Gesetzentwurf in den USA: Gesichtserkennung gegen Minderjährige beim Online-Glücksspiel

Ein parteiübergreifender Gesetzentwurf in den USA schlägt die Einführung von Gesichtserkennung für Online-Sportwetten und Prognosemärkte vor, um Minderjährige zu schützen. Dies, nachdem 36% der Jungen zwischen 11 und 17 Jahren im letzten Jahr Glücksspiele nutzten.
In den Vereinigten Staaten bahnt sich eine mögliche Gesetzesänderung an, die den Schutz Minderjähriger vor Online-Glücksspielen und Prognosemärkten stärken soll. Der parteiübergreifende Vorschlag, unterstützt vom Prognosemarktbetreiber Kalshi, fordert den Einsatz von Gesichtserkennungstechnologie zur Altersüberprüfung von Nutzern. Dieser Schritt kommt zu einer Zeit, in der Prognosemärkte verstärkt wegen der Teilnahme Minderjähriger und mangelnder Bundesstandards in der Kritik stehen.
Der Abgeordnete Josh Gottheimer, Demokrat aus New Jersey, hat die Gesetzgebung am Mittwoch eingebracht. Sie würde Online-Sportwettenanbieter und Prognosemärkte verpflichten, Gesichtserkennungstechnologien zu verwenden. Diese müssten das Alter der Nutzer schätzen, bevor diese Wetten platzieren oder Trades ausführen können. Gottheimers Büro betont, dass die Technologie dabei keine Identitäten oder biometrischen Daten speichern würde.
Zahlen und Fakten
Unter den Unterstützern des Gesetzesentwurfs, dem "Facial Recognition to Protect Children Act", sind neben Kalshi auch die Elternrechtsgruppe ParentsRISE sowie eine Reihe von Abgeordneten aus beiden Parteien, darunter Jeff Van Drew, Nick LaLota und Kristen McDonald Rivet. Gottheimer äußerte sich besorgt über die aktuelle Situation:
„Wir bitten unsere Kinder, sich selbst ihren Weg durch ein System zu bahnen, das vollständig auf dem Ehrenkodex aufgebaut ist. Ein Kind kann sich in den Account der Eltern, eines älteren Geschwisters oder eines Freundes einloggen und eine Wette platzieren, ganz ohne Verifizierung.“ - Josh Gottheimer, Abgeordneter aus New Jersey
Das Büro des Abgeordneten Gottheimer verweist auf die rasante Ausbreitung von Sportwetten und die damit verbundenen Bedenken hinsichtlich des Minderjährigenschutzes. Eine Studie von Common Sense Media ergab, dass 36% der Jungen im Alter von 11 bis 17 Jahren im letzten Jahr an Glücksspielen teilnahmen. In Bundesstaaten wie Iowa und Tennessee gab es zunehmende Berichte über Wetten von Minderjährigen. In Tennessee meldeten Sportwettenanbieter im Jahr 2024 über 400 Konten Minderjähriger, ein deutlicher Anstieg gegenüber etwa 100 im Jahr 2023.
Hintergrund
Prognosemärkte stehen schon länger wegen geringerer Altersgrenzen in der Kritik. Im Gegensatz zu regulierten Online-Sportwetten, die meist ein Mindestalter von 21 Jahren vorschreiben, liegt die Grenze bei Prognosemärkten oft bei 18 Jahren. Dies schaffe eine Regulierungslücke, die jüngeren Nutzern Zugang zu glücksspielähnlichen Produkten ermögliche, die sie sonst nicht nutzen könnten, so die Argumentation von staatlichen Regulierungsbehörden, Suchtexperten und Sportligen wie der NBA. Kalshi-CEO Tarek Mansour erklärte, der Schutz von Minderjährigen sei "eine Top-Priorität" für sein Unternehmen und forderte, dass die Altersverifizierung zum Industriestandard werden sollte. Kalshi hat bereits freiwillige Schutzmaßnahmen eingeführt, darunter Face-ID-Checks zur Verhinderung des Zugriffs von Minderjährigen auf Elternkonten, Zwei-Faktor-Authentifizierung und erweiterte Selfie-Verifizierung. Das Unternehmen hat zudem 2 Millionen US-Dollar für Initiativen zur Spielersicherheit durch eine Partnerschaft mit dem National Council on Problem Gambling zugesagt.
Der Gesetzesentwurf von Gottheimer zielt darauf ab, einige dieser Schutzmaßnahmen zu einem landesweiten Standard für Sportwetten und Prognosemärkte zu machen. Dies würde bedeuten, dass viele Online-Plattformen Technologien einführen müssten, die derzeit nicht Teil ihrer Standard-Kontoüberprüfung sind. Während Betreiber wie DraftKings und FanDuel zwar KYC-Prüfungen (Know Your Customer) durchführen und Identität sowie Alter bei der Kontoerstellung verifizieren, verlangen sie in der Regel keine Gesichtserkennung bei jedem Login oder jeder Wette. Einige Staaten, wie Ohio und Pennsylvania, schreiben aber bereits eine Zwei-Faktor-Authentifizierung bei jeder Anmeldung vor.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Die Diskussion in den USA rund um biometrische Verifizierungen ist für deutsche Spieler von hohem Interesse, auch wenn sie nicht direkt betroffen sind. Der deutsche Glücksspielmarkt wird seit 2021 durch den Glücksspielstaatsvertrag (GlüStV 2021) umfassend reguliert. Dieser Vertrag hat strenge Regeln für Online-Glücksspielanbieter eingeführt, die eine Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) erhalten wollen. Das zentrale Ziel ist der Spielerschutz, insbesondere der Minderjährigenschutz und die Suchtprävention. Anders als in den USA, wo die Altersgrenzen variieren und Prognosemärkte eigene Regeln haben, gibt es in Deutschland eine einheitliche Altersgrenze von 18 Jahren für alle Glücksspiele. Eine lückenlose und umfassende Identitäts- und Altersprüfung direkt bei der Registrierung ist für GGL-lizenzierte Anbieter bereits Pflicht. Tools wie LUGAS, das länderübergreifende Glücksspielaufsichtssystem, überwachen die Einhaltung der Einzahlungslimits von monatlich 1.000 Euro und verhindern das gleichzeitige Spielen bei mehreren Anbietern. Auch das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin an Online-Spielautomaten dient dem Spielerschutz. Biometrische Verfahren wie Gesichtserkennung sind in Deutschland bisher keine Standardanforderung. Die aktuellen Maßnahmen werden als ausreichend angesehen, um Minderjährige und suchtgefährdete Spieler zu schützen. Dennoch zeigen die amerikanischen Entwicklungen, welche Technologien theoretisch denkbar sind, um den Schutz weiter zu optimieren.
Was das für GGL-Casinos heißt
Für Online-Casinos mit deutscher GGL-Lizenz sind die hier beschriebenen Anforderungen an die Gesichtserkennung vorerst nicht relevant. Die GGL setzt auf eine Kombination aus Identitätsprüfung bei der Registrierung, Schufa-Abgleich, Video-Ident-Verfahren und dem zentralen Sperrsystem. Diese Maßnahmen stellen sicher, dass nur volljährige Personen Zugang erhalten. Zwar gibt es in Deutschland keine tägliche biometrische Überprüfung wie in den USA diskutiert, aber das LUGAS-System und die strengen KYC-Prozesse gelten als sehr wirksam. Ein direktes Umsetzen nordamerikanischer Biometrie-Standards wäre zwar technisch machbar, würde aber eine rechtliche Anpassung des GlüStV erfordern. Aktuell gibt es keine Anzeichen dafür. Ich beobachte aber sehr genau, welche neuen Technologien in anderen Märkten diskutiert werden, denn die Entwicklungen im Jugend- und Spielerschutz schreiten schnell voran. Die Forderung nach biometrischen Kontrollen könnte den Gesetzgeber in Deutschland durchaus zu zukünftigen Gesprächen über Anpassungen anregen. Momentan bleiben die aktuellen Auflagen für GGL-Casinos bestehen.
Quellen & weiterführende Links
- Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL): gluecksspiel-behoerde.de
- Whitelist erlaubter Online-Anbieter: GGL-Whitelist
- BZgA Spielsucht-Hotline: 0800 1 372 700 (kostenlos, anonym, 24/7)
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