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Brasilien lenkt Glücksspielsteuern um: Mehr Geld für die Bundespolizei

13. Juli 20265 Min.von Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Brasilien lenkt Glücksspielsteuern um: Mehr Geld für die Bundespolizei

Ein neuer Gesetzesentwurf, der Glücksspielsteuereinnahmen Brasiliens für die Bundespolizei zweckbindet, steht vor der Unterzeichnung. Der Anteil für Funapol soll bis 2028 von 0,5% auf 3% steigen.

Die brasilianische Glücksspielbranche ist weiterhin ein heißes Eisen, aber mit einer überraschenden Wendung. Ein Gesetzentwurf, der die Verteilung der Wettsteuereinnahmen neu regelt, hat den Senat passiert. Nun muss nur noch Präsident Luiz Inácio Lula da Silva zustimmen, dann könnten signifikant mehr Mittel an die Bundespolizei fließen. Dies verspricht mehr Ressourcen für die Strafverfolgung.

Am Mittwoch, den 8. Juli, erteilte das Senatsplenum einer provisorischen Maßnahme grünes Licht. Diese Maßnahme ändert grundlegend, wie Wettumsätze verteilt werden. Der Hauptnutznießer dieser Neuregelung ist der Fonds für die Ausstattung und Operationalisierung der Kernaktivitäten der Bundespolizei (Funapol). Das ist ein großer Schritt für die innere Sicherheit Brasiliens.

Zahlen und Fakten

Funapol, das die Bundespolizei ausrüstet und deren Operationen finanziert, erhält derzeit 0,5 Prozent der Wettsteuereinnahmen. Dieses Verhältnis wird sich schrittweise erhöhen. Für das Jahr 2026 ist eine Steigerung auf 1 Prozent vorgesehen. Im Jahr 2027 steigt der Anteil weiter auf 2 Prozent. Ab dem Jahr 2028 soll Funapol dann ganze 3 Prozent der Glücksspielsteuereinnahmen erhalten. Laut Berichten von Senado Notícias soll dieses zusätzliche Kapital speziell für die Finanzierung und Unterstützung wichtiger Gesundheitsausgaben von Bundespolizisten verwendet werden. Das Gesetz liegt jetzt bei Präsident Lula da Silva. Er besitzt die exekutive Gewalt, die Maßnahme zu unterzeichnen und damit in Kraft zu setzen.

Diese Erhöhung für Funapol ist Teil umfassenderer fiskalischer Anpassungen in Brasilien. Bereits im Dezember 2025 wurde das Ergänzungsgesetz Nr. 128/2025 vom Nationalkongress verabschiedet. Dieses Gesetz sah eine lineare Kürzung der Bundessteueranreize um 10 Prozent vor. Gleichzeitig erhöhte es die Besteuerung für strategische Sektoren und, besonders relevant für unsere Branche, die Besteuerung von Festqu</b>otenwetten. „Die Vorschlag erhöht die Besteuerung von Festquotenwettanbietern und untermauert die Strategie der Regierung, Marktregulierung mit Umsatzgenerierung im neu regulierten Wettsektor zu verbinden“, hieß es dazu im Newsletter von BPC Partners im Januar 2026.

Die Steuer auf die Bruttoeinnahmen von Online-Wettunternehmen sollte laut einem ursprünglich im Juni 2025 veröffentlichten Entwurf sogar von 12 auf 18 Prozent steigen. Dies sah die Provorische Maßnahme (PM) Nr. 1303/2025 vor, die jedoch am 8. Oktober 2025 ohne Umwandlung in ein Gesetz auslief. Eine späte Abstimmung im Senat im Dezember 2025 stimmte dann für einen langsameren Anstieg, von 12 Prozent auf 13 Prozent im Jahr 2026, 14 Prozent im Jahr 2027 und schließlich 15 Prozent ab 2028. Diese Änderung wurde mit 62 zu 6 Stimmen angenommen. Die Hälfte dieser Erhöhung soll der sozialen Sicherheit zugutekommen, die andere Hälfte Gesundheitsinitiativen.

Hintergrund

Die brasilianische Regierung unter Präsident Lula da Silva verfolgt eine klare Strategie zur Erhöhung der Staatseinnahmen. Dies geschieht in einem Kontext, in dem das Land eine weitreichende Steuerreform durchführt. Allein im Jahr 2026 rechnet die Regierung mit zusätzlichen Einnahmen von 3,2 Milliarden BRL durch Steuern auf Wettunternehmen und Fintechs. Die Glücksspielbranche in Brasilien wächst rapide; die iGaming-Umsätze überstiegen zuletzt 6 Milliarden BRL. Angesichts solcher Summen ist es nachvollziehbar, dass die Regierung versucht, einen größeren Teil dieser Einnahmen für öffentliche Zwecke zu nutzen.

Die Umschichtung der Steuergelder zur Bundespolizei ist auch ein Indiz für die Prioritäten der brasilianischen Politik. Die Stärkung der Strafverfolgungsbehörden und des Gesundheitssystems ihrer Mitarbeiter soll direkt aus dem Wachstum der Glücksspielbranche finanziert werden. Das zeigt, dass der Glücksspielmarkt nicht nur als Einnahmequelle, sondern auch als Instrument zur Finanzierung gesellschaftlicher Bedürfnisse betrachtet wird.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Für deutsche Spieler, die ausschließlich in GGL-lizenzierten Casinos spielen, haben die Entwicklungen in Brasilien keine direkten Auswirkungen. Die Regeln des Glücksspielstaatsvertrags 2021 (GlüStV 2021) sind hierzulande maßgebend. Deutsche Online-Anbieter müssen auf der Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) stehen und strenge Vorschriften einhalten. Dazu gehören ein Einsatzlimit von einem Euro pro Spin bei Online-Spielautomaten und ein monatliches Einzahlungslimit von 1.000 Euro, das über das zentrale Überwachungssystem LUGAS kontrolliert wird.

Die GGL legt großen Wert auf Spielerschutz und die Bekämpfung von illegalem Glücksspiel. Das sorgt für ein sicheres und reguliertes Umfeld. Deutsche Regelungen und die Auszahlung von Steuergeldern fließen in den deutschen Haushalt und werden nicht zweckgebunden an spezifische Behörden wie die Bundespolizei weitergegeben. Sie finden üblicherweise Verwendung im allgemeinen Staatshaushalt. Ein Besuch im Casino auf Malta oder Curaçao ist hierzulande hingegen weiterhin illegal und bietet Spielern keinen rechtlichen Schutz. Daher ist es elementar, sich auf die GGL-Whitelist zu verlassen.

Was das für GGL-Casinos heißt

Für Casinos, die eine Lizenz der GGL besitzen, bedeutet die Situation in Brasilien vor allem, dass andere Jurisdiktionen ihre eigenen Wege zur Regulierung und Besteuerung finden. Deutsche Betreiber unterliegen bereits einem strengen Regime, das auf den GlüStV 2021 abgestimmt ist. Dies umfasst hohe Compliance-Anforderungen, technische Standards und Maßnahmen zum Spielerschutz. Die Besteuerung in Deutschland ist ebenfalls klar geregelt und dient der Finanzierung der öffentlichen Haushalte der Länder.

Während in Brasilien die Steuererhöhungen und die Mittelverteilung politisch verhandelt werden, sind die Rahmenbedingungen für GGL-Casinos stabil. Die GGL arbeitet kontinuierlich daran, den Markt sicherer und fairer zu gestalten. Diese Entwicklungen zeigen den globalen Trend, Glücksspielmärkte strenger zu regulieren und steuerlich stärker zu belasten, um Einnahmen für den Staat zu generieren. Die Art und Weise, wie diese Einnahmen verwendet werden, variiert dabei stark je nach Land.

„Die Vorschlag erhöht die Besteuerung von Festquotenwettanbietern und untermauert die Strategie der Regierung, Marktregulierung mit Umsatzgenerierung im neu regulierten Wettsektor zu verbinden.“ – BPC Partners, Newsletter Januar 2026

Quellen & weiterführende Links

Glücksspiel kann süchtig machen. Spielen Sie verantwortungsbewusst. Hilfe und Beratung unter 0800 1 372 700 (BZgA, kostenlos & anonym).

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