Poker um 13. Casino-Lizenz in Österreich: Neue Regeln und Kritik an Paketlösung
KI-GENERIERTÖsterreich plant die Vergabe einer 13. Casino-Konzession, während das erforderliche Grundkapital von 22 Mio. auf 10 Mio. Euro sinken soll.
In Österreich braut sich ein gewaltiger Umbruch auf dem Casinomarkt zusammen. Die Bundesregierung unter Finanzminister Markus Marterbauer bereitet eine Neuausschreibung der Konzessionen vor, die weit über eine bloße Verlängerung bestehender Lizenzen hinausgeht. Bisher kontrolliert der Platzhirsch Casinos Austria (CASAG) das Geschehen mit zwölf Standorten, die in ein Stadt- und ein Landpaket unterteilt sind. Doch mit dem Auslaufen der Verträge in den Jahren 2027 und 2030 soll sich das Bild wandeln. Geplant ist nicht nur eine Liberalisierung, sondern auch die Schaffung eines 13. Standorts, was Begehrlichkeiten und Kritik gleichermaßen weckt. Wien gilt als heißer Kandidat für diese zusätzliche Spielbank, aber auch das Burgenland wird als strategisch günstiger Ort für den grenznahen Tourismus gehandelt.
Das politische Tauziehen dreht sich vor allem um die Art der Vergabe. Das Finanzministerium hält an der Bündelung von Lizenzen in Paketen fest. Die offizielle Begründung lautet, dass so auch weniger profitable Standorte in ländlichen Regionen erhalten bleiben. Man wolle verhindern, dass sich Bewerber nur die rentablen Rosinen herauspicken. Dies stößt jedoch auf erheblichen Widerstand bei Aufsichtsbehörden und Wettbewerbern. Die Finanzprokuratur warnt bereits jetzt vor einem hohen Risiko für juristische Beeinspruchungen, da Pakete naturgemäß unattraktive Standorte mitschleifen und so den fairen Wettbewerb verzerren könnten.
Zahlen und Fakten
Ein Blick auf die nackten Zahlen verdeutlicht die wirtschaftliche Brisanz. Das rentabelste Casino des Landes befindet sich derzeit in Bregenz, was maßgeblich auf die kaufkräftige Kundschaft aus Deutschland, Liechtenstein und der Schweiz zurückzuführen ist. Direkt dahinter folgt der Standort in der Wiener Kärntnerstraße. Um den Markt für neue Akteure zu öffnen, sieht der aktuelle Gesetzesentwurf eine deutliche Senkung der Hürden vor. Das erforderliche Grundkapital für eine Spielbank soll von 22 Millionen Euro auf 10 Millionen Euro reduziert werden. Damit könnten theoretisch erstmals kleinere österreichische Unternehmer in den Ring steigen, sofern sie nicht durch die Paketvergabe wieder ausgebremst werden.
Niklas Sattler, Geschäftsführer der Beratungsgesellschaft Aleatrust und ehemaliger Manager bei Casinos Austria, sieht die Paketlösung kritisch. Er vertritt die Ansicht, dass nur Einzelausschreibungen echte Fairness garantieren würden. Sattler argumentiert, dass die Regionen Wien, Niederösterreich und das Burgenland rund 40 Prozent der Bevölkerung stellen, derzeit aber nur zwei Standorte besitzen. Er fordert eine bessere Verteilung und warnt davor, dass die Absenkung des Grundkapitals wirkungslos bleibe, wenn man gezwungen sei, gleich ein ganzes Bündel an Spielstätten zu übernehmen.
„Wenn dann aber doch im Paket vergeben wird, war diese Öffnung nie ernst gemeint.“ - Niklas Sattler, Geschäftsführer Aleatrust
Hintergrund
Die Kritik an der Paketvergabe ist nicht neu. Bereits im Jahr 2016 rügte der Rechnungshof das Finanzministerium, da keine ordnungspolitisch optimale räumliche Verteilung der Konzessionen belegt werden konnte. Um solche Vorwürfe künftig zu vermeiden, plant das Ministerium nun eine wissenschaftliche Untersuchung. Nach dem Beschluss des neuen Glücksspielgesetzes soll eine objektive Studie mit transparenten Kriterien durchgeführt werden, um die Standorte sachlich zu begründen. Dabei stehen Faktoren wie Bevölkerungsdichte, Tourismuspotenzial und sozioökonomische Bedingungen im Fokus. Auch der Spielerschutz wird als Argument angeführt, da eine staatlich kontrollierte Ausweitung des legalen Angebots den „Zocktourismus“ in Nachbarländer mit weniger strengen Regeln eindämmen könnte.
Auch vonseiten des amtierenden Monopolisten gibt es klare Positionen. Patrick Minar, Sprecher der Casinos Austria, betont die Notwendigkeit der Pakete, um einen ruinösen Wettbewerb und aggressives Marketing zu verhindern. Ein zu hoher Konkurrenzdruck könne den Spielerschutz gefährden. Die Debatte zeigt den tiefen Riss zwischen dem Wunsch nach Marktöffnung und dem Festhalten an bewährten, aber monopolartigen Strukturen.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Casinofans, insbesondere jene aus Süddeutschland, bleibt der Standort Österreich attraktiv, aber regulativ getrennt. Während in Deutschland der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) mit harten Limits regiert, gelten in österreichischen Spielbanken andere Regeln. In Deutschland sorgt die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) für die Einhaltung der Whitelist. Hier müssen Online-Spieler mit einem anbieterübergreifenden Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat und dem 1-Euro-Limit pro Spin bei Slots rechnen. Systeme wie LUGAS und OASIS überwachen diese Grenzen streng. Die geplanten Änderungen in Österreich betreffen primär das landbasierte Spiel, doch die dortigen hohen Standards beim Spielerschutz sind ein direkter Spiegel der europäischen Bemühungen, den Markt zu ordnen. Deutsche Grenzgänger, die das Casino in Bregenz besuchen, werden weiterhin die dortige Atmosphäre genießen können, müssen sich aber bewusst sein, dass die rechtliche Sicherheit und der Spielerschutz in Deutschland durch die GGL-Lizenzierung auf einem ganz anderen, zentralisierten Niveau stattfinden.
Was das für GGL-Casinos heißt
Casinos mit einer deutschen GGL-Lizenz operieren in einem der sichersten, aber auch am stärksten reglementierten Umfelder weltweit. Die Entwicklungen in Österreich zeigen, dass auch Nachbarländer versuchen, den Spagat zwischen attraktivem Markt und strenger Kontrolle zu meistern. Für Anbieter auf der deutschen Whitelist bedeutet die Stabilität des GlüStV 2021 Planungssicherheit, während in Österreich durch die Paketvergabe und die mögliche 13. Lizenz noch erhebliche politische und juristische Unwägbarkeiten bestehen. Deutsche Betreiber können sich durch ihre Erfahrung mit strengen Limits und LUGAS-Anbindungen als Vorreiter im verantwortungsbewussten Glücksspiel positionieren, was langfristig ein Wettbewerbsvorteil gegenüber den weniger streng regulierten Märkten in Osteuropa oder bei MGA-Anbietern sein kann.
Häufige Fragen
Wo soll das neue 13. Casino in Österreich entstehen?
Aktuell wird über zwei mögliche Standorte spekuliert: Entweder erhält die Bundeshauptstadt Wien eine zweite Spielbank oder es wird ein grenznaher Standort im Burgenland gewählt. Die endgültige Entscheidung soll auf Basis einer wissenschaftlichen Studie des Finanzministeriums fallen.
Warum ist die Paketvergabe der Lizenzen so umstritten?
Kritiker wie die Finanzprokuratur befürchten, dass durch die Koppelung von lukrativen und unrentablen Standorten der Wettbewerb behindert wird. Kleinere Unternehmen haben kaum eine Chance, ein ganzes Paket zu übernehmen, was den aktuellen Monopolisten Casinos Austria bevorzugen könnte.
Wie hoch muss das Grundkapital für ein Casino künftig sein?
Laut dem neuen Gesetzesentwurf soll das erforderliche Grundkapital von bisher 22 Millionen Euro auf 10 Millionen Euro gesenkt werden. Ziel dieser Maßnahme ist es, den Markt auch für andere österreichische Unternehmer zu öffnen.
Welcher Casino-Standort ist in Österreich am profitabelsten?
Das Casino in Bregenz gilt als der rentabelste Standort des Landes, was vor allem an den Besuchern aus Deutschland, der Schweiz und Liechtenstein liegt. Auf dem zweiten Platz der Ertragsskala folgt das Casino in Wien.
Welche Regeln gelten für deutsche Spieler im Vergleich zu Österreich?
In Deutschland unterliegen Spieler dem GlüStV 2021 mit einem monatlichen Einzahlungslimit von 1.000 Euro und dem 1-Euro-Einsatzlimit bei Online-Slots. Wer in Österreich landbasierte Casinos besucht, unterliegt den dortigen Gesetzen, genießt aber nicht den Schutz des deutschen LUGAS-Systems.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
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