Alle Casino News auf Deutsch
Regulierung

US-Bundesstaaten machen Front gegen Prediktionsmärkte und Steuerschlupflöcher

16. Juli 20265 Min.von Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
US-Bundesstaaten machen Front gegen Prediktionsmärkte und Steuerschlupflöcher

Vertreter der US-Glücksspielgesetzgeber rufen zur verstärkten Bekämpfung von Prediktionsmärkten auf. Besonders umstritten ist das Beispiel North Carolina, wo Prediktionsmärkte mit nur 6% auf Nettogebühreneinnahmen besteuert werden.

Shawn Fluharty, der Präsident des National Council of Legislators from Gaming States (NCLGS), hat einen deutlichen Appell an Stammesführer gerichtet. Er fordert eine Offensive gegen Unternehmen, die Prediktionsmärkte betreiben. Diese Märkte stören das etablierte Glücksspielumfeld massiv. Fluharty, ein Mitglied der West Virginia Legislature, äußerte sich auf dem New Normal Podcast der Indian Gaming Association.

Die Diskussion fand im Nachgang eines NCLGS-Treffens in San Diego statt. Dort versammelten sich wichtige Akteure der Glücksspielbranche, darunter Gesetzgeber, Regulierungsbehörden, Stammesführer und Branchenvertreter. Die Hauptthemen konzentrierten sich auf die Gestaltung zukünftiger Glücksspielpolitiken, wobei Prediktionsmärkte ganz oben auf der Agenda standen. Die Stimmung ist angespannt.

Zahlen und Fakten

Fluharty geht davon aus, dass die Zukunft der Prediktionsmärkte vom Obersten Gerichtshof entschieden wird. Dieser muss klären, ob die Bundesregierung diese Märkte regulieren kann. Sollten die Unternehmen dort verlieren, werden sie sich an die Gesetzgeber der Bundesstaaten wenden. Er betonte, dass die Rechtslage auf Seiten der traditionellen Glücksspielindustrie sei.

Ein besonders brisantes Beispiel lieferte Victor Rocha, der Konferenzvorsitzende der Indian Gaming Association, mit North Carolina. Dort wurden Prediktionsmärkte mit einem deutlich geringeren Steuersatz genehmigt als traditionelle Sportwetten. Konkret beträgt die Steuer für Prediktionsmärkte ab Januar 6% auf die Nettogebühreneinnahmen. Gleichzeitig wurde der Steuersatz für Online-Sportwetten in North Carolina von 18% auf 23% angehoben.

Der ehemalige Beamte des Weißen Hauses, Mick Mulvaney, schätzt, dass North Carolina dadurch über 100 Millionen Dollar an Steuereinnahmen verschenkt. Fluharty bezeichnete dies als „Einnahmendiebstahl von Staaten“.

Ein weiteres Problem ist, dass Prediktionsmärkte oft keine Altersgrenze von 21 Jahren einhalten, wie sie für reguliertes Glücksspiel gilt. Dies macht sie anfällig für "räuberisches Verhalten" gegenüber 18- bis 20-Jährigen.

„Die Unternehmen, die sich an die Regeln gehalten haben, verdienen Schutz. Sie haben viel Geld investiert, Mitarbeiter eingestellt und Gebühren gezahlt. Ein Versprechen wurde ihnen gegeben, und es sind nicht die Staaten, die es brechen, sondern die Störer, die Prediktionsmärkte, die die Spielregeln ändern und diesen Vertrag zerreißen.“ - Shawn Fluharty, Präsident des National Council of Legislators from Gaming States (NCLGS)

Hintergrund

Die Betreiber von Prediktionsmärkten behaupten oft, sie seien Finanzhandelsplattformen und keine Glücksspielunternehmen. CBS News New York enthüllte dies in einem Bericht vom Januar 2026. Sie argumentieren, dass daher nur die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) auf Bundesebene für ihre Regulierung zuständig sei. Doch die Realität sieht anders aus. Ein Beispiel ist ein New Yorker Finanzexperte namens Zade Abdulhadi, der jede Woche auf Sport und Politik wettert. Er sagt offen: „Ich weiß, es ist alles Wetten, aber ich genieße es ein bisschen.“

Kalshi, einer der größten Prediktionsmärkte, hat sogar eine Klage gegen den US-Bundesstaat New York eingereicht. Dies geschah, nachdem die New York State Commission, welche Glücksspiel reguliert, eine Unterlassungsaufforderung an Kalshi geschickt hatte. Darin wurde Kalshi vorgeworfen, Sportwetten ohne Lizenz anzubieten. Es zeigt, wie verworren die Rechtslage ist. Der Verdacht des Insiderhandels ist auf diesen Plattformen ebenfalls groß. Ein anonymer PolyMarket-Nutzer soll beispielsweise 32.000 Dollar auf den Sturz des venezolanischen Diktators Nicholas Maduro gesetzt haben. Nur Stunden später verkündete Präsident Trump die Festnahme Maduros und der Händler verdiente 400.000 Dollar. Solche Fälle befeuern die Sorgen vor illegalen Machenschaften. DJ Hennis von KPMG weist darauf hin, dass die Nutzung nicht-öffentlicher Informationen zum Handel in diesen Märkten bereits illegal ist. Die Herausforderung besteht in der Durchsetzung der bestehenden Regeln.

Shawn Fluharty betonte die Wichtigkeit, dass die regulierte Industrie die Öffentlichkeit aufklärt. So sollen Missverständnisse über legale und illegale Angebote beseitigt werden. Er warnte, dass negative Vorfälle bei Prediktionsmärkten das Bild der gesamten Glücksspielbranche schädigen könnten, weil die öffentliche Wahrnehmung Glücksspiel dann generell als schlecht einstufen würde. Auch der Vorsitzende des Nevada Gaming Control Board, Mike Dretizer, sprach sich gegen Prediktionsmärkte aus. Nevada kämpft schon länger dafür, diese aus dem Staat fernzuhalten.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Für deutsche Spieler ist diese Debatte in den USA prinzipiell interessant, aber die direkten Auswirkungen sind eher gering. Der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) hat in Deutschland eine sehr klare und strenge Regulierung des Online-Glücksspiels geschaffen. Prediktionsmärkte, wie sie in den USA existieren und oft als Finanzprodukte deklariert werden, passen nicht in das deutsche Lizenzierungsmodell.

Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) vergibt Lizenzen an Anbieter, die sich an die strengen Vorgaben halten. Dazu gehören das 1-Euro-Einsatzlimit pro Spin bei Spielautomaten und das 1.000-Euro-Einzahlungslimit pro Monat, welches über das zentrale Überwachungssystem LUGAS kontrolliert wird. Prediktionsmärkte, die oft auf politischen oder wirtschaftlichen Ereignissen basieren und deutlich höhere Einsätze oder komplexere Wettstrukturen erlauben, würden diese Anforderungen nicht erfüllen. Eine Legalisierung solcher Märkte nach dem aktuellen GlüStV 2021 ist daher in Deutschland sehr unwahrscheinlich. Deutsche Spieler sollten sich ausschließlich an die GGL-lizenzierten Anbieter halten, um auf der sicheren Seite zu sein.

Was das für GGL-Casinos heißt

Die deutschen Online-Casinos mit GGL-Lizenz agieren in einem streng regulierten Umfeld. Das Beispiel der Prediktionsmärkte in den USA zeigt, welche Probleme entstehen, wenn Grauzonen bestehen oder Schlupflöcher in der Gesetzgebung genutzt werden. Für GGL-Casinos bedeutet dies, dass die Regulierung und die Einhaltung der Gesetze ihre größten Vorteile sind. Sie bieten Spielern Sicherheit, Spielerschutz und verlässliche Auszahlungen.

Das 1-Euro-Limit pro Spin und das monatliche Einzahlungslimit von 1.000 Euro, kombiniert mit der Anbindung an LUGAS, sollen verantwortungsbewusstes Spielen fördern. Während in den USA eine Debatte über die Altersgrenze und mögliche Einnahmeverluste entbrennt, profitieren deutsche Spieler von einem System, das klar definierte Regeln hat. Die GGL überwacht den Markt genau und geht gegen illegale Anbieter vor. Für die lizenzierten Casinos ist das ein klarer Wettbewerbsvorteil gegenüber unregulierten Angeboten.

Quellen & weiterführende Links

Glücksspiel kann süchtig machen. Spielen Sie verantwortungsbewusst. Hilfe und Beratung unter 0800 1 372 700 (BZgA, kostenlos & anonym).

Verwandte Themen