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Südafrika ringt um Online-Glücksspiel: Nationale Regeln und ein Flickenteppich

11. Juli 20265 Min.von Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Südafrika ringt um Online-Glücksspiel: Nationale Regeln und ein Flickenteppich

Südafrikas Glücksspielregulierung ist ein komplexes Geflecht aus nationalen Vorgaben und provinziellen Zuständigkeiten. Trotz eines Gesetzentwurfs für Online-Glücksspiel von vor 16 Jahren, der nie unterschrieben wurde, versucht das Land nun durch ein neues Gesetz und ein Verifizierungsportal mehr Struktur zu schaffen.

Südafrika kämpft mit einer Zerrissenheit in der Glücksspielregulierung. Das Land besitzt zwar ein nationales Rahmenwerk, doch die praktische Lizenzierung und Aufsicht obliegen den einzelnen Provinzen. Dies führt zu einem komplexen System, in dem eine Lizenz in einer Provinz nicht automatisch für eine andere Gültigkeit besitzt. Besonders das Online-Glücksspiel stellt die Behörden vor große Herausforderungen, da es bislang keine einheitliche Regulierung gibt.

Die jüngsten Entwicklungen zeigen jedoch einen klaren Willen zur Veränderung. Ein neues Verifizierungsportal der National Gambling Board (NGB) soll Klarheit für Spieler und Unternehmen schaffen. Zugleich treibt die Opposition einen eigenen Gesetzentwurf voran, um die lange überfällige Legalisierung und Regulierung von Online-Glücksspiel endlich voranzutreiben.

Zahlen und Fakten

Das südafrikanische Glücksspielsystem ist tief in nationalen und provinziellen Strukturen verwurzelt. Der National Gambling Act gibt die landesweiten Richtlinien vor. Die neun Provinzen sind jedoch für die Erteilung von Lizenzen und die Überwachung zuständig. Hierbei gibt es spezifische Lizenzen für Casinos, Buchmacher, Totalisatoren, Bingo und Glücksspielautomaten mit begrenzter Auszahlung (Limited Payout Machines oder LPMs). Auch Hersteller, Vertreiber und Technologielieferanten benötigen je nach Provinz und Leistung gesonderte Genehmigungen.

Die National Gambling Board (NGB) hat am Mittwoch ein neues, öffentlich zugängliches Verifizierungsportal gestartet. Dieses listet alle legal lizenzierten landbasierten und Online-Glücksspielbetreiber Südafrikas auf. Die NGB plant, das Portal kontinuierlich zu aktualisieren und stellt es der Öffentlichkeit, Strafverfolgungsbehörden, Steuerbehörden und Finanzinstitutionen zur Verfügung. Acting CEO Lungile Dukwana betonte die Notwendigkeit dieser Maßnahme zum Schutz der Bürger. "Diese Plattform ist ein entscheidender Schritt, um Südafrikaner vor den Gefahren des illegalen Glücksspiels zu schützen", erklärte Dukwana.

Südafrika ist der größte regulierte Glücksspielmarkt Afrikas. Im Geschäftsjahr 2024–2025 wurden im Land unglaubliche 1,5 Billionen Südafrikanische Rand (etwa 89 Milliarden US-Dollar) gesetzt. Das entspricht einem Anstieg von 31,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dennoch stammen laut der South African Bookmakers Association (SABA) 62 Prozent des Online-Glücksspiels von unlizenzierten Betreibern. Die Regierung erwägt zudem eine Steuer von 20 Prozent auf den Bruttospielertrag (Gross Gaming Revenue, GGR). Kritiker der Free Market Foundation (FMF) befürchten, dass dies Spieler nur weiter zu Offshore-Anbietern treiben könnte, die keine Steuern zahlen. Ein Gerichtsurteil des Gauteng High Court hat kürzlich bestätigt, dass Online-Casinos nach geltendem nationalem Recht illegal sind.

Hintergrund

Seit 2008 liegt ein Gesetzentwurf zur Regulierung des Online-Glücksspiels in Südafrika bereit, der aber nie vom Präsidenten unterzeichnet wurde. Die oppositionelle Democratic Alliance (DA) hat deshalb einen neuen Gesetzentwurf, den Remote Gambling Bill (B11-2024), eingebracht. Dieser Entwurf sieht drei Lizenztypen vor: eine Lizenz für Remote-Glücksspielbetreiber, eine für Hersteller, Lieferanten oder Wartungsanbieter und eine Beschäftigungslizenz. Die Anträge sollen bei den Provinzbehörden eingereicht werden, wobei die NGB das letzte Wort bei der Lizenzvergabe hat. Die DA kritisiert die Untätigkeit der regierenden Partei African National Congress (ANC).

„Indem diese Glücksspielaktivität nicht reguliert wird, wird die Erosion der Rechtsstaatlichkeit und kriminelle Aktivität gefördert, während die Öffentlichkeit nicht so effektiv geschützt wird wie bei landbasierten Glücksspielbetrieben.“ – Democratic Alliance

Die Partei betont, dass durch die fehlende Regulierung Milliarden von Rand an Einnahmen und Arbeitsplätzen an andere Glücksspieljurisdiktionen verloren gehen. Mit den bevorstehenden Wahlen am 29. Mai, bei denen die ANC ihre absolute Mehrheit verlieren könnte, steigen die Chancen für die Verabschiedung des neuen Gesetzentwurfs. Das neue Gesetz beinhaltet auch Schutzmaßnahmen wie ein Mindestalter von 18 Jahren, Kreditverbote, Selbstausschluss und Einzahlungslimits. Werbung soll strengen Regeln unterliegen und Responsible-Gambling-Botschaften enthalten.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Während Südafrika noch um eine zentrale Regulierung seines Online-Glücksspielmarktes ringt, sind die Verhältnisse in Deutschland klar definiert. Der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) hat einen rechtlichen Rahmen geschaffen, der Spieler umfassend schützt und den Markt für seriöse Anbieter öffnet. Deutsche Spieler profitieren von strengen Vorgaben, die es in Südafrika in dieser Form noch nicht gibt. Hierzu gehören das Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat, das über das zentrale LUGAS-System überwacht wird, und das Einsatzlimit von einem Euro pro Spin bei Online-Slots. Diese Maßnahmen sollen der Spielsucht präventiv entgegenwirken und ein sicheres Spielumfeld gewährleisten. Zudem sind alle in Deutschland lizenzierten Online-Casinos auf der Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) gelistet. Das bietet Spielern eine klare Orientierung und schützt vor unlizenzierten Anbietern, wie sie in Südafrika aktuell noch stark verbreitet sind.

Was das für GGL-Casinos heißt

Für Online-Casinos mit einer deutschen Lizenz der GGL bedeuten solche internationalen Entwicklungen, dass sie ihre hohen Standards beibehalten müssen. Während in Ländern wie Südafrika noch über die grundlegende Regulierung von Online-Casinos diskutiert wird und unlizenzierte Betreiber einen großen Marktanteil besitzen, haben GGL-Casinos bereits bewiesen, dass sie in einem streng regulierten Umfeld erfolgreich sein können. Die deutschen Regelungen, wie das 1-Euro-Einsatzlimit und das monatliche Einzahlungslimit, sind im internationalen Vergleich sehr restriktiv. Dennoch bieten sie ein hohes Maß an Spielerschutz und Rechtssicherheit. GGL-Casinos können sich auf ihre Compliance mit dem GlüStV 2021 verlassen und profitieren von der Transparenz, die beispielsweise durch das LUGAS-System gewährleistet wird. Das südafrikanische Beispiel zeigt, wie wichtig eine klare und zentrale Regulierung ist, um den Markt zu konsolidieren und Spieler zu schützen.

Quellen & weiterführende Links

Glücksspiel kann süchtig machen. Spielen Sie verantwortungsbewusst. Hilfe und Beratung unter 0800 1 372 700 (BZgA, kostenlos & anonym).

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