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US-Gericht ringt mit Abgrenzung: Ist Kalshis Sportwetten-Ähnlichkeit Glücksspiel?

Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
US-Gericht ringt mit Abgrenzung: Ist Kalshis Sportwetten-Ähnlichkeit Glücksspiel?

Ein US-Berufungsgericht untersucht erneut, ob Kalshis Sport-Event-Kontrakte als herkömmliche Wetten einzustufen sind. Dies geschieht auf Drängen von Indianerstämmen, die eine Bedrohung ihrer Glücksspieleinnahmen sehen, welche 2023 landesweit über 43 Milliarden US-Dollar erreichten.

Das US-Berufungsgericht des Neunten Bezirks, der Ninth Circuit, hat den Betreiber von Vorhersagemärkten Kalshi in einem aktuellen Gerichtsverfahren scharf befragt. Richter verglichen Kalshis Sport-Event-Kontrakte wiederholt mit traditionellen Sportwetten. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob diese sogenannten Kontrakte anders bewertet werden sollten als herkömmliche Wetten unter US-Bundesrecht. Der Fall wurde von drei kalifornischen Indianerstämmen angestoßen. Dazu gehören die Blue Lake Rancheria, die Chicken Ranch Rancheria of Me-Wuk Indians und die Picayune Rancheria of the Chukchansi Indians. Sie versuchen, eine einst abgelehnte einstweilige Verfügung erneut prüfen zu lassen.

Die Stämme argumentieren, Kalshis Sport-Event-Kontrakte seien unerlaubtes Class III Gaming auf Stammesgebieten. Dies würde den Indian Gaming Regulatory Act (IGRA) verletzen und die Souveränität der Stämme gefährden. Der Konflikt dreht sich darum, wo die Grenze verläuft zwischen einem Finanzprodukt und einer Sportwette. Besonders heikel wird es, wenn diese Angebote auf Stammesland zugänglich sind. Die Auswirkungen könnten weitreichend sein, nicht nur für Kalshi, sondern für die gesamte Branche der Vorhersagemärkte in den USA.

Zahlen und Fakten

Indianerstämme in den USA erwirtschafteten im Geschäftsjahr 2023 mehr als 43 Milliarden US-Dollar durch Glücksspiel. Diese Einnahmen sind grundlegend für die Finanzierung von Stammesregierungen und unterstützen soziale Dienste wie öffentliche Sicherheit, Gesundheitsversorgung, Wohnungsbau und Bildung. James Siva, Vorsitzender der California Nations Indian Gaming Association, äußerte in einem Interview nach der Anhörung, dass Vorhersagemärkte die Glücksspieleinnahmen der Stämme bereits jetzt um etwa 5 Prozent reduziert haben. Er sieht in den Vorhersagemärkten die größte und unmittelbarste Bedrohung für das Glücksspiel der Stämme und ihre Souveränität, die sie seit Beginn der Branche erlebt haben. Er vermutet zudem, dass der Rechtsstreit letztendlich vor dem Obersten Gerichtshof der USA landen wird.

Hintergrund

Ein großer Teil der Anhörung konzentrierte sich auf die Frage, ob sich Kalshis Kontrakte wesentlich von Sportwetten unterscheiden. Richterin M. Margaret McKeown fragte Kalshi-Anwalt Grant Mainland nach einem Szenario: Jemand auf Stammesland kauft einen Kalshi-Kontrakt, der auszahlt, wenn die San Francisco Giants gewinnen. Gleichzeitig platziert dieselbe Person eine identische Wette bei DraftKings. „Würde das erste, der Kalshi-Kontrakt, erlaubt sein, aber nicht DraftKings?“, fragte McKeown. Mainland antwortete, dass „Designated Contract Markets anders reguliert sind als regulierte Sportwetten.“ Richter Richard Paez fragte, ob Kalshis Behauptung, Sportwetten seien in allen 50 Bundesstaaten legal, im Kontext von Stammesland und IGRA Bestand hätte. Mainland musste feststellen, dass der Handel mit dem Ausgang eines Spiels „Ähnlichkeiten mit dem gleichen bei DraftKings hat.“ Paez bemerkte dazu treffend: „Für mich wie eine Wette.“

Die Stämme argumentierten, selbst wenn Kalshis Produkte außerhalb der Reservate legal seien, gelte das nicht auf Stammesgebieten. Stammesanwalt Lester Marston führte aus: „Nehmen wir an, ihr Verhalten außerhalb des Reservats ist völlig legal. Ich sage Ihnen: In dem Moment, in dem Sie dieses völlig legale Verhalten auf das Reservat übertragen, begehen sie ein Verbrechen nach 1166 und verstoßen gegen die zivilrechtlichen Bestimmungen des IGRA.“ Er zitierte auch das Urteil des Obersten Gerichtshofs in Michigan gegen Bay Mills Indian Community. Demnach ist der relevante Ort, an dem der Kunde die Wette platziert, nicht wo Server oder Computer die Transaktion verarbeiten. „Sie schauen, wo der Kunde die Wette platziert“, sagte Marston. „Es ist dort, wo jeder Würfelwurf und jeder Spint stattfindet.“

Ein weiterer zentraler Punkt war die Frage, ob die Stämme überhaupt klageberechtigt sind. Die Stämme behaupten, ihre Glücksspielverordnungen, Stammes-Staats-Abkommen und IGRA bilden „ein umfassendes Regulierungssystem.“ Kalshi bestreitet dies. „Haben die klagenden Stämme das Recht zu klagen? Nach dem klaren Wortlaut des IGRA lautet die Antwort nein“, so Mainland. Richterin McKeown schien davon nicht überzeugt: „Aber das wäre nicht so unvernünftig. Ich meine, die ganze Stammes-Situation ist eine sehr komplizierte Beziehung.“

Was heißt das für deutsche Spieler?

Deutsche Spieler profitieren von einem deutlich klareren Rechtsrahmen als der, den der Ninth Circuit hier verhandelt. Der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) hat Online-Glücksspiel in Deutschland umfassend reguliert. Das bedeutet, legale Online-Casinos müssen eine deutsche Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) besitzen. Spielerschutz steht hier an erster Stelle. Spieler finden diese Anbieter auf der sogenannten GGL-Whitelist. Alle dort gelisteten Casinos halten sich an strenge Regeln: Dazu gehören ein Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin an Spielautomaten und ein monatliches Einzahlungslimit von 1.000 Euro, das über das zentrale Überwachungssystem LUGAS kontrolliert wird. Dieses System stellt sicher, dass Spieler diese Limits auch bei mehreren Anbietern nicht umgehen können. Im Gegensatz zu den undurchsichtigen „Prediction Markets“ in den USA, deren rechtliche Einordnung noch umstritten ist, wissen deutsche Spieler bei GGL-lizenzierten Anbietern genau, womit sie es zu tun haben. Ein 13. Juli 2026 ist für die deutsche Regulierung derzeit nicht relevant. Spieler sollten immer darauf achten, nur bei Anbietern mit deutscher Lizenz zu spielen, um rechtliche Sicherheit und hohen Spielerschutz zu gewährleisten. Angebote ohne GGL-Lizenz, etwa von Anbietern mit MGA- oder Curacao-Lizenzen, sind in Deutschland illegal und bieten nicht den gleichen Schutz.

Was das für GGL-Casinos heißt

Für Online-Casinos mit GGL-Lizenz hat diese Entwicklung in den USA keine direkte Auswirkung. Der deutsche Glücksspielmarkt ist eigenständig reguliert. Die Abgrenzung zwischen Finanzprodukten und Glücksspiel ist in Deutschland traditionell klarer geregelt. Vorhersagemärkte, wie sie Kalshi anbietet, fallen hierzulande in der Regel unter das Wertpapierhandelsgesetz oder ähnliche Finanzmarktregulierungen. Sie werden nicht als Glücksspiel im Sinne des GlüStV 2021 eingestuft. GGL-Casinos müssen sich weiterhin auf die Einhaltung der deutschen Vorschriften konzentrieren. Dazu gehören die strikte Kontrolle der Einsatz- und Einzahlungslimits, die Anbindung an LUGAS und die Einhaltung aller Spielerschutzmaßnahmen. Der Fall Kalshi zeigt aber, wie komplex die Abgrenzung von Wetten in Jurisdiktionen sein kann, die keine so klare Trennung kennen wie Deutschland.

„Der Aufstieg der Vorhersagemärkte ist ohne Zweifel die größte und unmittelbarste Bedrohung für das Glücksspiel der Stämme und für die Stammesregierung und Stammes-Souveränität, die wir derzeit haben. Es könnte die größte Bedrohung sein, die wir seit Beginn dieser Branche gesehen haben.“ - James Siva, Vorsitzender der California Nations Indian Gaming Association

Die Debatte in den USA unterstreicht die Wichtigkeit eines eindeutigen Rechtsrahmens, um Verbraucher zu schützen und unlauteren Wettbewerb zu verhindern. In Deutschland wurde dieser Rahmen geschaffen, um genau solchen Grauzonen vorzubeugen, die in den USA jetzt vor Gericht verhandelt werden.

Quellen & weiterführende Links

Glücksspiel kann süchtig machen. Spielen Sie verantwortungsbewusst. Hilfe und Beratung unter 0800 1 372 700 (BZgA, kostenlos & anonym).

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