Ohio plant Online-Sportwetten-Verbot: Scharfe Kritik an "räuberischen" Praktiken

Vertreter des Bundesstaates Ohio führen den "Save Ohio Sports Act" ein. Dieser Gesetzesentwurf würde Online-Sportwetten eliminieren und könnte dem Bundesstaat über 200 Millionen US-Dollar an Steuereinnahmen kosten.
In Ohio braut sich ein Sturm zusammen. Zwei Abgeordnete des Bundesstaates, Johnathan Newman (R-Troy) und Beth Lear (R-Galena), haben am 8. Juli 2026 den sogenannten "Save Ohio Sports Act" vorgestellt. Dieser Entwurf schlägt eine drastische Reform der Sportwetten vor: Online-Wetten sollen verboten werden, während stationäre Sportwetten nur unter strengen Auflagen erlaubt blieben. Die Initiative zielt darauf ab, "manipulative Wettformate" und alle Wetten auf College-Sportarten zu unterbinden.
Representative Newman kritisierte scharf, dass die Legalisierung von Online-Sportwetten in Ohio zur "Monetarisierung von Sucht" führe. Er betonte, dass nicht die Schulen oder das öffentliche Wohl davon profitierten, sondern "die Billionen-Dollar-Glücksspielunternehmen". Seine Kollegin Lear fügte hinzu, Glücksspiel sei "die Sucht Nummer eins, die zu Suizid führt". Sie prangerte aggressive Kampagnen von Online-Glücksspielunternehmen an. Diese würden versuchen, "ihre Gewinne auf dem Rücken der Bürger Ohios" zu steigern. Ihr Fazit ist klar: Die körperliche und geistige Gesundheit der Kinder Ohios stehe nicht zum Verkauf.
Zahlen und Fakten
Dieser umfassende Gesetzesentwurf enthält neun Maßnahmen. Fünf konzentrieren sich auf den Verbraucherschutz. Vier weitere Maßnahmen befassen sich mit der Integrität des Sports. Das Paket umfasst Einschränkungen für Wetten auf 100 US-Dollar, sowie neue Regeln für Werbung und Zahlungsmethoden. Online-Sportwetten, Mehrfachwetten (Parlays), Prop-Wetten und Live-Wetten sollen komplett verboten werden.
Die Kosten eines solchen Schrittes wären erheblich. Ein Verbot könnte den Bundesstaat über 200 Millionen US-Dollar an Steuereinnahmen kosten. Dieses Geld fließt derzeit in Bildung und Dienste zur Bekämpfung der Glücksspielsucht. Doch Abgeordnete wie Riordan McClain (R-Upper Sandusky), Gary Click (R-Vickery) und Johnathan Newman sehen die gesellschaftlichen Kosten und Fragen der Sportintegrität als dringender an. McClain äußerte sich zur Integrität des Sports:
„Als Fan möchte ich hochbegabte Einzelpersonen und Teams auf höchstem Niveau antreten sehen. Ich möchte wissen, dass das Ergebnis auf dem Spielfeld entschieden wird, nicht durch die Glücksspielmärkte.“ - Riordan McClain, Abgeordneter (R-Upper Sandusky)
Das Center for Christian Virtue, eine religiöse Organisation für öffentliche Politik, hat diese Gesetzgebung stark unterstützt. Aaron Baer, der Präsident des CCV, verglich die Suchtgefahr von Sportwetten mit Rauschmitteln. Er sah Bonusangebote der Sportwettanbieter als "Gratismuster" von Drogendealern.
Hintergrund
Die Diskussion in Ohio zeigt einen bemerkenswerten Meinungsumschwung. Vor etwas über drei Jahren wurden Online-Sportwetten im Bundesstaat legalisiert. Nun streben einige Gesetzgeber eine 180-Grad-Wende an. Gouverneur Mike DeWine hatte bereits letztes Jahr sein Bedauern über die Legalisierung geäußert. Der Gesetzesvorschlag sieht vor, dass Sportwetten weiterhin an den vier stationären Casinos des Staates platziert werden könnten. Dort würden jedoch strenge Grenzen gelten.
Abgeordneter Gary Click betonte, dass man den Wunsch der Bevölkerung nach einer Form des legalisierten Glücksspiels verstehe. "Wir entfernen das nicht", sagte er. Aber die Menschen wollten auch Verbraucherschutz. Sie wollten vor "räuberischen Werbeformen und räuberischem Glücksspiel" geschützt werden. Der Ausspruch "Das Haus gewinnt immer" verdeutliche dies.
Ein weiteres aktuelles Thema in Ohio sind die sogenannten "Prediction Markets". Laut Senator Bill DeMora (D-Columbus) sollten diese wie Sportwetten reguliert und besteuert werden. Er reichte den Senatsentwurf 430 ein. Dieser würde solche Märkte dazu zwingen, eine staatliche Lizenz zu erwerben und Steuern zu zahlen, falls der Oberste Gerichtshof der USA zugunsten der Betreiber entscheidet. DeMora nannte den großen US-Anbieter Kalshi "einen Betrug". Er ist der Meinung, dass diese "Wetten auf Sportereignisse" annehmen und daher reguliert werden müssen wie andere Sportwettenanbieter. Die Ohio Casino Control Commission hat bereits eine Geldstrafe von 5 Millionen US-Dollar gegen Anbieter aus New York verhängt, die ohne Lizenz Sportwetten im Bundesstaat angeboten hatten.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Die Entwicklungen in Ohio zeigen, wie schnell sich die politische Einstellung zum Online-Glücksspiel ändern kann. In Deutschland haben wir seit dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) eine vergleichsweise strenge Regulierung. Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) ist für die Lizenzierung und Aufsicht zuständig. Nur Casinos auf der White List der GGL sind hierzulande legal.
Für deutsche Spieler bedeutet das: Sicherheit durch Regulierung. Es gibt klare Regeln bezüglich Spielerschutz. Dazu gehören das Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat und ein Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin bei Automatenspielen. Das zentrale Sperrsystem LUGAS ist ein weiteres wichtiges Instrument zum Schutz vor Spielsucht. Diese Maßnahmen sind strenger als in vielen anderen Ländern. Ein umfassendes Verbot von Online-Glücksspielen wie in Ohio wird in Deutschland nicht erwartet. Dennoch ist es wichtig, nur bei lizenzierten Anbietern zu spielen. Das schützt vor illegalen Angeboten und deren Risiken.
Was das für GGL-Casinos heißt
Für Casinos mit einer GGL-Lizenz in Deutschland ändert sich durch die Nachrichten aus Ohio direkt nichts. Sie agieren bereits unter einem strikten Regulierungsrahmen. Der Fokus liegt hier auf Spielerschutz und der Bekämpfung von illegalem Glücksspiel. Einzahlungs- und Einsatzlimits sind fest verankert. Die deutschen Lizenzauflagen sind einige der höchsten weltweit. Das Beispiel Ohio könnte jedoch in der Zukunft als Argument für noch strengere Maßnahmen in anderen Ländern dienen. Dies würde den Druck auf Online-Glücksspielanbieter weltweit erhöhen. Deutsche Anbieter müssen sich weiterhin an die strengen Vorgaben halten, um ihre Lizenzen zu behalten. Das schützt den Markt und die Spieler.
Quellen & weiterführende Links
- Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL): gluecksspiel-behoerde.de
- Whitelist erlaubter Online-Anbieter: GGL-Whitelist
- BZgA Spielsucht-Hotline: 0800 1 372 700 (kostenlos, anonym, 24/7)
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