Glücksspielumfrage 2025: Problemspielrate in Großbritannien bei 2,4%

Eine neue Umfrage zeigt, dass die Problemspielrate in Großbritannien im Jahr 2025 leicht auf 2,4% gesunken ist. Trotzdem gibt es weiter Kritik an der Methodik.
Die aktuelle Glücksspielumfrage für Großbritannien (GSGB) aus dem Juli 2026 wirft ein Schlaglicht auf die Entwicklungen im Glücksspielmarkt des Vereinigten Königreichs. Weniger Menschen haben 2025 gespielt, die Online-Beteiligung blieb stabil. Doch die Ergebnisse werden seit ihrer Einführung im Jahr 2023 intensiv diskutiert und stoßen auf erhebliche Kritik. Besonders die Aussagekraft der Daten wird angezweifelt.
Die nun präsentierten Zahlen der Glücksspielkommission deuten auf eine leichte Entspannung bei den Problemspielern hin. Dennoch warnen Experten davor, die Ergebnisse überzubewerten. Es scheint, als gäbe es unterschiedliche Sichtweisen auf die Methodik und Relevanz der erhobenen Daten, was die Debatte um effektiven Spielerschutz und Regulierung weiter anheizt.
Zahlen und Fakten
Die jüngste Glücksspielumfrage für Großbritannien (GSGB), veröffentlicht im Juli 2026, zeigt eine leichte Abnahme der gesamten Spielbeteiligung. Im Jahr 2025 spielten 59% der Erwachsenen in den letzten zwölf Monaten, ein marginaler Rückgang gegenüber 60% im Vorjahr. Die Beteiligung in den letzten vier Wochen sank von 48% auf 47%. Glücksspiel-Experte Dan Waugh, Partner bei Regulus Partners, äußert sich kritisch zur Methodik der GSGB: „Die Umfrage ist wahrscheinlich darauf ausgelegt, Spieler (und insbesondere stark engagierte Spieler) übermäßig abzubilden, da sie als Glücksspielumfrage beworben wird.“
Die Nationale Lotterie blieb das beliebteste Glücksspielprodukt, mit 31% der Erwachsenen, die Lose kauften. Die Teilnahme an anderen Wohltätigkeitslotterien blieb bei 16% konstant. Rubbellose verzeichneten einen leichten Rückgang von 13% auf 12%. Die Problemspielrate, gemessen am Problem Gambling Severity Index (PGSI), fiel von 2,7% im Jahr 2024 auf 2,4% im Jahr 2025. Das ist ein Rückgang des Anteils derjenigen, die einen Wert von acht oder mehr Punkten erreichten. Allerdings stieg der Anteil der moderat risikoreichen Spieler leicht von 3,1% auf 3,5%. Der Anteil der Spieler mit geringem Risiko sank von 8,8% auf 7,8%.
Die Glücksspielkommission selbst merkte an, dass diese Zahlen auf einer „Kopfebene“ die Kundenbindung stabil zeigen. Sie betonte aber, dass die Umfrage nützlich ist, um Trends auf einer Subpopulationsebene zu erkennen, darunter eine Zunahme der Spielbeteiligung bei Männern über 55 Jahren. Interessant ist auch, dass der Anteil der Befragten, die von Glücksspielschäden durch andere Betroffene berichten, von 48% auf 43,2% sank.
Dem widersprechen andere Studien. Zum Beispiel zeigt eine Analyse aus dem Oktober 2025, dass schätzungsweise 1,4 Millionen Erwachsene in Großbritannien ein Glücksspielproblem haben. Dies entspricht 2,7% der Erwachsenen, die auf dem PGSI einen Wert von 8 oder mehr erreichen. Diese Studie, von der Glücksspielkommission selbst in einer früheren Veröffentlichung (2025) anerkannt, wurde als „Meilensteinstudie“ bezeichnet und hob die wachsende Gefahr von Spielautomaten und In-Play-Wetten hervor.
Hintergrund
Die GSGB-Umfrage zieht seit ihrer Einführung scharfe Kritik auf sich. Dan Waugh kritisiert die Zuverlässigkeit der Daten. Er behauptete im Voraus, die Kommission veröffentliche „Ergebnisse im Wissen, dass die Ergebnisse ungenau sind“. Waugh befürchtet, diese Daten könnten genutzt werden, um „strengere Kontrollen für Verbraucher und höhere Steuern für Lizenznehmer“ zu rechtfertigen. Er weist darauf hin, dass die GSGB im Vergleich zu früheren offiziellen Umfragen wie den NHS Health Surveys und der British Gambling Prevalence Survey höhere Raten der Spielbeteiligung und des Problemspiels ausweist. Er argumentiert, dass telefonische Umfragen Glücksspiel und Problemspiel unterschätzen könnten, während die GSGB per Definition Spieler überrepräsentiert, weil sie als Glücksspielumfrage beworben wird. Telefonische Umfragen sind auch anfälliger für „Soziale Erwünschtheit“, bei der Befragte Antworten geben, die als sozial akzeptabler angesehen werden.
Die Glücksspielkommission muss nach Ansicht von Dan Waugh eine detailliertere Analyse der gesammelten Informationen vornehmen und Inkonsistenzen im Vergleich zu anderen Branchenumfragen besser identifizieren, um den UK Statistics Authority's Code of Practice einzuhalten. Dieser verlangt, dass die Qualität der Statistiken, einschließlich Stärken und Einschränkungen, prominent erläutert wird.
Derweil geht Gambling With Lives, eine Organisation, die sich für den Kampf gegen Glücksspielsucht einsetzt, davon aus, dass 1,4 Millionen Erwachsene in Großbritannien unter Problemglücksspiel leiden. Die Organisation unterstreicht damit die Schwere des Themas, auch wenn die neueste GSGB einen leichten Rückgang der Problemspieler zeigt. Besonders besorgniserregend sind laut Gambling With Lives die hohen Raten des Problemglücksspiels bei 18- bis 24-Jährigen (10,2%) und bei Nutzern von Online-Slots und Casinospielen, wo über 40% der Nutzer ernsthaft geschädigt werden. Die Organisation spricht auch von der psychischen Belastung: mehr als 12% der Befragten haben über Selbstmord nachgedacht oder es versucht. Über 5% verbinden dies konkret mit Glücksspielproblemen. Diese Zahlen stellen einen deutlichen Kontrast zur allgemeinen Reduzierung der Problemspieler in der GSGB-Erhebung dar.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Die Debatte in Großbritannien um die Genauigkeit von Daten zum Problemglücksspiel ist auch für deutsche Spieler wichtig. Sie zeigt, wie schwierig es ist, verlässliche Zahlen zu erhalten und passende Regulierungen zu finden. In Deutschland regelt der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) das Online-Glücksspiel. Er hat strenge Regeln für den Spielerschutz eingeführt. Dazu gehören die 1-Euro-Einsatzgrenze pro Spin bei Spielautomaten und ein monatliches Einzahlungslimit von 1.000 Euro für alle Anbieter zusammen. Diese Limits sollen das Risiko von Problemglücksspiel minimieren. Das zentrale Sperrsystem LUGAS ist ein weiterer Baustein im deutschen Spielerschutz. Es ermöglicht Spieler, sich spielformübergreifend selbst zu sperren.
Anders als in Großbritannien, wo die Glücksspielkommission ihre Daten erhebt, ist in Deutschland die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) für die Lizenzierung und Aufsicht zuständig. Die GGL legt großen Wert auf die Einhaltung der Vorschriften und den Schutz der Spieler. Deutsche Spieler sollten daher ausschließlich bei Anbietern spielen, die eine deutsche Lizenz besitzen und auf der GGL-Whitelist stehen. Das gewährleistet den besten Schutz vor Spielsucht und Finanzproblemen. Das ist etwas ganz anderes als die teils laschen Regulierungen unter MGA- oder Curacao-Lizenzen, die hierzulande kein legales Angebot darstellen. Trotz aller Kritik an der GSGB in Großbritannien ist die Diskussion dort ein wichtiger Hinweis darauf, dass auch in Deutschland die langfristige Überprüfung der Maßnahmen und ihrer Wirksamkeit essenziell ist.
Was das für GGL-Casinos heißt
Für Online-Casinos mit deutscher GGL-Lizenz bedeutet die Debatte in Großbritannien auch eine ständige Verpflichtung, den Spielerschutz ernst zu nehmen. Der GlüStV 2021 hat bereits hohe Standards gesetzt, die britische Zahlen – ob nun als gering oder hoch eingestuft – immer im Auge behalten müssen. GGL-lizensierte Anbieter müssen sich an strenge Werbevorschriften halten und Spielern umfassende Informationen und Hilfsangebote bereitstellen. Präventionsmaßnahmen und die strikte Einhaltung der Einsatz- und Einzahlungslimits sind hier keine Empfehlung, sondern Pflicht. Auch Selbstsperren über LUGAS müssen reibungslos funktionieren. Die Diskussionen in anderen Ländern, wie im Vereinigten Königreich, können für die GGL nützliche Einblicke liefern. Sie kann so ihre eigenen Schutzmaßnahmen anpassen und verbessern. Die Zahlen der GSGB, auch wenn sie umstritten sind, sollten die GGL und ihre Lizenznehmer dazu anregen, die Wirksamkeit der deutschen Schutzmaßnahmen weiterhin kritisch zu hinterfragen und datenbasiert zu optimieren. Nur so kann ein sicheres und verantwortungsbewusstes Glücksspielumfeld für deutsche Spieler gewährleistet werden.
„In den letzten Jahren hat die Glücksspielkommission Millionen Pfund in Anti-Glücksspiel-Aktivismus gesteckt, Beweise aus Bequemlichkeit unterdrückt und illiberale Sprachcodes gefördert. Sie hat sich an Verhalten am Rande des Erlaubten bewegt.“ - Dan Waugh, Partner bei Regulus Partners
Quellen & weiterführende Links
- Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL): gluecksspiel-behoerde.de
- Whitelist erlaubter Online-Anbieter: GGL-Whitelist
- BZgA Spielsucht-Hotline: 0800 1 372 700 (kostenlos, anonym, 24/7)
- Redaktionelle Methodik: Redaktionsrichtlinien Lustich.de
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