Nr. 58.274 wurde ein umfassendes Verbot für öffentliche Werbung erlassen. Dieses Verbot tritt am 13. Juli 2026 in Kraft. Der Bürgermeister von Rio de Janeiro, Eduardo Cavaliere, bezeichnete Wetten als eine „Plage“.
Das Verbot betrifft alle Formen der Außenwerbung für Online-Wettseiten. Dazu gehören beispielsweise Stadtmöbel, Plakatwände und Banner. Es gilt ebenso für alle Orte, die eine städtische Lizenz oder Genehmigung erfordern. Betroffen sind auch Veranstaltungen, die von der Stadtverwaltung organisiert werden. Dort dürfen fortan keine Wettanbieter mehr als Sponsoren auftreten.
Zahlen und Fakten
Das Dekret Nr. 58.274 ist offiziell in Kraft, und die Behörden begannen sofort mit der Durchsetzung. Bestehende Werbeanzeigen wurden bereits entfernt, um das Verbot umzusetzen. Rio de Janeiro ist die erste brasilianische Landeshauptstadt, die eine solch umfassende Beschränkung einführt. An der U-Bahn-Station Siqueira Campos in Copacabana wurden Plakatwände von Wettanbietern bereits durch städtische Banner ersetzt. Diese Banner warnten vor den Risiken des Glücksspiels, darunter Sucht und Schulden. Das jüngste Vorgehen in Rio de Janeiro folgt zwei bundesweiten Verordnungen, Nr. 73 und Nr. 1.964. Diese wurden drei Tage zuvor veröffentlicht und verschärfen die Regeln für Glücksspielwerbung in ganz Brasilien. Die Verordnung Nr. 73 verbietet Anzeigen, die Wetten als Investition oder Lösung für finanzielle Probleme darstellen. Auch Analysen, die Zuschauer während Live-Events zu sofortigen Wetten animieren könnten, sind untersagt. Verordnung Nr. 1.964 schreibt verpflichtende Warnhinweise vor, etwa „Wetten sind keine Investition“ oder „Wetten lassen Sie Geld verlieren“. Senator Carlos Portinho, Berichterstatter eines Gesetzesentwurfs, kritisierte die aktuellen Vorschriften als „wenig ergiebig“ und sprach von einer „massiven und auf Menschen abzielenden Werbung, die oft nicht einmal die Zielgruppe ist, wie Kinder“. Die Sekretariat der Preise und Wetten (SPA) hatte bereits im vergangenen Jahr Richtlinien für verantwortungsvolle Werbung eingeführt. Diese verbieten es Influencern und Prominenten, Glücksspiel als Weg zu sozialem oder finanziellem Erfolg darzustellen. Trotzdem sieht Thiago Henrique Cunha Basílio, ein öffentlicher Verteidiger in Rio de Janeiro, die aktuellen Regeln als unzureichend an. Er kritisiert, dass ein einfacher Hinweis wie „Spiele verantwortungsvoll“ die individuelle Verantwortung zu sehr auf den Spieler abwälzt. Im Gegensatz dazu betonte Alexandre Fonseca, CEO von SuperBet Brazil, dass der Fokus auf dem illegalen Markt liegen sollte. Er sprach von etwa 20.000 illegalen Websites, die derzeit in Brasilien operieren.
Hintergrund
Das Vorgehen in Rio de Janeiro spiegelt eine wachsende Besorgnis über die sozialen Auswirkungen von Glücksspiel wider. Bürgermeister Cavaliere äußerte sich dazu sehr deutlich:
„Wetten sind eine Plage, und wir haben beschlossen, Rio zum nationalen Beispiel bei der Bekämpfung der Wettplage zu machen. Diese Entscheidung richtet sich nicht gegen diejenigen, die aus eigener Wahl eine Wette platzieren. Sie richtet sich gegen eine Industrie, die angefangen hat, Straßen, Alleen, Bushaltestellen und andere öffentliche Räume zu besetzen, um ein Verhalten zu fördern, das zu Schulden, Sucht und der Zerstörung von Familien führen kann.“ - Eduardo Cavaliere, Bürgermeister von Rio de Janeiro
Diese Aussage unterstreicht den Fokus auf Spielerschutz und die Abkehr von einer ungezügelten Werbekultur. Das Verbot ist eine Reaktion auf die weite Verbreitung von Wettwerbung. Diese hat sich in den letzten Jahren im Stadtbild Brasiliens stark ausgebreitet. Die Maßnahmen in Rio de Janeiro gehen über die bundesweiten Richtlinien hinaus. Sie zeigen einen klaren Willen, lokale Probleme eigenständig anzugehen. Das brasilianische Sportkomitee (CEsp) debattierte bereits über zwei Gesetzesentwürfe, die die Werbebeschränkungen weiter verschärfen könnten. Einer dieser Entwürfe, PL 2.985/2023, sieht ein umfassendes Werbeverbot für alle Kanäle vor. Der andere, PL 3.405/2023, verbietet Werbung mit Sportlern und Prominenten.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Spieler bedeutet das, dass sich die Glücksspiellandschaft in anderen Ländern ebenfalls stark verändert. Die Entwicklungen in Brasilien zeigen, dass der Spielerschutz weltweit immer mehr in den Fokus rückt. Auch in Deutschland gibt es strenge Regeln. Der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) hat hierzulande die gesamte Branche neu geregelt. Online-Glücksspiel ist nur bei Anbietern erlaubt, die über eine deutsche Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) verfügen. Diese findet man auf der sogenannten GGL-Whitelist. Anbieter ohne eine solche Lizenz agieren illegal auf dem deutschen Markt. Deutsche Spieler müssen sich an strenge Limits halten. Dazu gehört ein Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin bei Spielautomaten. Zudem gibt es ein monatliches Einzahlungslimit von 1.000 Euro für alle Online-Casinos eines Spielers. Das LUGAS-System, ein länderübergreifendes Glücksspielaufsichtssystem, überwacht diese Limits zentral. Dadurch soll übermäßiges Spielen verhindert und der Spielerschutz verbessert werden. In Deutschland gibt es keine derartige Außenwerbung für Glücksspiel wie sie in Rio de Janeiro kritisiert wurde. Dennoch ist der Fokus auf den Spielerschutz auch hier präsent. Die GGL überwacht die Einhaltung der Regeln sehr genau. Spieler sollten immer darauf achten, nur bei GGL-lizenzierten Anbietern zu spielen.
Was das für GGL-Casinos heißt
Die Entwicklungen in Brasilien haben keine direkten Auswirkungen auf die Geschäftstätigkeit von GGL-lizenzierten Casinos in Deutschland. Die deutschen Vorschriften sind bereits sehr spezifisch und streng. Sie sollen den deutschen Glücksspielmarkt regulieren und den Spielerschutz gewährleisten. Die GGL hat klare Regeln für Marketing und Werbung. Diese sind darauf ausgelegt, Minderjährige und gefährdete Personen zu schützen. Werbungen dürfen beispielsweise keine übertriebenen Gewinnchancen versprechen. Außerdem müssen sie immer auf die Risiken des Glücksspiels hinweisen. Aggressive oder irreführende Werbung ist verboten. Die Notwendigkeit eines verantwortungsvollen Umgangs mit Glücksspiel wird auch in Deutschland von den Aufsichtsbehörden stark betont. Die strengen Lizenzauflagen der GGL sorgen dafür, dass verantwortungsvolles Spielen im Vordergrund steht. Das brasilianische Beispiel zeigt jedoch einen globalen Trend auf: Regierungen und Behörden sind zunehmend bereit, hart durchzugreifen, wenn sie das Gefühl haben, dass die Glücksspielindustrie ihre Grenzen überschreitet. Dies könnte auch in Deutschland zu einer fortlaufenden Prüfung und gegebenenfalls Anpassung der bestehenden Werberichtlinien führen. Bisher gibt es aber keine Anzeichen dafür, dass die GGL öffentliche Werbung in ähnlicher Weise wie in Rio de Janeiro verbieten wird.
Quellen & weiterführende Links
- Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL): gluecksspiel-behoerde.de
- Whitelist erlaubter Online-Anbieter: GGL-Whitelist
- BZgA Spielsucht-Hotline: 0800 1 372 700 (kostenlos, anonym, 24/7)
- Redaktionelle Methodik: Redaktionsrichtlinien Lustich.de
Glücksspiel kann süchtig machen. Spielen Sie verantwortungsbewusst. Hilfe und Beratung unter 0800 1 372 700 (BZgA, kostenlos & anonym).





