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Technik

ADI Predictstreet: Milliarden-Bewertung trifft auf geringe Einnahmen

21. August 20266 Min.von Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
ADI Predictstreet: Milliarden-Bewertung trifft auf geringe EinnahmenKI-GENERIERT

Trotz einer Bewertung von 6,86 Milliarden Dollar generiert die ADI Chain laut neuen Daten nur etwa 7.248 Dollar an täglichen Gebühren.

Die Welt der Krypto-Wetten verspricht oft Revolutionen, doch die Realität bleibt hinter den glänzenden Werbebannern zurück. ADI Predictstreet, ein Startup für Prognosemärkte, das während der Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer plötzlich als FIFA-Partner auf den Anzeigetafeln neben Giganten wie Coca-Cola und Visa erschien, steht nun im Fokus einer kritischen Analyse. Das Unternehmen vermarktet seine ADI Chain als institutionelle Blockchain aus Abu Dhabi, doch ein Blick in die öffentlichen Daten zeichnet ein Bild, das kaum zum kolportierten Milliardenwert passt. Während die Plattform eine Bewertung von fast sieben Milliarden Dollar erreicht, bleiben die tatsächlichen Nutzerzahlen und Umsätze im Vergleich dazu verschwindend gering.

Die Untersuchung zeigt, dass die Plattform tägliche Gebühren von gerade einmal 7.248 Dollar generiert. Dies steht in einem scharfen Kontrast zur Marktkapitalisierung des Tokens, der auf einer voll verwässerten Basis (Fully Diluted Valuation, FDV) mit rund 6,86 Milliarden Dollar gehandelt wird. Auch wenn FDV-Werte in der Kryptowelt oft theoretischer Natur sind, verdeutlicht die Zahl die enorme Erwartungshaltung, die das Projekt geschürt hat. In der Praxis scheinen jedoch nur wenige Nutzer echtes Geld zu bewegen. Die meisten Transaktionen auf der Chain sind automatisierte Abläufe des Betreibers, keine Aktivitäten tausender individueller Wetter.

Zahlen und Fakten

Im Juli berichtete eine Quelle, dass die Plattform in den ersten 18 Tagen rund 126.000 Transaktionen verzeichnet habe. Was auf den ersten Blick nach viel klingt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als statistische Kosmetik. Die Analyse der Blockchain-Daten zeigt, dass die Handelsgrößen meist zwischen 4 und 35 Dollar liegen. In einem 24-Stunden-Zeitraum im August wurden lediglich etwa 7.248 Dollar an Gebühren eingenommen. Zum Vergleich: Etablierte Konkurrenten wie Kalshi oder Polymarket setzten allein bei Wetten auf den Weltmeister Milliardenbeträge um. Bei ADI hingegen waren Mitte August nur etwa 4,14 Millionen Dollar an Gesamtwert (Total Value Locked, TVL) auf der Chain hinterlegt.

Besonders auffällig ist die technische Abhängigkeit. Obwohl ADI mit eigenen digitalen Schienen für Dirham-Stablecoins wirbt, finden fast alle Transaktionen in USDC.e statt, einer Dollar-basierten Währung des Anbieters Circle. Der offiziell lizenzierte Dirham-Stablecoin DDSC hatte laut Datenstand nur 63 Halter. Die Technologie, die als nächste Generation der Wettbranche angepriesen wird, basiert zudem auf Frameworks wie CTFExchange und NegRiskCtfExchange, die bereits von Wettbewerbern wie Polymarket bekannt sind. Die Innovation scheint also eher in der geschickten Vermarktung als in der proprietären Software zu liegen.

Hintergrund

Ein wesentlicher Kritikpunkt ist die intransparente Kontrollstruktur des Netzwerks. Die Macht über Upgrades und Geldbewegungen liegt bei einem Multi-Signature-Wallet mit drei anonymen Schlüsselhaltern. Im Gegensatz zu etablierten Projekten gibt ADI nicht bekannt, wer diese Schlüssel kontrolliert oder ob es Sicherheitsmechanismen wie Zeitverzögerungen für Änderungen gibt. Diese Intransparenz ist besonders für institutionelle Partner riskant. Dennoch konnte ADI eine exklusive Partnerschaft mit dem Sport-Streamer DAZN abschließen, um Prognosemärkte in über 200 Märkten zu integrieren. Ein Sprecher von DAZN stellte jedoch klar, dass aktuell nur eine kostenlose Spielvariante verfügbar ist.

Interessanterweise weicht ADI dort von der Blockchain ab, wo es ernst wird: In streng regulierten Märkten wie dem Vereinigten Königreich. Dort werden Kunden nicht über die Blockchain abgewickelt, sondern direkt zur etablierten Wettbörse Matchbook geleitet. Das zeigt, dass die Blockchain-Lösung im Kontakt mit staatlichen Aufsichtsbehörden offenbar noch nicht reif genug ist oder als zu riskant eingestuft wird. Das Unternehmen nutzt bewährte, lizenzierte Infrastruktur für das operative Geschäft, während die Blockchain vor allem als Branding-Instrument dient.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Für deutsche Spieler ist die Situation eindeutig: Plattformen wie ADI Predictstreet verfügen über keine Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL). Der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) setzt extrem hohe Hürden für Anbieter von Sportwetten und Prognosemärkten. In Deutschland dürfen nur Anbieter operieren, die auf der sogenannten Whitelist stehen. Diese müssen strenge Spielerschutzmaßnahmen wie das monatliche Einzahlungslimit von 1.000 Euro über das LUGAS-System und das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin bei Slots (bzw. entsprechende Begrenzungen bei Sportwetten) umsetzen.

Prognosemärkte auf Blockchain-Basis, die anonyme Wallets oder unregulierte Stablecoins nutzen, sind in Deutschland illegal. Deutsche Kunden, die auf solchen Plattformen wetten, genießen keinerlei rechtlichen Schutz. Zudem fehlen Mechanismen wie die Anbindung an die Sperrdatei OASIS. Wer in Deutschland sicher wetten möchte, sollte ausschließlich bei GGL-lizenzierten Buchmachern spielen, da hier die Einhaltung deutscher Sicherheitsstandards garantiert ist.

Was das für GGL-Casinos heißt

Für regulierte deutsche Casinos und Wettanbieter liefert der Fall ADI eine wichtige Lektion: Die Integration von Blockchain-Technologie ist im aktuellen regulatorischen Umfeld kaum praktikabel. Während Krypto-Startups mit hohen Bewertungen und globalen Partnerschaften locken, zeigt die Praxis, dass die technische Umsetzung oft hinter den Versprechen zurückbleibt. GGL-lizenzierte Anbieter müssen weiterhin auf Transparenz und staatlich geprüfte Zahlungswege setzen. Der Verzicht von ADI auf Blockchain in regulierten Märkten wie UK bestätigt, dass traditionelle Infrastrukturen derzeit das einzige verlässliche Modell für legales Glücksspiel sind.

„Die ADI-Blockchain trägt fast nichts zum tatsächlichen Geschäft von Predictstreet bei, wie die öffentlichen Aufzeichnungen zeigen.“ - Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse von Gambling Insider.

Häufige Fragen

Wie viel verdient ADI Predictstreet mit Gebühren?

Die Plattform generiert laut einer Untersuchung von Gambling Insider nur etwa 7.248 US-Dollar an Gebühren pro Tag. Dies steht in krassem Gegensatz zur Milliardenbewertung des Unternehmens.

Ist ADI Predictstreet ein Partner der FIFA?

Ja, das Unternehmen trat während der Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer 2026 als offizieller Partner in Erscheinung. Es wurde auf den Anzeigetafeln neben großen Marken wie Coca-Cola beworben.

Welche Währungen werden auf der ADI Chain genutzt?

Obwohl das Projekt eigene Stablecoins bewirbt, werden die meisten Transaktionen über USDC.e abgewickelt. Der eigene Dirham-Stablecoin DDSC wird kaum genutzt und hatte zuletzt nur 63 Halter.

Warum nutzt ADI in Großbritannien keine Blockchain?

In regulierten Märkten wie dem Vereinigten Königreich leitet ADI Kunden an die konventionelle Wettbörse Matchbook weiter. Dies dient vermutlich dazu, regulatorische Hürden zu umgehen, die eine Blockchain-Lösung mit sich brächte.

Dürfen deutsche Spieler bei ADI Predictstreet wetten?

Nein, ADI Predictstreet besitzt keine Lizenz der GGL und steht nicht auf der offiziellen Whitelist. Deutsche Spieler sollten nur bei Anbietern wetten, die den Regeln des GlüStV 2021 unterliegen und LUGAS nutzen.

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Über die Autorin

Lisa Lustich

Lisa Lustich

Chefredakteurin & Casino-Testerin

Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).

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Quellen & weiterführende Links

Erwähnte Unternehmen:ADI Predictstreet

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