US-Kongressabgeordneter fordert Aufklärung von Polymarket wegen Influencer-Deals

Ein US-Kongressabgeordneter hinterfragt Polymarkets Praktiken bei bezahlten Influencer-Partnerschaften. Es geht um Wahlwetten und die Verbreitung von Falschnachrichten. Der Abgeordnete Raja Krishnamoorthi gab Polymarket bis zum 28. Juli Zeit zur Stellungnahme.
Das sogenannte Prediction Market Plattform Polymarket steht im Fokus der US-Politik. Der demokratische Kongressabgeordnete Raja Krishnamoorthi aus Illinois fordert Aufklärung. Es geht um mutmaßliche bezahlte Partnerschaften mit Influencern, die Desinformationen über US-Wahlen verbreitet haben sollen. Gleichzeitig bewarben sie offenbar Wahlwetten auf Polymarket. Krishnamoorthi hat bereits den CEO von Polymarket, Shayne Coplan, angeschrieben. Er verlangt detaillierte Informationen über die Richtlinien und Schutzmaßnahmen für solche Kooperationen. Die Frist für eine Antwort läuft bis zum 28. Juli.
Der Fall wirft ernste Fragen über die Schnittstelle von Glücksspiel, Politik und Meinungsbildung auf. Solche Plattformen ermöglichen es Nutzern, auf den Ausgang von Ereignissen zu wetten. Dazu gehören auch politische Wahlen. Die Sorge ist, dass finanzielle Anreize die Verbreitung von Falschinformationen fördern könnten. Dies geschieht, um Wetteinsätze oder Quoten zu beeinflussen.
Zahlen und Fakten
Kongressabgeordneter Krishnamoorthi hat Polymarket konkrete Fragen gestellt. Er will wissen, ob das Unternehmen zum Zeitpunkt der Vertragsabschlüsse oder deren Verlängerung Kenntnis davon hatte, dass Influencer oder Partner öffentlich Wahlleugnung betrieben oder die Legitimität von US-Wahlen infrage stellten. Weiterhin fordert er die Identifizierung dieser Personen oder Organisationen und eine Begründung für die Kenntnis der Vorwürfe. Krishnamoorthi verlangt auch Einblicke in die Richtlinien für bezahlte Promotionen, Affiliate-Programme und Influencer-Partnerschaften, die sich auf Wahlmärkte beziehen. Dies schließt ein, ob diese Richtlinien Inhalte adressieren, welche die Wahltransparenz infrage stellen oder Behauptungen über Wählerbetrug fördern. Die Durchsetzung dieser Richtlinien soll ebenfalls dargelegt werden.
Krishnamoorthi forderte die Herausgabe von Dokumenten vom 20. Januar 2025 bis heute. Diese sollen die Überprüfung, Genehmigung oder Überwachung von Influencern und Affiliates, interne Diskussionen oder Richtlinien sowie Anweisungen, Schulungsmaterialien oder Aufzeichnungen zur Durchsetzung bezüglich bezahlter Wahlmarkt-Promotions abdecken. „Jüngste Berichte haben erhebliche Fragen aufgeworfen, wie wahlbezogene Prognosemärkte beworben werden und ob bestehende Schutzmaßnahmen ausreichen, um die Verbreitung irreführender Narrative über die Wahltransparenz zu verhindern“, sagte Krishnamoorthi in seinem Schreiben. Er sieht hier gefährliche Anreize entstehen:
„Wenn politischer Einfluss und finanzielle Anreize miteinander verknüpft werden, riskieren Plattformen, voreilige Behauptungen, irreführende Narrative und falsche Anschuldigungen zu fördern, bevor Stimmen vollständig ausgezählt oder zertifiziert sind.“ - Raja Krishnamoorthi, US-Kongressabgeordneter
Der Kongressabgeordnete gab Polymarket bis zum 28. Juli Zeit, um auf die Anfrage zu reagieren. Die Untersuchungen erfolgen im Zuge einer breiteren Prüfung von Prediction Markets durch den Kongress. Bereits über zwei Dutzend Bundesgesetze und Resolutionen befassten sich mit Wahlverträgen, Insiderhandel und ähnlichen Themen. Ein früherer Fall auf Polymarket betraf zudem möglichen Insiderhandel: Ein Nutzer erzielte 2026 eine Rendite von 1108 Prozent auf Wetten zur Festnahme von Nicolás Maduro in Venezuela kurz vor der offiziellen Ankündigung. Auch ein Alphabet-Insider soll 2025 mit Insiderwissen über Google-Suchtrends rund 1,2 Millionen Dollar Gewinn gemacht haben.
Hintergrund
Prediction Markets sind online Plattformen, auf denen Nutzer auf zukünftige Ereignisse wetten können. Das können Sportergebnisse, wirtschaftliche Entwicklungen oder eben politische Wahlen sein. Oft basieren sie auf Blockchain-Technologie. Befürworter sehen darin ein nützliches Instrument zur Aggregation von Informationen und zur Vorhersage von Ereignissen. Kritiker bemängeln jedoch die fehlende Regulierung und das Potenzial für Manipulation und die Verbreitung von Fehlinformationen. Besonders im Kontext von Wahlen sind diese Bedenken gravierend, da sie das Vertrauen in demokratische Prozesse untergraben können. Die Plattformen geraten verstärkt unter die Lupe, wie auch die Untersuchung zu Polymarket zeigt. Krishnamoorthi argumentiert, dass eine Schwächung des Vertrauens in Wahlen weitreichende Konsequenzen haben kann.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für Spieler in Deutschland haben die aktuellen Entwicklungen um Polymarket keine direkten Auswirkungen. Der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) regelt das Online-Glücksspiel in Deutschland sehr streng. Er verbietet explizit Wetten auf politische Ereignisse. Das bedeutet, dass Plattformen wie Polymarket mit ihrem Angebot von Wahlwetten in Deutschland keine Glücksspiellizenz erhalten könnten. Deutsche Spieler dürfen solche Wetten bei von der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) lizenzierten Anbietern nicht abschließen.
Die GGL wacht über die Einhaltung des GlüStV 2021. Sie stellt sicher, dass nur Anbieter mit deutscher Lizenz am Markt agieren dürfen. Diese Anbieter sind an strenge Regeln gebunden. Dazu gehören ein Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin an Online-Spielautomaten und ein monatliches Einzahlungslimit von 1.000 Euro, das über das zentrale Überwachungssystem LUGAS kontrolliert wird. Dieses System soll Spielerschutz und Suchtprävention gewährleisten. Das Angebot von Polymarket passt nicht in dieses regulierte Umfeld. Spieler sollten sich immer an die von der GGL auf der Whitelist gelisteten Casinos halten, um rechtlich und spielerschutztechnisch auf der sicheren Seite zu sein. Unregulierte Angebote, insbesondere solche mit politisch heiklen Wetten, bergen hohe Risiken.
Was das für GGL-Casinos heißt
Die Situation um Polymarket zeigt die Herausforderungen der Regulierung von Online-Glücksspiel global. Für GGL-lizenzierte Casinos gibt es hier keine direkten Auswirkungen. Sie sind in einem regulierten Markt tätig, der politische Wetten per se ausschließt. Die strengen Regeln des GlüStV 2021 sollen genau solche fragwürdigen Praktiken vermeiden, wie sie Polymarket vorgeworfen werden. Die deutschen Regelungen zielen darauf ab, Manipulationen und die Verbreitung von Falschnachrichten im Zusammenhang mit Glücksspiel zu unterbinden. Vertrauen und Spielerschutz stehen an erster Stelle. Anbieter auf der GGL-Whitelist müssen sich an diese Prinzipien halten. Für sie ist der Fall Polymarket eine Bestätigung, dass der deutsche Weg der strengen Regulierung sinnvoll ist.
Quellen & weiterführende Links
- Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL): gluecksspiel-behoerde.de
- Whitelist erlaubter Online-Anbieter: GGL-Whitelist
- BZgA Spielsucht-Hotline: 0800 1 372 700 (kostenlos, anonym, 24/7)
- Redaktionelle Methodik: Redaktionsrichtlinien Lustich.de
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