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Regulierung

Terrorfinanzierung im Fokus: Britische Aufsicht erhöht Risikostufe für Casinos

Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Terrorfinanzierung im Fokus: Britische Aufsicht erhöht Risikostufe für CasinosKI-GENERIERT

Die UK Gambling Commission stuft das Risiko für Terrorfinanzierung in Casinos für das Jahr 2026 auf Mittel hoch. Besonders White-Label-Konstrukte stehen in der Kritik.

Die britische Glücksspielbehörde hat ihren Sicherheitsbericht für das Jahr 2026 vorgelegt und schlägt Alarm. In der umfassenden Risikobewertung zu Geldwäsche und Terrorfinanzierung wird deutlich, dass sich die Bedrohungslage für lizenzierte Betreiber massiv verschärft hat. Besonders besorgniserregend ist die Heraufstufung des Risikos für Terrorfinanzierung im Casinosektor von niedrig auf mittel. Diese Einschätzung basiert auf Daten, die zwischen April 2023 und Oktober 2025 erhoben wurden. Die Aufseher sehen in der technologischen Entwicklung ein zweischneidiges Schwert, da künstliche Intelligenz zunehmend genutzt wird, um Kontrollmechanismen zu umgehen.

Ein zentraler Punkt des Berichts ist die Warnung vor Deepfakes und KI-generierten Identitätsdokumenten. Kriminelle nutzen immer häufiger Face-Swap-Videos, um die Identitätsprüfung (Customer Due Diligence) bei Online-Casinos zu täuschen. Gleichzeitig wächst der Druck durch illegale Webseiten, die in Business-to-Business-Beziehungen für undurchsichtige Finanzströme sorgen. Die Behörde betont, dass vor allem Poker und Wettbörsen, die auf Peer-to-Peer-Modellen basieren, ein hohes Risiko für Geldwäsche aufweisen. Sowohl im digitalen als auch im terrestrischen Bereich stehen diese Produkte unter besonderer Beobachtung.

Zahlen und Fakten

Die wirtschaftliche Dimension der Branche ist gewaltig. Zwischen April 2024 und März 2025 erreichte der Rohertrag (Gross Gambling Yield) im Bereich der Remote-Casinos stolze 5 Milliarden Pfund. Den Löwenanteil machten dabei Spielautomaten mit 4,2 Milliarden Pfund aus. Im Gegensatz dazu erwirtschafteten stationäre Wetten 2,5 Milliarden Pfund, wovon lediglich 28 Millionen Pfund auf Wetten direkt an der Rennstrecke entfielen. Auffällig ist auch die Rolle von Finanzdienstleistungen in Casinos. Im Jahr 2024 boten etwa 56 Prozent der landbasierten Lizenznehmer Geldwechsel oder Scheckeinlösungen an, was einem geschätzten Volumen von 70 Millionen Pfund entspricht. Die Aufsicht identifizierte hierbei riskante Muster wie zahlreiche kleine Fremdwährungstransaktionen oder Einzahlungen aus Hochrisiko-Ländern.

Hintergrund

Ein massives Problem stellen laut Bericht die sogenannten White-Label-Partnerschaften dar. Hierbei nutzt ein Partner die Lizenz eines anderen Unternehmens, um ein eigenes Angebot zu betreiben. Die Gambling Commission stellte fest, dass die Hauptlizenznehmer oft eine mangelhafte Aufsicht über ihre Partner ausüben. Ein prominentes Beispiel ist der Fall von FSB Technology. Das Unternehmen musste einen Vergleich in Höhe von 634.300 Pfund akzeptieren, nachdem schwere Versäumnisse bei der Überwachung von Partnern festgestellt wurden.

„Wir haben festgestellt, dass FSB zwar vertragliche Vereinbarungen mit seinen White-Label-Partnern getroffen hatte, aber keine ausreichenden Maßnahmen ergriff, um sicherzustellen, dass diese die Lizenzbedingungen und Verhaltensregeln einhielten.“ - Sprecher der Gambling Commission

Ein Kunde konnte bei einem dieser Partner innerhalb von 18 Monaten rund 282.000 Pfund verlieren, ohne dass die Herkunft der Mittel angemessen geprüft wurde. Zudem wurden Werbemails an über 2.300 Personen versendet, die sich bereits selbst gesperrt hatten. Solche Vorfälle zeigen, dass vertragliche Klauseln allein nicht ausreichen, wenn die praktische Kontrolle und Schulung des Personals fehlen.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Für deutsche Spieler ist dieser Bericht ein wichtiges Signal. Der deutsche Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) setzt bereits extrem hohe Hürden, um genau solche Risiken zu minimieren. Die zentrale Aufsichtsbehörde GGL achtet streng darauf, dass Anbieter auf der offiziellen Whitelist stehen. Mechanismen wie das Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat über alle Anbieter hinweg und das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin an virtuellen Automaten dienen direkt der Prävention von Geldwäsche und exzessivem Spielverhalten. Durch das LUGAS-System wird zudem sichergestellt, dass Spieleridentitäten verifiziert sind, was den Einsatz von Deepfakes im Vergleich zum unregulierten Markt deutlich erschwert. Deutsche Kunden sollten ausschließlich bei Anbietern mit GGL-Lizenz spielen, da nur hier die strengen deutschen AML-Richtlinien (Anti-Money Laundering) greifen.

Was das für GGL-Casinos heißt

Die Erkenntnisse aus Großbritannien dürften auch die Arbeit der GGL in Halle beeinflussen. Insbesondere die Warnung vor der Manipulation durch KI bei der Verifizierung ist eine Warnung an alle IT-Abteilungen deutscher Lizenznehmer. Wer in Deutschland operiert, muss nachweisen, dass seine Systeme gegen moderne Betrugsmaschen resistent sind. Die GGL verlangt lückenlose Nachweise über die Herkunft von Geldern, sobald bestimmte Schwellenwerte überschritten werden. Während MGA- oder Curacao-Casinos oft durch lockere Prüfungen und die Akzeptanz von Kryptowährungen auffallen, bleibt dies in Deutschland streng untersagt. Der britische Bericht bestätigt, dass Kryptowährungen oft als Kanal für organisiertes Verbrechen dienen, weshalb das deutsche Verbot dieser Zahlungsmittel im legalen Markt eine wichtige Schutzfunktion erfüllt.

Häufige Fragen

Warum wurde das Risiko für Terrorfinanzierung in Casinos hochgestuft?

Die UK Gambling Commission stufte das Risiko von niedrig auf mittel hoch, weil technologische Fortschritte wie KI-generierte Deepfakes die Identitätsprüfungen erschweren. Zudem bieten komplexe Zahlungssysteme und illegale Krypto-Casinos neue Wege für kriminelle Finanzströme.

Was sind die Gefahren von White-Label-Partnerschaften?

Bei diesen Modellen nutzen Drittanbieter die Lizenz eines etablierten Betreibers, wobei oft die notwendige Kontrolle durch den Lizenzinhaber fehlt. Dies führt zu mangelhaften Prüfungen der Geldherkunft und Fehlern beim Spielerschutz, wie etwa Marketing-Mails an gesperrte Kunden.

Wie viel Geld wurde im britischen Casinosektor umgesetzt?

Zwischen April 2024 und März 2025 erzielten Remote-Casinos einen Rohertrag von 5 Milliarden Pfund, wovon 4,2 Milliarden Pfund allein auf Online-Slots entfielen. Die britische Aufsicht nutzt diese Zahlen, um die wirtschaftliche Relevanz und das damit verbundene Risiko für den Finanzmarkt zu bewerten.

Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz beim Glücksspielbetrug?

Kriminelle nutzen KI, um täuschend echte Identitätsnachweise wie Face-Swap-Videos zu erstellen, mit denen automatische Verifizierungssysteme umgangen werden können. Die Regulierungsbehörden fordern daher von den Betreibern technologisch aufgerüstete Kontrollmechanismen, um diesen Missbrauch zu verhindern.

Sind Spieler in Deutschland vor diesen Risiken geschützt?

Ja, durch den GlüStV 2021 und die Aufsicht der GGL gelten in Deutschland strengere Regeln als in vielen anderen Ländern. Die Pflicht zur Verifizierung über LUGAS, das 1.000 Euro Einzahlungslimit und das Verbot von Kryptowährungen bei legalen Anbietern minimieren das Risiko für Geldwäsche und Betrug erheblich.

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Über die Autorin

Lisa Lustich

Lisa Lustich

Chefredakteurin & Casino-Testerin

Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).

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Quellen & weiterführende Links

Erwähnte Unternehmen:UK Gambling Commission

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