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Spielerschutz

Verbotene Werbeaktionen: BoyleSports kassiert Rüge wegen täglicher Spielanreize

29. Juli 20266 Min.von Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Verbotene Werbeaktionen: BoyleSports kassiert Rüge wegen täglicher Spielanreize

Die britische Aufsichtsbehörde ASA stoppt eine Werbekampagne von BoyleSports. Der Vorwurf: Die Aktion lockte Kunden zu häufigem und repetitivem Wetten an bis zu sieben Tagen pro Woche.

Werbung für Glücksspiel ist ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite wollen Anbieter ihre Kunden binden, auf der anderen Seite dürfen sie niemanden in die Spielsucht treiben. BoyleSports ist hier nun gehörig auf die Finger bekommen worden. Die britische Advertising Standards Authority (ASA) hat eine Entscheidung veröffentlicht, die viele Marketing-Abteilungen in der Branche aufhorchen lässt. Es geht um die Aktion Bank Builder Jackpot, die im Zeitraum vom 9. Februar bis zum 8. März lief. Wer hier mitmachte, sollte täglich Wetten platzieren, um sich Freiwetten im Wert von bis zu 60 Pfund oder einen Anteil an einem wöchentlichen Topf von 10.000 Pfund zu sichern.

Das Kernproblem der Werbeanzeige, die unter anderem auf der Seite Racing Post geschaltet war, lag in der Struktur der Bedingungen. Um die Belohnungen zu erhalten, mussten Kunden an vier, fünf, sechs oder sieben Tagen innerhalb einer Aktionswoche jeweils mindestens 10 Pfund setzen. Die ASA sah darin einen klaren Verstoß gegen den CAP-Code. Dieser schreibt vor, dass Werbung nicht zu häufigem oder repetitivem Spielverhalten anregen darf. Wer an fünf oder sechs Tagen wettet, kommt zwangsläufig in den Bereich von aufeinanderfolgenden Tagen, was die Behörde als riskant einstuft. Selbst bei der niedrigsten Stufe von vier Tagen pro Woche verbringen die Spieler mehr Zeit mit Wetten als an spielfreien Tagen.

Zahlen und Fakten

Die Details der Kampagne zeigen, wie tiefgreifend der geforderte Einsatz war. Ein Teilnehmer musste täglich ein Qualifikationskriterium von 10 Pfund erfüllen. Je nachdem, welche Sportart gerade im Fokus stand, konnte dieser Betrag durch eine einzige Wette oder mehrere kleine Teilwetten erreicht werden. Am Ende der Woche winkten bis zu 60 Pfund in Gratiswetten. Der Preispool von insgesamt 10.000 Pfund wurde jeden Montag als auszahlbares Bargeld gutgeschrieben. BoyleSports versuchte sich damit zu rechtfertigen, dass die 10 Pfund Einsatz oft unter dem Durchschnittswert lagen, den die Kunden ohnehin für Fußball oder Pferderennen ausgeben würden. Die Behörde ließ dieses Argument jedoch nicht gelten. Daten über Durchschnittseinsätze reichten nicht aus, um den Vorwurf der Anstiftung zu repetitivem Verhalten zu entkräften.

„Wir stellten fest, dass Wetten an fünf oder sechs Tagen in einer Woche ein Glücksspiel an aufeinanderfolgenden Tagen erfordern würde, und dass selbst Kunden, die sich für die niedrigste Stufe entschieden, durch die Anzeige dazu ermutigt wurden, an mehr Tagen einer Aktionswoche Wetten zu platzieren als nicht.“ - ASA, Advertising Standards Authority

Hintergrund

BoyleSports ist kein kleiner Name. Der Buchmacher ist sportlich sehr aktiv und hat gerade erst einen Sponsoring-Deal mit dem Premier-League-Club Leeds United verkündet. Dies folgte auf ähnliche Deals in der Branche, wie etwa die Partnerschaft von Coral mit Birmingham City. Doch der Erfolg auf dem Sponsoring-Markt schützt nicht vor regulatorischem Ärger. Die ASA ist bekannt dafür, gnadenlos durchzugreifen, wenn Marketing-Methoden psychologische Mechanismen ausnutzen. Dass die Racing Post selbst keine Beschwerden von Lesern erhalten hatte, spielte für das Urteil keine Rolle. Die Behörde agiert hier proaktiv, um Standards im Spielerschutz zu wahren. Die Anzeige darf in der untersuchten Form nun nicht mehr geschaltet werden. BoyleSports betonte zwar, dass Kunden nicht gezwungen waren, an sieben Tagen hintereinander zu spielen oder ihren Einsatz zu erhöhen, doch die psychologische Sogwirkung der täglichen Qualifikation wurde von den Kontrolleuren als zu hoch eingestuft.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Für deutsche Zocker ist dieser Fall ein interessantes Lehrstück. Wer in legalen GGL-Casinos spielt, wird solche extremen täglichen Belohnungssysteme kaum finden. Der deutsche Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) setzt hier viel engere Grenzen als das britische Recht. In Deutschland überwacht die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) die Einhaltung strenger Werberichtlinien. Werbeaktionen, die zu täglichem Spiel zwingen, würden hier sofort auf der Sperrliste landen. Deutsche Spieler profitieren von Schutzmechanismen wie dem anbieterübergreifenden Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat, das über das LUGAS-System kontrolliert wird. Auch das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin an virtuellen Automaten verhindert, dass man durch solche Bank-Builder-Promotions Haus und Hof verspielt. In Deutschland steht der Kanalisierungsauftrag im Vordergrund, was bedeutet, dass Werbung zwar erlaubt ist, um Spieler vom Schwarzmarkt wegzuholen, aber sie darf niemals aggressiv oder suchtfördernd wirken. Wer bei einem lizenzierten Anbieter der Whitelist spielt, kann sich sicher sein, dass solche täglichen Druck-Aktionen im Keim erstickt werden.

Was das für GGL-Casinos heißt

Deutsche Anbieter können aus dem Fall BoyleSports lernen, dass die Grenze zwischen Kundenbindung und unverantwortlichem Marketing sehr schmal ist. Die GGL schaut genau hin, wenn Boni an zu hohe zeitliche Anforderungen geknüpft sind. Ein Bonus, der nur durch tägliches Log-in und täglichen Einsatz freigeschaltet wird, ist in Deutschland rechtlich kaum haltbar. Das deutsche Recht setzt auf Prävention. Während in Großbritannien oft erst im Nachhinein gerügt wird, müssen deutsche Werbekampagnen oft schon im Vorfeld so konzipiert sein, dass sie gar nicht erst in den Verdacht der Suchtförderung geraten. Die strengen Regeln des GlüStV 2021 bieten hier ein Sicherheitsnetz, das Spieler vor manipulativen Designs schützt, wie sie die ASA bei BoyleSports nun beanstandet hat.

Quellen & weiterführende Links

Erwähnte Unternehmen:BoyleSports

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