EU AML-Paket vereinheitlicht Geldwäsche-Regeln für Glücksspielanbieter ab 2027

Die Europäische Union führt ab Juli 2027 ein neues Anti-Geldwäsche-Regelwerk ein, das für Glücksspielanbieter eine gemeinsame Compliance-Grundlage schafft. Ab diesem Stichtag müssen Betreiber bei Transaktionen von mindestens 2.000 Euro, die Gewinne, Einsätze oder beides umfassen, verstärkte Sorgfaltspflichten anwenden.
Die Europäische Union hat einen wichtigen Schritt zur Vereinheitlichung der Geldwäschebekämpfung getan. Ein neues Anti-Geldwäsche-Paket (AML-Paket) tritt ab dem 10. Juli 2027 in Kraft und unterstellt Glücksspielanbieter einer gemeinsamen Reihe von Compliance-Regeln. Dies betrifft sowohl physische Spielstätten als auch Online-Angebote für Lotterien, Casinospiele, Poker und Wetten.
Obwohl es in Europa noch kein einheitliches Glücksspielgesetz gibt, soll dieses Paket die Fragmentierung in der Geldwäscheprävention reduzieren. Glücksspielanbieter bleiben als sogenannte verpflichtete Unternehmen eingestuft. Dies wird weitreichende Auswirkungen auf die operativen Prozesse der gesamten Branche haben.
Zahlen und Fakten
Das neue EU-Regelwerk zum Kampf gegen Geldwäsche (AML/CFT) wandelt bisherige Richtlinien in direkt anwendbare Vorschriften in allen Mitgliedsstaaten um, die sogenannte AMLR. Diese Verordnung tritt am 10. Juli 2027 in Kraft. Sie definiert Glücksspieldienste für AML/CFT-Zwecke und umfasst Lotterien, Casinospiele, Poker und Wetten, die sowohl physisch als auch remote angeboten werden. Glücksspielanbieter müssen kundenbezogene Sorgfaltspflichten (Customer Due Diligence) anwenden, sobald ein Spieler Gewinne auszahlt, einen Einsatz tätigt oder beides in Transaktionen von mindestens 2.000 Euro. Dieser Schwellenwert kann durch eine einzelne Operation oder mehrere miteinander verbundene Transaktionen erreicht werden.
Mitgliedstaaten können Ausnahmen für Glücksspieldienste gewähren, die ein nachweislich geringes Geldwäscherisiko aufweisen. Dies gilt jedoch in der Regel nicht für Casinos und Betreiber, deren Haupttätigkeit Online-Glücksspiel oder Sportwetten ist. Begrenzte Ausnahmen bleiben für staatlich betriebenes Online-Glücksspiel oder Dienste möglich, deren Organisation und Verwaltung staatlich reguliert sind. Solche beantragten Ausnahmen müssen von der Europäischen Kommission genehmigt werden.
Die Richtlinie (EU) 2024/1640 schreibt vor, dass alle Glücksspieldienstleister reguliert sein müssen. Nationale Beschränkungen müssen einem Allgemeinwohl dienen, diskriminierungsfrei und verhältnismäßig sein. Victor Negrescu, Vizepräsident des Europäischen Parlaments, schlug 2026 eine koordinierte europäische Steuer auf Online-Glücksspielbetreiber vor. Dieser Vorschlag sieht eine Abgabe von 1 Prozent auf den Bruttospielertrag (Gross Gaming Revenue, GGR) vor, die jährlich zwischen 2 und 4 Milliarden Euro einbringen und über die Laufzeit des EU-Haushaltsplans bis zu 28 Milliarden Euro generieren könnte. Diese Mittel sollen Bildungs- und Jugendpolitik sowie Suchtbehandlungsprogramme finanzieren.
Hintergrund
Das AML-Paket schafft eine duale Regulierung: Die Regeln zur Finanzkriminalität werden zunehmend standardisiert, während der Marktzugang weiterhin national fragmentiert bleibt. Dies bedeutet, dass ein Unternehmen zwar die einheitlichen Regeln zur Bekämpfung der Finanzkriminalität einhalten kann, aber dennoch unterschiedlichen Lizenzanforderungen in Deutschland, Österreich, Malta und anderen Ländern unterliegt. Diese Aufsplittung zeigt sich auch im Streit um Maltas Beschränkungen bei der Durchsetzung von Urteilen anderer EU-Staaten gegen maltesisch lizenzierte Glücksspielunternehmen. Die Kommission leitete im Juni 2025 ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Malta ein.
Eine zentrale Rolle wird auch die neue Anti-Geldwäsche-Behörde (AMLA) spielen. Obwohl die AMLA ausgewählte Hochrisiko-Kredit- und Finanzinstitute direkt beaufsichtigt – nicht die Glücksspielfirmen – könnten ihre Entscheidungen dennoch Auswirkungen auf Betreiber haben, und zwar über Zahlungsdienstleister und Banken. Diese Finanzinstitute, die der direkten AMLA-Aufsicht unterliegen, werden auf EU-Ebene einer Überprüfung ihrer AML-Kontrollen unterzogen. Dies könnte zu genaueren Überprüfungen von Glücksspielkunden, einer strengeren Transaktionsüberwachung und einer Prüfung der Lizenzbelastung von Betreibern führen, insbesondere dort, wo Aktivitäten mehrere nationale Märkte betreffen.
Dr. Wulf Hambach, Managing Partner bei Hambach & Hambach, merkt an, dass Aufsichtsbehörden bereits intensiver Erfahrungen austauschen, aber nationale Behörden immer noch zögern, ausländische Standards vollständig zu übernehmen. Er meint dazu:
„Erfahrungen aus regulierten Industrien in Europa zeigen, dass regulatorische Harmonisierung selten durch top-down politische Akte gelingt.“ - Dr. Wulf Hambach, Managing Partner bei Hambach & Hambach
Laut Hambach sei der Vorschlag einer EU-weiten Glücksspielsteuer zudem irreführend formuliert: „Das hat nichts mit Harmonisierung zu tun. Es ist nur eine zusätzliche Möglichkeit, mehr Geld aus einem bestimmten Sektor zu sammeln.“ Er warnt davor, dass eine übermäßige Besteuerung dazu führen könnte, den Schwarzmarkt zu stärken, wie dies bereits in Deutschland durch die sehr hohe Besteuerung von Online-Slots und Poker geschehen sei.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Spieler bedeuten diese Entwicklungen eine weitere Stärkung des Verbraucherschutzes und der Sicherheit im Online-Glücksspiel. Der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) hat in Deutschland bereits strenge Regeln für lizenzierte Anbieter festgelegt. Casinos mit einer Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) müssen sich an Richtlinien wie das 1-Euro-Einsatzlimit pro Spin bei Spielautomaten und das monatliche Einzahlungslimit von 1.000 Euro halten. Das Überwachungssystem LUGAS (Länderübergreifendes Glücksspielaufsichtssystem) erfasst spielerübergreifende Limits und schützt Spieler vor exzessivem Spielverhalten.
Die neuen EU-Regeln zur Geldwäschebekämpfung ergänzen diese nationalen Maßnahmen. Sie erzwingen eine noch gründlichere Überprüfung von Finanztransaktionen bei Glücksspielanbietern. Das wiederum bedeutet, dass auch GGL-lizenzierte Casinos ihre Prozesse zur Identifizierung von Spielern und zur Überprüfung von Geldflüssen weiter optimieren müssen. Für Spieler, die sich an die Regeln halten, wird sich jedoch im Alltag wenig ändern, außer dass die Sicherheit ihrer Einlagen und Abhebungen noch weiter erhöht wird. Der Fokus liegt weiterhin auf dem Schutz vor illegalen Aktivitäten und der Förderung eines verantwortungsvollen Spiels.
Was das für GGL-Casinos heißt
Für GGL-lizenzierte Casinos bedeuten die neuen EU-Vorschriften eine Anpassung ihrer Compliance-Systeme. Sie müssen sicherstellen, dass ihre internen Abläufe den erweiterten Sorgfaltspflichten ab 2027 entsprechen. Dazu gehört vor allem die genaue Überwachung von Transaktionen ab 2.000 Euro, sei es durch Einzeltransaktionen oder durch mehrere, miteinander verbundene Vorgänge.
Die harmonisierten EU-Vorschriften könnten den administrativen Aufwand für GGL-Casinos, die auch in anderen EU-Ländern aktiv sind, potenziell verringern, da sie im Bereich der Geldwäschebekämpfung auf einheitliche Standards zurückgreifen können. Gleichzeitig bleiben die nationalen Lizenzanforderungen bestehen, was die Notwendigkeit flexibler Systeme unterstreicht, die sowohl EU-weite Compliance als auch länderspezifische Vorschriften abdecken können. Finanzinstitute, die mit diesen Casinos zusammenarbeiten, werden genauer hinschauen, was indirekt den Druck auf die Glücksspielanbieter erhöhen wird, ihre AML-Kontrollen lückenlos umzusetzen. Dies fördert letztlich ein transparenteres und sichereres Umfeld im Online-Glücksspiel, im Einklang mit den Zielen des GlüStV 2021.
Quellen & weiterführende Links
- Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL): gluecksspiel-behoerde.de
- Whitelist erlaubter Online-Anbieter: GGL-Whitelist
- BZgA Spielsucht-Hotline: 0800 1 372 700 (kostenlos, anonym, 24/7)
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