Neuer GGL-Vorsitz und geplante Reformen des Glücksspielstaatsvertrags

Kurz vor der ersten großen Überprüfung des Glücksspielstaatsvertrags übernimmt ein neuer Vorsitzender das Ruder bei der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL). Parallel drängen Länder auf schnelle Reformen der Glücksspielregulierung, insbesondere bei der Bekämpfung illeg
Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) steht vor bedeutenden Veränderungen. Ein neuer Vorsitzender hat sein Amt angetreten. Das fällt zusammen mit der ersten umfassenden Überprüfung des Glücksspielstaatsvertrags (GlüStV 2021). Parallel dazu fordern die Innenminister der Länder dringend eine schnelle Anpassung der Regulierung, lange vor dem offiziellen Evaluierungsbericht Ende 2026. Es geht vor allem um schärfere Instrumente gegen illegales Online-Glücksspiel.
Deutschland befindet sich momentan in einer Phase des Umbruchs im Glücksspielsektor. Die Herausforderungen sind zahlreich, von einem wachsenden Schwarzmarkt bis hin zu der Notwendigkeit, bestehende Gesetze an die digitale Realität anzupassen. Die kommenden Monate werden entscheidend sein, wie sich der regulierte Markt entwickelt und wie effektiv illegale Anbieter bekämpft werden können.
Zahlen und Fakten
Die Innenministerkonferenz (IMK) hat im Juni 2025 einen Entwurf für den Zweiten Glücksspieländerungsstaatsvertrag verabschiedet. Dieser Entwurf sieht vor, die gesetzlichen Grundlagen zu schaffen, damit die GGL IP-Blockaden und Content-Takedowns wirksamer einsetzen kann. Eine zentrale Neuerung ist die explizite Ermächtigung der Aufsichtsbehörde, über zwischengeschaltete Diensteanbieter wie Hosting- oder Internetzugangsplattformen gegen illegale Inhalte vorzugehen, wenn eine direkte Maßnahme gegen die Betreiber nicht möglich ist. Die frühere Haftungsvoraussetzung, die die Wirksamkeit der Durchsetzung untergraben hatte, wird fallen gelassen. Dies geht aus einem Blogpost des Instituts für Glücksspiel und Gesellschaft an der Ruhr-Universität hervor.
Die Anpassungen berücksichtigen auch die rechtliche Verschiebung vom deutschen Telemediengesetz (TMG) zum Digital Services Act (DSA) der EU. Ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts im März 2026 hatte die Befugnisse der GGL zum IP-Blocking eingeschränkt. Das Gericht bestätigte eine Entscheidung eines unteren Gerichts aus dem Jahr 2023, die einen Versuch der GGL, den Zugang zu Lottoland zu sperren, für unzulässig erklärte. Dieses Urteil machte die Regulierung im Kampf gegen Offshore-Anbieter zahnlos. Ein akademischer Forscher, der anonym zitiert wurde, sprach von einem Prozess, der wie ein „geplanter Lottogewinn“ aussah, als kritisiert wurde, dass eine Interimsbewertung des Glücksspielstaatsvertrags vom Glücksspielforscher Dr. Tobias Hayer durchgeführt wurde, der als Kritiker der Branche gilt. Die im Dezember 2023 gestartete Interimsbewertung sollte die Wirksamkeit der aktuellen Regulierung beurteilen und Empfehlungen für Verbesserungen abgeben. Laut Luka Andric, Geschäftsführer des Deutschen Sportwettenverbandes (DOSW), wird die Hauptänderung wahrscheinlich eine „geringfügige chirurgische Änderung“ beim IP-Blocking sein.
„Aufgrund der Dringlichkeit der Angelegenheit sollten die Reformen nicht auf den finalen Evaluationsbericht warten, der bis zum 31. Dezember 2026 fällig ist.“ - Innenministerkonferenz (IMK), Beschluss im Juni 2025
Hintergrund
Die deutsche Glücksspielregulierung ist seit dem Inkrafttreten des GlüStV 2021 ein kontinuierlicher Diskussionspunkt. Die GGL, als zentrale Aufsichtsbehörde der Länder, hat die anspruchsvolle Aufgabe, den Spieler- und Jugendschutz zu gewährleisten und gleichzeitig einen attraktiven, legalen Markt zu schaffen. Dies ist ein Balanceakt. Der Schwarzmarkt für Online-Glücksspiel bleibt eine große Herausforderung. Die jetzigen Initiativen zeigen den dringenden Bedarf, die bestehenden Regelungen zu optimieren und Lücken zu schließen, besonders im Bereich der Durchsetzung gegen irreguläre Angebote. Ein neuer Vorsitzender bei der GGL hat die Möglichkeit, frischen Wind in diese Diskussionen zu bringen und die Position der Behörde zu stärken.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Spieler bedeutet die Entwicklung, dass der Fokus der Regulierung weiter auf den Schutz vor illegalen Angeboten gelegt wird. Die Bemühungen, IP-Blockaden und Content-Takedowns zu verstärken, sollen dazu führen, dass weniger unseriöse Anbieter zugänglich sind. Das ist eine gute Sache. Spieler sollen ausschließlich auf der GGL-Whitelist aufgeführten Online-Glücksspielseiten spielen, die den strengen deutschen Vorgaben unterliegen. Dazu gehören ein Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin bei Spielautomaten und ein monatliches Einzahlungslimit von 1.000 Euro, das über das zentrale Überwachungssystem LUGAS kontrolliert wird. Wer mehr einzahlen möchte, muss seine Bonität nachweisen. Diese Maßnahmen dienen dem Spielerschutz. Durch die Stärkung der GGL und ihrer Durchsetzungsinstrumente kann der Zugang zu sicheren, fairen und verantwortungsvollen Glücksspielangeboten in Deutschland verbessert werden. Es ist wichtig, immer die offizielle Whitelist der GGL zu prüfen, bevor man sich bei einem Anbieter anmeldet. Nur so ist man auf der sicheren Seite.
Was das für GGL-Casinos heißt
Für GGL-lizenzierte Casinos bedeuten die geplanten Reformen und die Bestrebungen der Innenminister eine potenzielle Stärkung des legalen Marktes. Wenn es der GGL gelingt, illegale Anbieter effektiver zu blockieren, wird der Wettbewerb fairer. Dies hilft den legalen Betreibern, die hohen Anforderungen des Glücksspielstaatsvertrags erfüllen. Aktuell kämpfen sie mit einem eingeschränkten Spieleangebot. Simon Priglinger-Simader, Vizepräsident des Deutschen Online Casino Verbandes (DOCV), äußerte die Hoffnung, dass die Genehmigung neuer Online-Slot-Spiele von einer mühsamen Spiel-für-Spiel-Genehmigung zu einer Prüfung auf Lieferantenebene übergehen könnte. Dies würde den Prozess erheblich vereinfachen und zu einer größeren Vielfalt an legalen Spielen führen. Die GGL könnte auch die aktuell strengen Produktbeschränkungen lockern, wie etwa das 1 Euro Einsatzlimit pro Spin und die fünfsekündige Zwangspause zwischen den Runden. Die Möglichkeit, mehr Spiele anzubieten und möglicherweise einige Beschränkungen zu lockern, würde die Attraktivität der GGL-Casinos für deutsche Spieler erhöhen und sie widerstandsfähiger gegen Angebote des Schwarzmarktes machen.
Quellen & weiterführende Links
- Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL): gluecksspiel-behoerde.de
- Whitelist erlaubter Online-Anbieter: GGL-Whitelist
- BZgA Spielsucht-Hotline: 0800 1 372 700 (kostenlos, anonym, 24/7)
- Redaktionelle Methodik: Redaktionsrichtlinien Lustich.de
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