Niederlande: Polymarket-Berufung abgelehnt - Vorhersagemärkte bleiben Glücksspiel

Die niederländische Glücksspielbehörde Kansspelautoriteit (KSA) hat eine Berufung von Adventure One QSS Inc., dem Betreiber von Polymarket, zurückgewiesen. Damit bestätigt die KSA ihre Einstufung von Vorhersagemärkten als Glücksspiel nach niederländischem Recht.
Die niederländische Glücksspielbehörde Kansspelautoriteit (KSA) hat eine Berufung von Adventure One QSS Inc., dem Betreiber der Vorhersageplattform Polymarket, abgelehnt. Nach Ansicht der KSA fallen die Produkte von Polymarket unter die niederländischen Glücksspielgesetze. Das Unternehmen könnte bei Nichteinhaltung lokaler Vorschriften mit Durchsetzungsmaßnahmen rechnen müssen. Die Entscheidung wurde am 23. Juni veröffentlicht und bekräftigt die frühere Position der Behörde.
Die KSA hatte Polymarket bereits im Januar sanktioniert. Sie verlangte die sofortige Einstellung der Aktivitäten in den Niederlanden. Bei Nichteinhaltung drohten wöchentliche Geldstrafen von 420.000 Euro, bis zu einem Maximum von 840.000 Euro. Adventure One verpasste die Frist vom 17. Februar. Erst einen Tag später wurden IP-Blocking-Maßnahmen umgesetzt.
Zahlen und Fakten
Die Kansspelautoriteit (KSA) hat ihre Entscheidung zur Ablehnung der Berufung am 23. Juni 2026 veröffentlicht. Sie hatte Polymarket bereits seit Januar im Visier. Eine ursprünglich gewährte Nachfrist von vier Wochen zur Einstellung der Dienste wurde verpasst. Das führte zu automatisch auflaufenden Strafen. Die mögliche Höchststrafe liegt bei 840.000 Euro. Interessant ist auch, dass Polymarket auf seiner niederländischen Version der Plattform Nutzer dazu animierte, mittels "Wettscheinen" auf zukünftige Ereignisse zu setzen und ihr Wissen zu "profitieren".
„Das Element des Zufalls bleibt zentral für die Funktionsweise des Dienstes. Dies hält die Plattform im Rahmen des niederländischen Glücksspielgesetzes.“ - Kansspelautoriteit (KSA) zur Ablehnung der Argumente von Adventure One QSS Inc.
Polymarket argumentierte, es handele sich lediglich um eine Schnittstelle zu einem Open-Source-Blockchain-Protokoll. Nutzer würden Peer-to-Peer-Positionen über Krypto-Wallets handeln. Es wurde auch darauf verwiesen, dass solche Aktivitäten in einigen Fällen als Finanzprodukt reguliert würden. Diese Argumente wurden von der KSA vehement zurückgewiesen. Das Zufallselement sei entscheidend. Auch der Einsatz von Blockchain-Technologie und Kryptowährungen ändere nichts an der grundlegenden Einstufung als Glücksspiel.
Hintergrund
Die niederländische Glücksspielbehörde legt großen Wert auf die Einhaltung der Gesetze. Schon 2021 wurden Berufungen gegen das Lotteriemonopol abgelehnt. Die KSA hatte betont, dass ein einziges Lizenzsystem für staatliche Lotterien gerechtfertigt sei. Sie lehnte damals Berufungen von Betfair und der Dutch Online Gambling Association (NOGA) ab. Die aktuelle Entscheidung gegen Polymarket ist eine Fortsetzung dieser konsequenten Regulierungspraxis. Es zeigt, dass die KSA auch bei neuen Technologien wie Blockchain und Kryptowährungen nicht von ihrer Kernauffassung des Glücksspiels abweicht.
Die Marketingaussagen von Polymarket spielten eine wichtige Rolle bei der Entscheidung. Die KSA stellte fest, dass die niederländische Version der Plattform Nutzer dazu ermutigte, "von ihrem Wissen zu profitieren, indem sie auf zukünftige Ereignisse wetten". Solche Formulierungen ähneln der Werbung für Glücksspiele, nicht für neutrale Finanzprodukte. Dies wertete die Behörde als zusätzlichen Beleg dafür, dass der Dienst Glücksspielkonsumenten ansprechen sollte. Dazu kam, dass Polymarket Materialien auf Niederländisch anbot. Dies deutet auf eine gezielte Ansprache des lokalen Marktes hin. Italien hatte Polymarket ebenfalls wegen Glücksspielverstößen auf die schwarze Liste gesetzt. Südkorea prüft die Plattform auch wegen möglicher illegaler Glücksspielverstöße.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Spieler, die sich für Online-Glücksspiele interessieren, ist dieser Fall ein klares Signal. Deutschland hat mit dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) ebenfalls strenge Regeln eingeführt. Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) lizenziert und überwacht Online-Glücksspielanbieter. Spieler sollten ausschließlich auf der sogenannten Whitelist der GGL gelistete Anbieter nutzen. Diese Casinos halten sich an feste Vorgaben. Dazu gehören ein Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin an Spielautomaten und ein monatliches Einzahlungslimit von 1.000 Euro über LUGAS. LUGAS ist ein bundesweites Überwachungssystem zur Spieleridentifikation und Limitkontrolle.
Anbieter ohne GGL-Lizenz agieren in Deutschland illegal. Sie bieten keinen Spielerschutz nach deutschem Standard. Vorhersagemärkte, wie Polymarket sie anbietet, dürften in Deutschland ebenfalls als Glücksspiel eingestuft werden. Sie unterliegen dann den strengen Bestimmungen des GlüStV 2021. Eine schnelle Liberalisierung solcher Angebote ist nicht zu erwarten. Der Fokus liegt klar auf der Kanalisierung in den regulierten Markt und dem Schutz der Spieler.
Was das für GGL-Casinos heißt
Für GGL-lizenzierte Casinos in Deutschland bedeutet diese Entwicklung eine Bestätigung des eingeschlagenen Weges. Die europäischen Regulierungsbehörden zeigen eine zunehmend konvergente Haltung gegenüber Grauzonen im Glücksspielbereich. Der KSA-Beschluss untermauert die Auffassung, dass "Glücksspiele" nicht durch den Einsatz neuer Technologien verschleiert werden können. Dies stärkt den regulierten Markt. Er schafft mehr Sicherheit für lizenzierte Betreiber. Die GGL wird ihre Kontrollen fortsetzen. Sie wird illegale Anbieter, die versuchen, über technische Schlupflöcher oder unklare Definitionen die Vorschriften zu umgehen, verfolgen. Das Engagement für Spielerschutz und die Einhaltung klarer Regeln bleibt die oberste Priorität in Deutschland. Es gibt keine Anzeichen für eine Lockerung der bestehenden Limits oder Lizenzen.
„Die Einbeziehung von Blockchain-Technologie, Krypto-Wallets oder dezentralen Protokollen befreit den Betreiber nicht von den niederländischen Glücksspielgesetzen.“ - Kansspelautoriteit (KSA) zur Bedeutung der Technologie bei Polymarket
Der Fall Polymarket zeigt außerdem, wie wichtig eine klare Kommunikation der Regeln ist. In Deutschland müssen lizenzierte Anbieter ihre Marketingmaterialien sehr genau prüfen. Irreführende Aussagen sind nicht erlaubt. Das Beispiel Niederlande unterstreicht, dass sogar die Wortwahl in Werbetexten zur Einstufung als Glücksspiel führen kann. GGL-lizenzierte Casinos müssen sich strikt an die Werberichtlinien halten. Sie müssen Transparenz und Spielerschutz gewährleisten.
Quellen & weiterführende Links
- Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL): gluecksspiel-behoerde.de
- Whitelist erlaubter Online-Anbieter: GGL-Whitelist
- BZgA Spielsucht-Hotline: 0800 1 372 700 (kostenlos, anonym, 24/7)
- Redaktionelle Methodik: Redaktionsrichtlinien Lustich.de
Glücksspiel kann süchtig machen. Spielen Sie verantwortungsbewusst. Hilfe und Beratung unter 0800 1 372 700 (BZgA, kostenlos & anonym).





