Prognosemärkte ziehen besonders junge Männer an

Prognosemärkte sind ein Multi-Milliarden-Dollar-Geschäft und boomen, besonders bei jungen Männern. Eine Studie zeigt: 71% der Nutzer sind männlich, 26% der 18- bis 24-jährigen amerikanischen Männer nutzen solche Plattformen.
Online-Prognosemärkte wie Polymarket und Kalshi wachsen rasant und entwickeln sich zu einem Multi-Milliarden-Dollar-Sektor. Diese Plattformen, auf denen man auf Ereignisse von Sportereignissen bis hin zu geopolitischen Entwicklungen wetten kann, ziehen besonders eine bestimmte Zielgruppe an: junge Männer. Ein Phänomen, das viele Fragen aufwirft, insbesondere hinsichtlich der Risiken und der Regulierung. Die „Vibes sind ganz klar junge, männliche Vibes“, wie Jonathan Cohen, Leiter der Sportwettenpolitik am American Institute for Boys and Men (AIBM), es ausdrückt. Er sieht eine starke neurologische Komponente in der hohen Risikobereitschaft junger Männer. Es geht um mehr als nur Wetten, es ist ein Lebensgefühl, das durch Influencer und soziale Medien befeuert wird. Die Anziehungskraft dieser Märkte scheint tief in der Internetkultur verwurzelt zu sein, mischt Elemente von Kryptohandel, Meme-Investitionen und Sportwetten. Plattformen wie Polymarket und Kalshi werden als „Warenevaluierung“ eingestuft, nicht als Glücksspiel. Das hat weitreichende Konsequenzen für die Gesetzgebung. Auch wenn die Betreiber betonen, dass es um „Informationen“ geht, sehen Kritiker darin ein „normalisiertes“ Glücksspiel. Die Realität ist, die Kunden sind nicht nur kleine Gamer, sondern auch professionelle „Hedgefonds“, die den Hobbyspielern das Fell über die Ohren ziehen. Was wir hier sehen, könnte gravierende Auswirkungen auf die noch jungen Spieler haben. Ihre Verluste sind oft immens.
Zahlen und Fakten
Prognosemärkte sind ein enormes Geschäft. Kalshi wurde kürzlich mit 22 Milliarden US-Dollar bewertet, Polymarket mit 9 Milliarden US-Dollar. Die Nachfrage nach Wetten in den USA stieg stark an. Laut einer Studie der Analysefirma Morning Consult sind 71 Prozent der Nutzer von Prognosemärkten Männer und überproportional unter 45 Jahre alt. Ein Viertel der amerikanischen Männer zwischen 18 und 24 Jahren, nämlich 26 Prozent, gaben an, in den letzten sechs Monaten mindestens eine dieser Plattformen genutzt zu haben. Zum Vergleich: In der Gesamtbevölkerung waren es nur 14 Prozent.
„Jeder hatte schon immer eine Meinung, aber dies ist das erste Mal in der Geschichte, dass man buchstäblich mit seinem Geld eine Meinung zu allem haben kann.“ – Cameron George, Krypto-Händler und Content Creator
Die meisten Wetten auf diesen Plattformen werden auf Sportereignisse platziert. Doch Prognosemärkte sind nicht unumstritten. Kritiker sehen darin eine Verharmlosung von Glücksspiel. Die Gestaltung und Vermarktung der Plattformen würden Risiken unterspielen. Profiteure sind oft Insider-Händler. So gewann Gannon Ken Van Dyke, ein US-Spezialeinsoldat, über 409.000 US-Dollar durch eine angebliche Wette auf Polymarket über die Absetzung des venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro, bevor die Informationen öffentlich waren. Fast doppelt so viele Polymarket-Konten, die über 1.000 US-Dollar gewettet haben, verloren Geld. Eine Analyse des Wall Street Journal ergab, dass 67 Prozent der Gewinne auf Polymarket an 0,1 Prozent der Konten gehen.
Hintergrund
Das Phänomen der Prognosemärkte greift eine Vielzahl männlicher Interessen auf: Krypto-Spekulation, „Finanz-Bro“-Kultur, Meme-Investitionen und Online-Vorhersage-Communities. Professor Elvira Bolat von der Bournemouth University beobachtet diese Schnittmengen. Sie argumentiert, dass die Plattformen sich eher als Informationsmärkte oder Handelsumgebungen präsentieren, obwohl ihr Verhalten Glücksspiel stark ähnelt. Auch Influencer wie der YouTuber Logan Paul bewerben die Plattformen, oft ohne auf die Risiken hinzuweisen. Polymarket eröffnete sogar eine Bar namens „The Situation Room“ in Washington DC, deren Eröffnungsvideos hauptsächlich Männer zeigten. Kalshi erklärte gegenüber der BBC, dass der Anteil weiblicher Nutzer auf ihrer Plattform im letzten Jahr von 13 Prozent auf 26 Prozent gestiegen sei. Sie würden mit Organisationen zusammenarbeiten, um Spielsucht zu bekämpfen, und fördern verantwortungsvollen Handel. Nach US-Vorschriften müssen Influencer hierbei allerdings keine Risikohinweise geben.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Spieler ist die Welt der Online-Prognosemärkte, wie sie in den USA existiert, in dieser Form weitgehend irrelevant. In Deutschland unterliegt jegliches Online-Glücksspiel strengen Regeln des Glücksspielstaatsvertrags 2021 (GlüStV 2021). Das heißt, die legalen Online-Casinos in Deutschland verfügen über eine Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL). Diese GGL-Whitelist ist das einzige Gütesiegel, auf das deutsche Spieler vertrauen sollten.
Plattformen wie Polymarket oder Kalshi, die sich in den USA als „commodity futures trading“ und nicht als Glücksspiel deklarieren, würden in Deutschland aller Wahrscheinlichkeit nach als Glücksspiel eingestuft werden. Damit unterlägen sie den deutschen Regeln. Diese schließen unter anderem ein Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin an Spielautomaten und ein monatliches Einzahlungslimit von 1.000 Euro über das zentrale Überwachungssystem LUGAS ein. Diese Schutzmaßnahmen sollen insbesondere junge und risikobereite Spieler vor übermäßigen Verlusten schützen. Daher sehe ich die Gefahr, dass die Prognosemärkte am Ende als das eingestuft werden, was sie sind: Glücksspiel. Sie werden in Deutschland als solches auch zu regulieren sein.
Das Problem mit dem „Insider-Handel“, wie er in den USA auf diesen Plattformen auftritt, wäre in Deutschland ohnehin ein massiver Verstoß gegen die Glücksspielregulierung. Das deutsche System zielt darauf ab, Manipulationen und unfaire Vorteile zu verhindern, um die Chancengleichheit zu wahren. Prognosemärkte, die durch Insiderwissen Gewinne ermöglichen, widersprechen fundamental dem Geist und den Buchstaben des GlüStV 2021. Daher kann ich nur eindringlich davor warnen, diese als seriöse Geldanlage zu betrachten. Es ist ein Spiel, bei dem man sehr viel verlieren kann.
Was das für GGL-Casinos heißt
Die Entwicklungen in den USA zeigen deutlich, wie wichtig eine strenge Regulierung für den Schutz der Spieler ist. Für GGL-lizenzierte Casinos in Deutschland bedeutet dies eine Bestätigung des eingeschlagenen Weges. Der GlüStV 2021 mit seinen klaren Vorgaben zu Spielerschutz, Einzahlungslimits und dem Zentralregister LUGAS bietet einen Rahmen, der solche problematischen Auswüchse, wie sie die Prognosemärkte zeigen, verhindern soll.
Die Betreiber von Online-Casinos in Deutschland sind verpflichtet, Spielsuchtprävention aktiv zu betreiben und Risikogruppen zu identifizieren. Marketing und Werbung unterliegen ebenfalls strengen Regeln, um die Verharmlosung von Glücksspiel zu vermeiden und insbesondere junge Menschen zu schützen. Das Vorgehen in den USA, wo Prognosemärkte durch die Einstufung als „Warenevaluierung“ die Glücksspielregulierung umgehen, ist ein Negativbeispiel. Es unterstreicht die Notwendigkeit einer klaren Abgrenzung und konsequenten Durchsetzung von Glücksspielgesetzen. Die GGL muss wachsam bleiben, um zu verhindern, dass ähnliche „Grauzonen“-Angebote auch in Deutschland Fuß fassen. Das sollte nicht passieren, denn die Konsequenzen für die Spieler wären immens.
„Ob dies Glücksspiel oder Investition ist, für mich lautet die Antwort 'Ja'. Weil es beides ist.“ – Jason Trost, Gründer von Smarkets
Polymarket und Kalshi operieren nicht im UK, weil sie dort als Glücksspiel eingestuft würden. Dort gibt es beispielsweise auch keine Beschränkungen der Plattformen nach Alter der Benutzer. Dies ist jedoch für Deutschland ein ganz klarer Fall. Dies schließt auch die Werbung mit Influencern ohne Risikohinweise mit ein.
Quellen & weiterführende Links
- Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL): gluecksspiel-behoerde.de
- Whitelist erlaubter Online-Anbieter: GGL-Whitelist
- BZgA Spielsucht-Hotline: 0800 1 372 700 (kostenlos, anonym, 24/7)
- Redaktionelle Methodik: Redaktionsrichtlinien Lustich.de
Glücksspiel kann süchtig machen. Spielen Sie verantwortungsbewusst. Hilfe und Beratung unter 0800 1 372 700 (BZgA, kostenlos & anonym).





