Amazon legt Social Casino Sammelklage mit über 200 Millionen Dollar bei

Amazon hat eine Sammelklage wegen seiner Social Casino Apps beigelegt. Die Vergleichssumme könnte über 200 Millionen US-Dollar erreichen, die an die Kläger gehen.
Der E-Commerce-Riese Amazon hat sich in einer langwierigen Sammelklage geeinigt, die sich um den Verkauf von virtuellen Casino-Chips drehte. Diese Einigung könnte dazu führen, dass die Kläger über 200 Millionen US-Dollar erhalten. Die Klage warf Amazon vor, von "Free-to-Play"-Social Casino-Spielen profitiert zu haben, indem es den Kauf virtueller Chips ermöglichte, obwohl die Spiele selbst keine Echtgeldpreise ausschütten. Ein Urteil in Washington stellte 2018 fest, dass virtuelle Chips als "Sache von Wert" zu betrachten sind, was das Spielen als Glücksspiel qualifiziert. Es ist ein bedeutsamer Schritt, der die Debatte um die rechtliche Einordnung von Social Casinos weiter anheizt.
Die Social Casino Apps, über die die Sammelklage verhandelt wurde, sind laut Klägern "hochgradig süchtig machend" und "außerordentlich profitabel". Die Kläger behaupteten, Amazon sei sich des kontroversen Status dieser Spiele bewusst gewesen, habe aber dennoch deren Download zugelassen. Die Klage forderte Amazon auf, die Bereitstellung solcher Spiele einzustellen und alle "illegal" erzielten Einnahmen an die Verbraucher zurückzuzahlen.
Zahlen und Fakten
Die Sammelklage benannte insgesamt 34 Social Casino Marken, darunter bekannte Namen wie Big Fish Casino, Jackpot Party, Monopoly Slots, Lotsa Slots, Black Diamond Casino und Quick Hit Slots. Laut Forschung von Statista wurden im Jahr 2020 schätzungsweise 6 Milliarden US-Dollar in Social Casinos "verspielt". Die Klage argumentierte, dass Amazon 30 Prozent jeder Wette einstreicht, was einem Anteil von fast 1,8 Milliarden US-Dollar allein im Jahr 2020 entspräche. Dies steht im Gegensatz zu traditionellen Casinos, die bei Echtgeld-Slot-Spielen zwischen 1 und 15 Prozent einnehmen.
Ein Gericht in Washington hatte bereits 2018 in einem ähnlichen Fall gegen Churchill Downs entschieden. Dort wurde das Social Casino Big Fish Casino als illegales Glücksspiel eingestuft, da virtuelle Chips als "etwas Wertvolles" angesehen wurden. Dieser Präzedenzfall war entscheidend für die Argumentation in der Amazon-Klage. Eine vergleichbare Klage gegen IGT und DoubleDown Interactive wurde im August 2022 mit einem Vergleich über 415 Millionen US-Dollar beigelegt.
Todd Logan, ein Partner bei Edelson PC, der Anwaltskanzlei, die die Kläger vertrat, äußerte sich zu der Rolle der Tech-Giganten: > „Große Tech-Firmen stehen nicht nur daneben, sie verdienen daran. Dieses Urteil ist ein Meilenstein, aber es ist erst der Anfang.“ - Todd Logan, Partner bei Edelson PC
Hintergrund
Die rechtliche Unsicherheit bezüglich Social Casinos besteht weiterhin in den USA. Obwohl sie größtenteils als legal gelten, ändern Urteile wie die in Washington die Landschaft. Die Kläger betonten, wie Social Casinos die süchtig machenden Aspekte traditioneller Spielautomaten mit der Fähigkeit von Unternehmen wie Amazon verbinden, große Datenmengen und den Druck sozialer Netzwerke zu nutzen. Dies diene dazu, Nutzer mit süchtigem Verhalten zu identifizieren, anzusprechen und auszubeuten. Die Klage betonte die enge Verflechtung der Social Casino Apps mit Amazon, das volle Kontrolle über die Zulassung und Bewerbung der Apps hatte und direkt an einem erheblichen Teil der Spielerverluste verdiente.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Spieler sind Social Casinos rechtlich anders einzuordnen als reguläres Online-Glücksspiel. Diese Spiele bieten keine Möglichkeit, echtes Geld zu gewinnen, weshalb sie in Deutschland nicht unter den Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) fallen. Dennoch können sie Spieler an das Gefühl des Glücksspiels gewöhnen und ein hohes Suchtpotenzial entwickeln. Deutsche Spieler sollten sich bewusst sein, dass der Kauf virtueller Chips zwar nicht direkt als Glücksspiel im regulierten Sinne gilt, aber dennoch zu erheblichen Ausgaben führen kann. Plattformen wie Amazon bieten Social Casinos an, die die in Deutschland lizenzierten Online-Spielotheken deutlich von Angeboten fernhalten, die unter die Aufsicht der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) fallen.
GGL-lizenzierte Anbieter müssen strenge Regeln einhalten, wie das Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat und das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin. Außerdem müssen sie an das Sperrsystem LUGAS angeschlossen sein. Solche Schutzmechanismen existieren bei Social Casinos nicht.
Was das für GGL-Casinos heißt
Für GGL-lizenzierte Online-Casinos in Deutschland hat diese Entwicklung nur indirekte Auswirkungen. Der Markt für reguliertes Online-Glücksspiel ist klar vom Social Casino Bereich getrennt. Während Social Casinos oft als Vorstufe zum echten Glücksspiel angesehen werden, arbeiten GGL-Casinos unter strengen Vorschriften zum Spielerschutz und zur Suchtprävention. Das aktuelle Urteil in den USA könnte jedoch den Blick auf die Verantwortung von Plattformen für die Inhalte, die sie hosten und monetarisieren, schärfen. Dies könnte langfristig zu einer Debatte über die Regulierung von In-App-Käufen und ähnlichen Monetarisierungsmodellen führen, auch wenn diese keine direkten Echtgeldgewinne versprechen. Die GGL überwacht den deutschen Markt sehr genau, um den GlüStV 2021 durchzusetzen und damit den Spielerschutz für deutsche Spieler zu gewährleisten.
Quellen & weiterführende Links
- Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL): gluecksspiel-behoerde.de
- Whitelist erlaubter Online-Anbieter: GGL-Whitelist
- BZgA Spielsucht-Hotline: 0800 1 372 700 (kostenlos, anonym, 24/7)
- Redaktionelle Methodik: Redaktionsrichtlinien Lustich.de
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